Um 1800 lebten in London fast eine Million Menschen, 1850 waren es schon ueber zwei Millionen. Durch den rapiden Bevoelkerungsanstieg in der Stadt kam es zwangslauefig zu Engpaessen was Begraebnisstaetten betraf. Es musste etwas geschehen, und 1832 wurde beschlossen, zusaetzlich zu den bereits vorhandenen sieben weitere Friedhoefe im Stadtgebiet einzurichten. Diese viktorianischen Friedhoefe sind heute bekannt als Magnificent Seven: Kensal Green, West Norwood, Highgate, Nunhead, Brompton, Abney Park und Tower Hamlets.
Highgate Cemetery, im Norden der Stadt, wird von vielen als der schoenste Friedhof der Magnificent Seven angesehen. Tatsaechlich ist es ein Juwel, vielleicht auch am bekanntesten dadurch, da hier der gute alte Karl Marx sein Ruhestaette hat. Aber es waere unfair, es dabei zu belassen, denn viele in London bekannte Menschen wurden in Highgate begraben, und die viktiorianische Architektur der Graeber ist einfach wunderschoen.
Highgate besteht aus zwei Teilen. Der oestliche Teil ist tagsueber zugaenglich (Eintritt 1£) und wird auch heute noch als Friedhof genutzt. Fuer den aelteren westlichen Teil muss man sich einer Fuehrung anschliessen. Die Fuehrungen werden organisiert von der Highgate Cemetery Charity, deren Mitglieder es sich zum Ziel gmacht haben, diesen einmaligen Friedhof zu pflegen und zu erhalten.
Highgate hat ca. 52.000 Grabsteine auf denen ueber 166.000 Namen eingraviert sind. Ueber 60 Grabstaetten sind denkmalgeschuetzt. Vieles ist natuerlich verfallen, ueberwachsen oder unter den Baeumen verschwunden, aber genau das traegt zur Atmosphere bei, und die wichtigsten Gebauede versucht man zu erhalten oder zu renovieren.
Paris mag Pere Lachaise haben, aber wir haben Highgate, so there.
Wenn man nach dem Besuch noch etwas Zeit hat, sollte man Swains Lane (die Strasse, die die beiden Friedhofsteile durchquert) Richtung Sueden folgen und unterhalb des Friedhofs rechts in die Oakeshott Avenue einbiegen. Die Haeuser in der Strasse gehoeren zum Holly Lodge Estate, genauer sind sie die sogenannten Holly Lodge Lady Workers' Homes. 1923 erbaut auf dem ehemaligen Landsitz von Baroness Coutts sollten die mansions als billige Unterkunft fuer alleinstehende Frauen dienen, die nach London kamen, um als Sekretaerin oder Bueroangestellte zu arbeiten.
Die meisten Wohnungen sind klein, man teilt sich Bad und Klo und die viele Bewohner sind immer noch alleinstehende Frauen. Heute werden die mansions vom Camden Council verwaltet.

Und wie ich immer sage:
Dem alten Karl seine Reste sollten mal
nach Hause überführt werden.
Aber schnell, bitte!
Posted by: Andi | 13/02/2004 at 09:45
Genau! Ich weiss ehrlich gesagt nich, warum er dort rumliegt.
Posted by: Konstantin | 13/02/2004 at 15:49
weil er die hälfte seines lebens nicht in deutschland verbrachte... den groessten teil seiner werke verfasste er in london ("zur kritik der politischen oekonomie", "das kapital").
nachdem er nicht unbedingt als vermoegender mensch bezeichnet werden konnte kam eine ueberstellung nach deutschland nicht in frage (engels wird seine unterstuetzung mit marx tod auch eingestellt haben *g*).
london hat also auch seine berechtigung...
Posted by: rahomil | 15/02/2004 at 12:34
Ach komm, bleib mir doch mit den logischen Gründen weg.
Ich will die Debatte im Bundestag sehen, in der sich heftig darüber gestritten wird, ob das nun rechtens und sinnvoll ist oder nicht.
Ich will brutale Schlagzeilen in der Bild und der Sun lesen.
Posted by: Andi | 20/02/2004 at 08:39
hihihi... ja, das hätte schon durchaus das potential zu einer schlammschlacht der gazetten...
Posted by: rahomil | 23/02/2004 at 16:08
Sehr schöner Bericht,
ist auch verlinkt auf http://www.homeiswheremyheartis.net/2006/11/23/london-walks/
Posted by: nib | 24/11/2006 at 19:11