
So liebe Englaender, es hilft jetzt leider alles nichts. Eine Nachhilfestunde in Sachen Fruestueckseier ist schwer von Noeten. Ich weiss, ich weiss, Eier werden nach Eurer Meinung entweder gebraten oder zermatscht und gebraten oder in kochendes Wasser geworfen, (die ohne Schale Variante, genannt poached egg, eigentlich sogar ziemlich lecker). Aufgepasst, man kann sie auch mit der Schale in kochendes Wasser werfen. Das nennt man weichgekochtes Ei. Obiges Teil ist kein Teufelswerk und gar nicht gefaehrlich. Es handelt sich hierbei um den gemeinen Eierstecher, im Volksmund auch Eierpiekser genannt. Wozu dieser, hoere ich den interessierten englischen Leser fragen? Ganz einfach. Ihr schmeisst die Eier einfach so ins Wasser und wundert Euch, wenn sie zerplatzen. Nein, in den meisten Faellen hilft auch der Essig nichts. Anmerkung am Rande: Essig auf Chips ist gut und schoen. Im kochenden Wasser hat er nix verloren.
Zerplatzunfaelle stehen in direktem Zusammenhang mit dem Druck im armen Ei. Der Hitze wegen. Der Piekser bietet eine solide Loesung. Ein kleines Loch, und schon kann die Luft entweichen. Obacht! Immer die stumpfe Seite des Eis nehmen. Aber, der Reihe nach. Das Ei pieksen. Dann ins kochende Wasser damit. Ausreichend Wasser bitte. Damit sich das Ei frei bewegen kann. Dann bleibt der Dotter in der Mitte des Eis und wandert waehrend des Koechelns nicht auf die Seite, der Schelm. Je nach Groesse, zwischen sechs und sieben Minuten kochen.
Die Stoppuhr, welche ich bei ebay fuer schlappe zehn Pfunde erstanden habe, ist da sehr hilfreich. Faustregel: Large eggs, direkt aus dem Kuehlschrank brauchen sechs Minuten und dreissig Sekunden. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem Kochen kurz mit kaltem Wasser abschrecken. Nein, das hat gar nichts mit dem Pellen zu tun. Wenn man nicht abschreckt, koechelt es im Ei weiter. Und dann wirds haerter. Und es heisst ja nicht umsonst weichgekochtes Ei, oder? Schnell servieren und gleich essen. Ganz frisch vom Herd schmeckts am besten. Salz nach Geschmack. Koepfen ist eher stillos aber wohl erlaubt, fuerchte ich. Ordentliches Pellen ist besser und zeigt einfach mehr Respekt. Plastik- oder Stahlloeffel bitte. Schon mal mit Silberbesteck versucht? Graeusslich! Dazu frisches Brot, darf auch gern Weissbrot sein (gluecklich?). Viel Butter aufs Brot (scheiss aufs Cholesterin!). Bohnenkaffee (im Sinne von ganze Bohnen gemahlen) und frisch gepresster Saft. Wunderbar. So faengt man den Tag trefflich an.
Und zum Schluss noch der kleine Lesetip zum Thema. Vor ueber fuenfzig Jahren zum ersten Mal verlegt. Ein Klassiker und dank George Mann Books, (mit denen ich keine Vertraege habe), immer noch kaeuflich zu erwerben: Betty MacDonald, The Egg and I. One of the funniest books of all times.

Kaffee? Gekochtes Ei? Yuck!
You can take the boy out of Germany, but you can't take Germany out of the boy, oder wie? ;)-~
Posted by: Maxx | 29/11/2004 at 00:49
Es wird Zeit, unsere Frühstückskultur zu exportieren, weiter so. Wobei es auch Engländerinnen gibt, die lieber ihr eigenes Fruehstueck mit auf den Kontinent bringen, incl. Bohnen in Dosen. Das nächste Mal lernen wir dann ueber verschiedene Broetchensorten.
Posted by: Andi | 29/11/2004 at 08:08
Komisch: Meine englischen Freundinnen konnten das, schließlich haben erst sie mir die Freuden von soldiers beigebracht - knsprige Toaststreifen, die in den flüssigen Dotter eines weichen Eis gestippt werden. Vielleicht haben Sie den falschen Umgang, Herr Konstantin?
Posted by: kaltmamsell | 29/11/2004 at 09:00
Vollendet stilvoll ißt man das Ei mit einem Löffel aus (Kuh-) Horn oder Perlmutt. Damit wird die vom Löffel ausgehende Geschmacksgefahr minimiert, das Mundgefühl ist wegen der geringen Wärmeleitfähigkeit und der angenehmen Textur dieser Materialien unübertrefflich und optisch machen diese Löffel richtig 'was her. Give it a try!
Posted by: therealstief | 29/11/2004 at 12:30
Hartgekocht schmeckt's noch viel besser!!!
Posted by: br | 29/11/2004 at 18:01
Hartgekocht ist nicht schlecht, aber nicht perfekt, wie ich finde. Wenn hart, dann warm, nicht kalt nicht heiss, in duenne Scheiben geschnitten, direkt aufs dicke Butterbrot.
@ therealstief
Wie der Zufall es will, habe ich einen Perlmuttloeffel in meinem Besitz. Irgendwie naheliegend, aber ich bin noch nicht draufgekommen, diesen fuers Ei zu verwenden. Wird ausprobiert. Danke!
Posted by: Konstantin | 29/11/2004 at 18:35
Meine Eier zerplaten, trotz des Einstichs. :-( Ich gebe die Butter nicht aufs Brot sondern direkt ins Gelbe vom Ei, und getunkt wird mit Toaststreifen. Lecker!
Posted by: zorra | 05/12/2004 at 14:18
Auch hier in Amerika kocht man Eier meistens in wenigen uninteressanten Methoden. Mit Ihren Erlaubnis, Ich hoffe dieses kurtzen Arbeit zu uebersetzen, um es in unseren Betty MacDonald Site zu wiederholen. Verzeihen Sie bitte meinen armen alten Deutsch. Oh, wie ich wuensche, dass in meinen Universitaets Klassen haette ich besser zughehoert und studiert.
Posted by: Frank Alexander | 04/08/2005 at 21:51