Vor fuenf Jahren hat es mich zum ersten Mal nach Notting Hill verschlagen. Zufaellig eher, dann schnell genervt vom Touristenrummel. Ich mag den Strassenmarkt nicht besonders. Aber Notting Hill ist ein feiner Stadtteil. Man kann stundenlang in den Nebenstrassen der Portobello Road herumlaufen und dann abends ein, zwei gepflegte pints zu sich nehmen und einen Happen essen. Worth your while. Wohnen moechte ich dort nicht, aber das ist Geschmacksache.
Notting Hill’s skyline (sofern es denn eine gibt) wird von einem Gebaeude beherrscht, dass man guten Gewissens als erstaunlich bezeichnen kann: Trellick Tower, 32 Stockwerke, 219 flats, 98 Meter hoch, gebaut zwischen 1968 und 1972 und entworfen von dem Architekten Ernö Goldfinger, mittlerweile grade II listed. High-rise living. Das war zu Beginn der 70er Jahre in London kein alltaeglicher Begriff. Aber die flats waren hell, nicht zu klein und bezahlbar, denn das Gebaeude war als social housing geplant. Das Konzept war erfolgreich. Dann kam leider, was kommen musste. Ende der 80er Jahre hatte Trellick einen aeusserst schlechten Ruf. Kriminalitaet, Ueberfaelle. Der tower machte Schlagzeilen in den tabloids. Kensington and Chelsea Council und die Bewohner suchten gemeinsam nach Loesungen, und mit CCTV und concierge verbesserte sich die Situation. Heute sind nur wenige flats in Privatbesitz, und wenn sie denn mal auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden, ist es teuer. Der Grossteil der Wohnungen ist in council Besitz, und es gibt eine starke und selbstbewusste Nachbarschaft.
Als ich vor fuenf Jahren durch Notting Hill schlenderte, ist mir das Gebaeude natuerlich aufgefallen, und jedesmal, wenn ich in der Gegend bin, fasziniert mich die Architektur. Der kleinere service tower mit Lift und Treppenhaus hat oben eine, nennen wir es mal, Ausbuchtung. Dort war die Oelheizung untergebracht, die aber ziemlich schnell den Geist aufgab und dann im Zuge der Oelkrise nicht erneuert wurde. Heute sorgen Elektroheizkoerper in den Wohnungen fuer Waerme. Der Blick aus den oberen Stockwerken ist natuerlich atemberaubend, und wie die Gaenge, die alle drei Stockwerke die beiden tower verbinden, so halten, ist mir schlicht ein Raetsel. Aber ich bin ja auch kein Architekt.
Maxx und Horst haben mich daran erinnert, und nun wurde es aber auch Zeit, darueber zu schreiben. Worth a note, ganz sicher.


Ich bin hier ständig am Hoch- und Runterscrollen des Fotos. Sieht aus, als würde sich die gesamte Seite verschmälern und verbreitern. Hui!!
Posted by: kaltmamsell | 08/02/2005 at 15:53
Also bitte : )
Posted by: Konstantin | 08/02/2005 at 17:20
Fuer mich nach wie vor eines der tollsten Gebaeude in ganz London. Und eins der am schwersten zu fotografierenden. Fast unmoeglich, ihm gerecht zu werden. Muss man halt selbst gesehen haben, am besten natuerlich am letzten Augustwochenede, wenn es in Jerk Chicken Schwaden gehuellt ist.
Klasse, dass Du wohl genau da gestanden hast, wo ich auch meine Fusspuren hinterlassen habe ;)
Posted by: Maxx | 08/02/2005 at 21:23
Fantastisch dieses Gebäude, schleicht man sich an der Concierge vorbei, im obersten Stockwerk genau neben dem Lift sind Einschusslöcher, von aussen nach innen, ob da wohl ein James Bond gedreht wurde?! :) Jeder Eingang zu den Wohnungen ist anders gestaltet, bunt, nach hinten versetzt nach vorne vorspringend, da soll nochmal einer sagen Korridore in Wohnsilos sind langweilig.
Posted by: andrea | 24/02/2006 at 22:08