
Naechste Woche waehlt die Nation. Der Wahlkampf laeuft auf Hochtouren, die Kandidaten werfen sich gegenseitig Dreck an den Kopf, das Uebliche. Natuerlich gibt es Wahlkampf- veranstaltungen, viel mehr Gewicht wird aber dem echten campaigning beigemessen. Die Kandidaten, Helfer und Helfershelfer latschen von Tuer zu Tuer und versuchen einen zu ueberzeugen. Da ich nicht waehlen darf, erwaehne ich das meist gleich. Lust auf abendliche politische Diskussionen an der Haustuer habe ich sowieso nicht. Viele Leute kleben Parteilogos an die Fenster. Wenn dann wie oben das Signal lautet, hier wohnt ein Lib-Dem, dann lassen einen die Tories und Labour Leute meist in Ruhe. Unsere constituency, Hampstead and Highgate, ist sowieso seit 1992 fest in Labour Hand und mit der Schauspielerin Glenda Jackson ausserdem auch noch in sehr sehr guter Hand. Kaum zu glauben, aber die Frau antwortet auf emails und zwar nicht mit dem ueblichen Gebrabbel.
Gestern abend wurden die Spitzenkandidaten im Fernsehen gegrillt. Nett, aber nicht spektakulaer. Die zu erwartenden Kritikpunke kamen dann auch: Tony Blair (Was zum Teufel hat uns geritten, in den Krieg zu ziehen?), Michael Howard (Was soll dieser ganze Immigrationsschwachsinn?) und Charles Kennedy (Was fuer eine verdammte Alternative denn?). Die Gruenen spielen in England keine Rolle. Die einzige Partei, die sich mehr oder weniger aktiv mit gruenen Gedanken abgibt, sind die Lib-Dems. Labour greift dies auch auf, aber man hat den Eindruck, sie tun es, weil sie es tun muessen.
Da in England die relative Mehrheitswahl gilt, ist die Wahl manchmal doch recht spannend. Erstens dauert es erheblich laenger, bis die Stimmen ausgezaehlt sind. Zweitens sind Mehrheiten in einigen constituencies ziemlich duenn. Mit Hilfe des Internet versucht man, das sogenannte tactical voting zu organisieren. Zwei Waehler aus zwei verschiedenen constituencies verabreden sich, die Stimmen zu tauschen. Ich waehle bei mir Labour, obwohl ich eigentlich Lib-dem Anhaenger bin. Du waehlst bei dir Lib-dem, obwohl du alter Labour Hase bist. Das Ergebnis: Die Stimmenverteilung bleibt gleich, aber mit etwas Glueck kicken wir die Tories raus, wenn der Kandidat ein Wackler ist. In Taunton z.B. hatten die Tories 2001 mit 0,4% Mehrheit den Sitz uebernommen. Es duerfte klar sein, dass dort viele Lib-Dem waehlen, um zumindest das kleinere Uebel in Kauf zu nehmen. Noch mal zu meiner constituency: 22% Mehrheit fuer Labour bei der letzten Wahl. In anderen Worten keine Chance fuer andere Parteien, entscheidend einzugreifen.
2001 fiel das Ergebnis in Britain wie folgt aus: Labour 413 Sitze, Tories 166 Sitze und Lib-Dem 52 Sitze. Zur Erinnerung: Das Ergebnis gibt natuerlich nicht die tatsaechlichen Verhaeltnisse wieder, da der Waehler in seinem Wahlkreis seine Stimme abgibt.
Naechste Woche ist es dann soweit. Warum in England immer an einem Donnerstag gewaehlt wird, weiss ich auch nicht. Wenigsten sind die Wahllokale laenger offen. Ich bin mit Sicherheit auf einer Lib-Dem Wahlparty, weiss aber noch nicht genau wo. Wenn es eine wireless location (grr, schauderhafter Ausdruck, mir faellt aber nix besseres ein) ist, nehm ich vielleicht meinen Schlaptop mit und berichte live, denn wie gesagt, es kann eine lange Nacht werden.
Bei der BBC und bei einigen Tageszeitungen findet man gute blogs und ausfuehrliche Informationen: BBC Election, BBC Election Blog, Guardian Election, Guardian Election Blog, Independent Vote 2005.
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