Den Stadtteil Mayfair findet man im Zentrum von London. Oxford Street, Regent Street, Piccadilly und Park Lane. Das sind die Grenzen und wie man sich denken kann, Mayfair ist exklusiv, fashionable und sehr teuer. Wer hier wohnt, ist vermoegend, und wer in Mayfair sein Buero hat, betreibt ein gutgehendes business. Wo findet man wohl Mayfair in der britischen Version von Monopoly? Genau, direkt vor dem Los. Das teuerste Feld. Seit 1677 ist der groesste Teil dessen, was heute Mayfair heisst, in Privatbesitz. Die Familie Grosvenor darf sich seit mehr als drei Jahrhunderten als Eigentuemer dieses Stadtteils bezeichnen lassen. Normannischer Abstammung sind sie, Einwanderer, mit anderen Worten. Das Familienoberhaupt ist der Duke of Westminster, der einen sagen wir mal ungemuetlichen Ruf hat. Um die 1.500 Gebaeude stehen auf dem Land eines der reichsten Menschen in England.
Auch die amerikanische Botschaft hat dort Ihren Sitz. Am groessten Platz im Viertel, der, surprise, suprise, Grosvenor Square heisst. Es ist die einzige Botschaft Amerikas, die auf Land errichtet ist, das nicht den USA gehoert. Und das beim guten Kumpel England. 1968 kam es am square zu gewaltsamen Protesten gegen den Vietnam Krieg. The story goes, Mick Jagger sei um die Zeit eher zufaellig dort gewesen und wurde durch die Ereignisse zum song "Street Fighting Man" angeregt. Wer weiss. Georg Friedrich Haendel hat in Mayfair gewohnt. In der Brook Street. Und im Nachbarhaus hat es zweihundet Jahre spaeter Jimi Hendrix fuer immerhin 18 Monate ausgehalten. Die Queen hat in Mayfair ihre ersten Jahre verbracht und wurde dort geboren. Da war sie natuerlich noch keine Queen.
Aber ueber Shepherd Market moechte ich schreiben. Shepherd Market gehoert zum Stadtteil und ist ein Uberbleibsel der alten infamous May Fair, die dem Stadtteil den Namen gab. Die May Fair began als schlichter Markt und wurde 1688 per koeniglichem Dekret zur jaehrlichen Maivergnuegung erklaert. Nur leider schlugen die Besucher und Anwohner nach nicht allzu langer Zeit maechtig ueber die Straenge, und die fair wurde 1708 wegen "rowdy behaviour" eingestellt. Der Architekt Edward Shepherd erhielt den Auftrag, das Viertel umzugestalten, und 1735 begannen die Arbeiten. Das Ergebnis ist der heutige Shepherd Market. Ein kleines Gewirr aus Gassen, kleinen Laeden und viktorianischen pubs. Aber Shepherd Market hat noch immer seinen Ruf weg. Ungemein populaer und voll, abends. Strassenprostitution, angeblich sogar legal. Das flair der May Fair ist wohl nie verschwunden, obwohl um dieses loszuwerden der market gebaut wurde. Der Cartoonist erzaehlte von der Legalitaet der Strassen- prostitution, was in London absolut einmalig waere. Hoerensagen, wie er auch meinte. Ich kanns nicht beurteilen und hab auch im Netz nichts gefunden.
Aber was ich beurteilen kann, ist der wunderbare Charme des Viertels. Und die Strassen und Gassen sind buchstaeblich voll von kuriosen und bewegenden Geschichten. Der selbsternannte Schriftsteller und Politiker Jeffrey Archer beschloss in den 80er Jahren hier seine Karriere in die Tonne zu treten, als er fuer £70 eine Prostituierte anheuerte und spaeter dummerweise £2000 draufsetzte, um sie ausser Landes zu schaffen und mundtot zu machen. Half nix. Die Sache kam raus, und Archer musste ins Gefaengnis. Serves you right. Nicht der Dame wegen, sondern weil er jahrelang alles abstritt und log, wo er nur konnte. Oder "musste", respektive. War den Tories ziemlich peinlich, die Geschichte, denn er ist einer der Ihren. Und immer noch mit derselben Frau verheiratet. Um die Ecke in der Curzon Street nahm 1978 der The Who drummer Keith Moon zuviel ungesundes Zeugs zu sich. Ums mal charmant auszudruecken. In der Wohnung, in der Cass Elliott von den Mamas and Papas vier Jahre vorher starb. Und in der White Horse Street, die zu den Hotels auf der Piccadilly fuehrt, und zu Green Park, "Please alight here for Buckingham Palace", da gibt es immer noch, wie am market, die alten Gaslaternen.


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