London ist die Metropole der Videoueberwachung: CCTV – Closed Circuit Television. So um die fuenfhundertausend gibt es in der Stadt. Die genaue Anzahl weiss kein Mensch. Im gesamten Koenigreich soll es eine Kamera auf vierzehn Einwohner geben. An einem normalen Tag in London kann man bis zu dreihundert mal abgelichtet werden. London Underground filmt munter vor sich hin, Metropolitan Police ueberwacht, die Councils haben Kameras installiert. Ueberall sind die Dinger zu finden. Die Kameradichte in Whitehall schlaegt die der Universal Studios vermutlich um Laengen. Bollywood ist gar nichts dagegen. Dazu kommen noch Massen von privat installierten Kameras, um Gebaeude zu schuetzen. In keiner anderen europaeischen Stadt ist die Ueberwachung per Kamera so umfassend wie in London.
Bei soviel gefilmtem Material stellen sich natuerlich automatisch viele Fragen: Was passiert eigentlich damit? Wer hat Zugang? Wo und wie lange wird gespeichert? Was ist mit Datenschutz? Wie kann Missbrauch verhindert werden? All das ist im sogenannten Data Protection Act geregelt, wobei einige Saetze irgendwie komisch klingen: “Personal data processed for any purpose or purposes shall not be kept for longer than is necessary for that purpose or those purposes.” Hm, ist das vielleicht ein klein wenig schwammig formuliert?
Dazu kommen noch Bedenken zu den eingesetzten Techniken. Westminster Council z.B. testet bereits wireless cameras. Die kann man dann bei Bedarf einfach und schnell umpositionieren. Die Wirkung der Ueberwachung ist auch umstritten. Wird man dadurch selbst wachsamer? Will der Staat wirklich nur auf seine Buerger aufpassen und Kriminalitaet verhindern? Eines ist sicher. Wer in einer Tube Station gewaltaetig wird, muss schon mit erheblicher Daemlichkeit gesegnet sein. Denn die Wahrscheinlichkeit dabei gefilmt zu werden liegt bei ungefaehr einhundert Prozent. Trotzdem, der Beweis, dass CCTV ausschliesslich zur Sicherheit dient, muss noch erbracht werden.
Bis dahin kann man sich jedenfalls, sollte man gefilmt werden, zumindest eine Kopie der Aufnahme besorgen. Jeder, der an oeffentlich zugaenglichen Orten in England CCTV betreibt, muss auf schriftlichen Antrag die Daten rausruecken - an die gefilmte Person, gegen eine Gebuehr, sofern die Aufnahme noch gespeichert ist, versteht sich. Smile, you’re on bloody camera.

Hi Konstantin - excellent article. Even out in the suburbs the number of times you can be caught on camera on any particular day is simply amazing. You may check an article I did on this topic some time ago - there are some pictures (embedded in the Flash animation) of CCTV camera along Route 79 at:
http://www.route79.com/journal/archives/000156.html
Posted by: Jag | 16/07/2004 at 10:28
Cheers! Interested in reading more about this, anybody? Check out Jag's post. It is very good.
Posted by: Konstantin | 18/07/2004 at 18:41
Check this out: http://www.banksy.co.uk/outdoors/the-birds.html
Posted by: Christian | 21/07/2004 at 04:39
Ja so nach und nach schwappt der 84'Trend in jegliche Hemisphären.
Wahrscheinlich werden bald afrikansiche Stämme beobachtet ob sie wieder Tieren gegenüber gewaltätig werden.
Posted by: Sjörn | 30/07/2004 at 14:31
also mal ehrlich.... gut, wehret den Anfängen, aber was soll der ganze Humbug mit Datenschutz??? Lauft Ihr mit Namensschildern und Aressaufklebern durch die Gegend? Ich rege mich viel eher darüber auf, dass jede Firma auf meine Daten Zugriff hat, wenn ich mit Kreditkarte bei Ann Sumemers einen String für meine Freundin kaufe und mich dann irgendwo vielleicht als Transe rechtfertigen soll. Hier ist das Argument Datenschutz (gläsener Kunde) meiner Meinung eher angebracht...
Posted by: Matze | 31/07/2004 at 01:00
@Matze:
Hmm... Und wenn nun Dein Gesicht viel besser ist als jedes Namensschild? Bist Du sicher, dass es Dir recht ist, dass jeder weiß, dass Du z.B. gestern Nachmittag um 15:00 Uhr bei Ann Sumemers warst und mit einer 'neutralen Tüte' das Geschäft verlassen hast?
http://infowar.net/tia/www.darpa.mil/iao/HID.htm
Posted by: Johannes | 16/05/2006 at 09:23
Ich hab wo gelesen, dass Kameras irgendwann tatsächlich Gesicher erkennen können sollen bzw eine Software aufgenommene Gesichter mit denen aus einer Datenbank vergleicht und bei Bedarf Alarm schlägt (was auch bei "verdächtigen" Handlungen, schnellen Bewegungen, Absetzen von Gegenständen ect. passieren soll).
Allein das wär ja für mich DER Grund, auszuwandern. Vielleicht in die Sibirische Tundra oder so... Hey, wie weit dürfen die scheiß Politiker eigentlich gehen? Reicht ja schon, dass man (wenn man so panische Angst vor den Dingern hat wie ich) nicht mehr in Ruhe leben kann! Kann man doch bald überhaupt nicht mehr vor die Tür...
Posted by: Jessica | 23/11/2006 at 08:12
Software, die Gesichter erkennen kann, gibts schon lang.
Ich kenne ein System das in MAtlab geschrieben ist, dass in einer Videoaufnahme Gesichter sucht und die dann identifiziert. Der ganze Spaß läuft auf einem modernen Rechner innerhalb von ein bis zwei Sekunden ab.
Installiert man solch ein System in einer Stadt mit hoher Kameradichte, müsste nur noch die Verknüpfung zwischen deinem Namen und deinem Gesicht hergestellt werden und du bist überall identifizierbar...
Posted by: Hans Dampf | 30/11/2007 at 08:45