Wenn es etwas gibt, was man getrost als typisch britisch bezeichnen kann, dann ist es the tradition of afternoon tea. Spaetestens seit Asterix weiss man, dass jeder Brite nachmittags Tee zu sich nimmt - was natuerlich Unfug ist. Aber maechtig viel Tee wird dennoch im Koenigreich verklappt:
“Fancy a cuppa, dear?”
“Put the kettle on, love.”
Wann das Ganze anfing, ist nicht verbuergt. Allerdings sagt man, die Tradition wuerde auf Anna, Seventh Duchess of Bedford (1783 – 1857) zurueckgehen. Die Duchess beschloss eines Tages, die Zeit zwischen lunch und dinner sei zu lang, um ohne Nahrungsaufnahme das Leben geniessen zu koennen. Gesagt, getan, die Gute wies Ihre Dienerschaft an, Tee mit leichten Snacks zu servieren. Das gefiel Ihro Gnaden so gut, dass der afternoon tea jeden Tag angerichtet wurde. Freunde uebernahmen dies, und das Ritual setzte sich sehr schnell im Land durch.
Das Besondere am afternoon tea ist also nicht nur der Tee allein, nein, das Begleitprogramm der snacks ist wichtig. Serviert werden kleine, feine sandwiches, cake, pastries, tarts und allerlei anderer Suesskrams.
Natuerlich bieten alle grossen Londoner Hotels den afternoon tea an. Wer es ausprobieren moechte, kann es im Ritz versuchen, aber auch Harrods, Claridges oder Fortnum and Mason servieren legendaer gute afternoon teas. Reservieren ist besser. Ausserdem sind adaequate Kleidung sowie etwas Kleingeld unumgaenglich, denn billig ist der Spass nicht. Trust me, it’s worth the money.
Wie heisst es so schoen im Ritz: “In order to avoid disappointment, reservations are strongly recommended. Gentlemen are respectfully requested to wear a jacket and tie.”
Traditional afternoon tea ist uebrigens etwas anderes als high tea. High tea wurde spaeter abends serviert, zusammen mit einem kompletten Abendessen. Beide Ausdruecke werden gern in einen Topf geschmissen und high tea klingt natuerlich viel vornehmer. Es ist aber nicht dasselbe. Wer allerdings mit “afternoon high tea” auf seiner Speisekarte wirbt, hat es wirklich nicht begriffen. Auf einer kanadischen website hab ich es gesehen. Jungs, Ihr seid mir sehr sympatisch (ehrlich), aber so gehts nicht.

Und in der working class, wenn ich mich recht entsinne, ist "tea" das Abendessen: "Mom, what's for tea?"
Posted by: kaltmamsell | 10/06/2004 at 22:11
Yep. "What's for tea tonight?" heist nix anderes als "Was gibts heute abend zu essen?"
Posted by: Konstantin | 10/06/2004 at 22:47
Sehr schoene Brighton photo Serie, by the way. Reinschauen bei der Kaltmamsell, everybody.
Posted by: Konstantin | 10/06/2004 at 22:49