Wer einen wirklich seltsamen Teil Londons sehen moechte, der ist hier richtig: Gallions Reach am Ende der alten Royal Docks im Osten Londons, fast schon am Ende der Stadt. Gallions Reach ist nicht wirklich schoen, und wenn das Wetter nicht mitspielt und es regnet, ist es verdammt ungemuetlich. Aber die Gegend hat ihren eigenen einzigartigen Charme.
Noch in den siebziger Jahren war der Fluss hier voll von Frachtschiffen, die in den Docks anlegten und Ladung umschlugen. Die weiter noerdlich gelegenen Beckton gasworks sorgten fuer angemessene Luftverschmutzung. Spaeter dienten die Ruinen der gasworks Stanley Kubrick als Vietnam Kulisse fuer seinen Film "Full Metal Jacket". Heute sind die Gebaeude um die docks fast alle plattgemacht, und es gibt Plaene fuer development genannt Furlong City. Gebaut wird auch schon, aber der Grossteil des Gelaendes ist verlassen, und die docks lassen nur erahnen, wie hektisch es frueher war.
Ein Gebaeude allerdings ist stehengeblieben: Gallions Hotel am oestlichen Ende vom Royal Albert Dock. Das Hotel wurde um 1880 gebaut - als stopover fuer die reichen Reisenden auf dem Weg von den verschiedenen Haefen des British Empire nach London. Es gab eine Bahnstation, die Damen und Herren ruhten sich von den Strapazen der langen Reisen aus und warteten auf die connecting boats upriver oder stiegen in die Zuege um. Seit Jahrzehnten steht das Hotel leer und wartet darauf, die alten glorreichen Tage wieder zu erleben. Leider ist es auch nicht zugaenglich, aber inmitten von flachem Land trotzt es dem Wind.
Die Gegend einschliesslich des Hotels und des Royal Albert Dock soll in eine waterside community umgewandelt werden, was immer das heissen mag. Die Docklands Plaene waren immer etwas grossspurig, und oft hat die Realitaet dann die Planer schnell auf den Pott gesetzt und kleinlaut werden lassen. Wen es denn tatsaechlich in diesen letzten Winkel der Stadt ziehen mag, ist mir ein Raetsel. Zwar wohnt man direkt am Wasser (Marina inklusive), aber die Verkehrsanbindung ist nicht gerade toll. Um in die City zu gelangen, muss man einmal umsteigen, und gleich um die Ecke ist es nun wahrlich nicht. Die Nachbarschaft ist auch nicht atemberaubend. Beckton ist eher oede, aber zumindest North Woolwich hat Charme.
Wer hierher kommen moechte, sollte die Silverlink Metro bis Station North Woolwich nehmen und mit der Docklands Light Railway, Station Gallions Reach zurueckfahren – oder umgekehrt. Bootverbindungen gibt es auch, Thames Barrier ist ganz nah flussaufwaerts und man kann die Flugzeuge am London City Airport beobachten, wenn sie starten und landen. Am schoensten ist es frueh morgens, wenn die Stadt noch schlaeft und kein Mensch weit und breit ist. Die wenigen Autofahrer, die vorbeifahren, starren einen dann an, als sei man zu Fuss in downtown Los Angeles unterwegs.
Auch fuer Gallions Reach gilt, wie fuer viele Gegenden in London, man sollte kommen, solange es noch existiert. Die Schilder fuer das neue Projekt stehen schon, die Bauarbeiter werden kommen und wieder ist ein Teil der alten Docklands verschwunden.

Hi,
bin gerade auf deinen Blog gestossen. (Ueber Kaltmamsell). Habe ein Bild von meiner Arbeitsstaette entdeckt ( UEL @ Royal Docks)
Dein Blog ist klasse. ICh wohn schon seit vier Jahren in London und trotzdem habe ich viel neues entdeckt.
Freu mich shcon auf weiter Eintraege Iris
Posted by: Iris | 30/09/2004 at 13:28