2004 wurden in England 1.338.882.000 Schecks im Wert von £1.110.539.000.000 eingeloest. England, nicht Great Britain. Das macht 2.547 Schecks im Wert von 2,1 Millionen Pfund pro Minute (APACS) Waehrend fuer viele Firmen bank transfers eigentlich wichtiger sind, kaempft Joe Bloggs auf der Strasse taeglich mit cheques. Sei der Betrag noch so klein, es wird mit cheque bezahlt. Die Dinger zu versenden ist ja ziemlich praktisch, aber einreichen und dann auf die Gutschrift warten, kann dauern. Theoretisch laeuft der clearing process in drei Werktagen ab. Theoretisch. Praktisch kann das schon mal anders aussehen.
Zunaechst das Ausfuellen. Feine Sache, Empfaenger eintragen, Datum, Summe. Fertsch. Ach ja? Und wie schreibt man z.B. £153.39 in Worten? Onehundredand… ich kann das noch nicht mal in deutsch, verdammt. Erhaelt man dann einen Scheck, gibt es zwei Moeglichkeiten. Entweder zusammen mit einen Einzahlungsformular an die eigene Bank schicken (und beten, dass die Royal Mail es nicht wieder versaut). Oder zu einer Filiale der Bank gehen und einreichen. Ich bevorzuge Variante zwei. Anderen Menschen denken genauso. Also sind saemtliche Banken zur Mittagszeit regelmaessig voll. Hilft nix, schoen in die Schlange einreihen und Scheck mitsamt dem sogenannten paying in book dem freundlichen Angestellten geben. Der stempelt alles ab, gibt die Daten in seinen computer ein, und dann heist es auf die Gutschrift warten. Wie gesagt, minimum drei Werktage.
Manchmal ist der cheque nicht gedeckt. Cheque is bouncing, wie es so schoen heisst. Die Bank versendet eine Mitteilung an den Kunden. Dann muss man den Schuldner nerven, damit der einen neuen verschickt, usw, usw. Aber, es gibt Hoffnungs- schimmer. Die Zahl der Geldtransfers via cheque geht stetig zurueck. Ein Nebeneffekt des online bankings, denn damit kann man tatsaechlich direkt an Menschen Geld ueberweisen. Einfach so. Man braucht nur den Namen, die bank account number und den sogenannten sort code der Bankfiliale. Das geht natuerlich auch von der Bank aus. Nur muss man dann Formulare ausfuellen, und wer will das schon.
Andererseits: Ein cheque book mit seinem Namen auf den Teilen zu haben, ist ja schon cool. Anfaenglich. Dann gewoehnt man sich dran. Ziemlich fix. Und, obiges book ist nicht meins. Also keine phishing mails.


Interesting :)
Ist es richtig, dass mein an ATMs der oben abgebildeten Bank (Lloyds TSB) mit EC-Karte (also nicht Kredit-Karte à la Master etc.) abheben kann? Zumindest bilde ich mir ein, bei meinem letzten London-Aufenthalt an einem Automaten solch einer Bank mit regulärer EC-Karte Geld erhalten zu haben, und bei ziemlich günstigen Gebühren.
Posted by: Johannes Pohl | 01/02/2005 at 19:16
Yep, fast jeder cash point hier schluckt ehemals EC, jetzt Maestro Karten und spuckt auf Verlangen Bargeld aus.
Posted by: Konstantin | 01/02/2005 at 20:18
Die Möglichkeit gabs bereits Ende der 80er-Jahre. Da hab ich mit der EC-Karte in der Charing Cross Road am Automaten (der Westminster?, nur ein paar Meter von Trafalgar Square entfernt) ordentlich Pfunde gezogen.
Posted by: Dany | 01/02/2005 at 20:47
in den usa, dem heimatland der verfluchten schecks, gab es bis vor kurzem eine siebentaegige wartefrist, bis die biester auf konten verfuegbar waren. als alternative bot sich der direkte gang in die bankfiliale an, dort konnte es allerdings schnell eine stunde dauern, wenn man einen scheck aus einem anderen bundesstaat einloesen wollte. seit erstem januar hat sich das ein wenig geaendert: banken sind jetzt verpflichtet, schecks noch am gleichen tag gutzuschreiben. geplatzte schecks dagegen sind unveraendert aergerlich: gibst du mir einen und ich reiche den ein, verlangt meine bank von mir fuenfundzwanzig dollar.
Posted by: siebenviertel | 01/02/2005 at 23:10
Jepp. Wahr gesprochen. Das englische Bankingsystem ist ein großer Haufen... naja. Vor allem wenn man Ausländer ist. Ein europäischer Sternenkranz auf dem Pass hilft da nur wenig. Jeder Ausländer den ich hier in der Stadt kenne flucht über Londoner Banken. Hilft alles nichts. Irgendwann werden sie von Europa lernen.
Posted by: Phil | 02/02/2005 at 00:40
Funktioniert auch vice versa sehr gut, mit Debit card bei der guten alten Sparkasse, bekommt man nen klasse Wechselkurs (besser als wenn man in UK EUR kauft) und bei HSBC Karten zahlt man nicht mal Gebuehren....
Am schlimmsten ist aber immer wieder das umstellen aufs Bargeld, irgendwie macht man sich in D unbeliebt wenn man ein Sandwich mit Karte zahlt... hierzulande wir man schief angesehen, wenn man soviel Bargeld mit sich rumtraegt.... ach stimmt, nur Terroristen zahlen immer Bar.
Cheers
Posted by: Ruben | 02/02/2005 at 22:41
Ich hab' kürzlich meine Kreditkarte via Scheck bezahlt, £80. 1 Woche später kam 'ne Mahnung, worauf ich also im Web meinen Account gecheckt habe. Stellt sich heraus, statt 80 PFUND sind aus unerklärlichen Gründen nur 80 PENCE von meinem Konto gebucht worden. Das Theater danach mag man sich vorstellen: unzählige Anrufe an Bank und Kreditkartenfirma. Klasse. Sowas macht Spaß.
Posted by: The Cartoonist | 03/02/2005 at 11:23
Also ich mach sowas fast alles per online banking, da kann man ziemlich problemlos Ueberweisungen taetigen oder Dauerauftraege einrichten. Ich weiss gar nicht wann ich das letzte Mal einen Scheck verschickt habe.
Posted by: Armin | 05/02/2005 at 12:36
JaJa - JETZT mach ich das auch nur noch!
Posted by: The Cartoonist | 06/02/2005 at 00:23