« Top Of The Tower | Main | Dry Dolphins »

05/08/2005

Comments

Paul

Den seit geraumer Zeit fast durchgängig - auf eine spezielle Art einzigartig - grauenhaften Müll von Spiegel online nur noch sporadisch zu lesen, war eine wirklich gute Idee von mir.

Nie hättte ich für möglich gehalten, dass ausgerechnet der Spiegel sich einen Ableger leistet, der es Tag für Tag schafft, die "Bild" auf eine unsägliche Weise im Niveau zu unterbieten. Das betrifft nicht nur den hier in Rede stehenden Artikel - durchgängig, wie erwähnt. Leider.

Mario

Der "Abstieg" von Spon gen YellowPress ist seit langem besiegelt. Wer Massen bedienen will muss sie mit Sex, Tot und Dummheit locken :-/

Frank

Ich war es ja gewohnt die im Spiegel taeglich die Hiobsnachrichten aus Deutschland zu lesen, aber erst als das Blatt drei Korrespondenten nach London geschickt hat um auch von der Insel Kappes zu berichten ist mir klar geworden wie schlecht recherchiert und herablassend deren Berichterstattung ist.

Schreibt dem Spiegel doch bitte was ihr von diesem (und anderen irrefuehrenden) Artikeln haltet.

Hanno (London-Blog.de)

Mein Senf dazu: Erstmal frage ich mich angesichts des erst seit kurzem von mir wahrgenommenen Spon-Kritisierens (böse zungen würden 'bashing' sagen), ob ich schlicht zu unkritsch lese oder es mir persönlch einfach nicht auffällt, was da für ein "unsinn" steht. oder ob ich einfach mit meiner meinung, dass spon eine gute journalistische onlinseite ist, in der blogwelt allein dastehe?

dein artikel ist aber auf jeden fall sehr gut, setzt er sich doch nahezu satz für satz mit dem geschriebenen auseinander. vielleicht liegt die subjektive wahrheit(tm) aber von journalist zu journalist bzw. blogger zu blogger immer im auge des betrachters...? dafür sind blogs ja auch da, und es ist gut, dass du kritik übst.

Armin

Bashing ist ja auch nur Denglisch fuer Kritisieren ;-)

Aus meinen RSS subscriptions ist er schon vor Ewigkeiten rausgeflogen, vor ein paar Wochen auch aus meinen Bookmarks.

Die Artikel bei SpOn sind sehr oft extrem schlecht recherchiert und/oder falsch uebersetzt wenn von Englischsprachigen Quellen geklaut.

Wenn Du erst einmal eine Weile hier gelebt hast und Dich hier gut auskennst wirst Du merken wie oft Stories ueber Grossbritannien (oder wie im Spiegel immer wieder mal geschrieben England, selbst wenn sie Grossbritannien meinen) einfach falsch oder einseitig sind.

Dazu kommt ein gewisser Lokalpatriotismus den einige (und ich nehme an Konstantin gehoert auch dazu) entwickelt wenn man erst einmal eine Weile hier gelebt hat.

Ich bin jetzt praktisch seit 10 Jahren hier (in den 2.5 Jahren die ich zwischendurch in Muenchen war war ich im Geiste immer noch hier). Meine Heimat (http://www.ministryofpropaganda.co.uk/2005propaganda/20050802-home.shtml) ist jetzt hier in England. Wenn ich da schlecht recherchierte und tendenzioese/ tendenzielle/ wieheisstdasdennjetzt? Artikel lese die meine Heimat schlecht machen reagiere ich empfindlich.

The Cartoonist

"Die Artikel bei SpOn sind sehr oft extrem schlecht recherchiert und/oder falsch uebersetzt wenn von Englischsprachigen Quellen geklaut."

Die hatten gestern erst noch (ist mittlerweile wieder verschwunden) im Zusammenhang mit dem Bombenbau "Flour" mit "Fluor" übersetzt. Es ist unfassbar.

Konstantin

England - Grossbritannien, in der Tat. Armin, dem hab ich nicht viel hinzuzufuegen. Feiner Kommentar. Vielleicht noch eines. Ueber SpOn rege ich mich normalerweise nicht mehr auf. Wenn es Artikel ueber Grossbritannien oder London gibt, ist meine Reaktion erstmal "yeah, whatever".

Aber einen Menschen bewusst oder nachlaessig vorzuverurteilen, ist erbaermlich, billig und hat mit solidem Journalismus nichts zu tun. Das ist "Sun" Niveau. Vermutlich ist er einer der Taeter. Vermutlich. Es gibt noch nicht mal eine Anklage. Das war eigentlich nur der Aufhaenger, um mir den Artikel genauer anzusehen. Und die Fehler, die ich meine, entdeckt zu haben, sind mir innerhalb von wenigen Minuten aufgefallen. Weil ich hier wohne. Und weil ich hier lebe. Und weil ich Grossbritannien als meine Heimat betrachte. Und ja, weil ich einen Lokalpatriotismus entwickelt habe, der mir absolut nicht peinlich sein muss.

Und es regt mich masslos auf, wenn Schreiberlinge, die vorgeben, Journalisten zu sein, solchen Unsinn verzapfen, damit Menschen beinflussen, und kritiklos davonkommen.

Damit sind Sie gemeint, Herr Gebauer, falls Sie dies jemals lesen sollten.

Konstantin

Ha Ralf, hab gerade kommentiert, als Du auch unterwegs warst. Ernsthaft? Ich glaube das nicht. Wie kann man nur so daemlich sein.

The Cartoonist

Doch, ernsthaft. Ich kann den Artikel bloß in dem SpOn Chaos nicht mehr finden. Hab dich übrigens grad als 'Reporter' bei Majo reingetan. Mal sehen, wann er's bringt.

Wilhelm

So ganz kann ich die Kritik nicht nachvollziehen. "Krächzte" ist die Vergangenheitsform von "krächzen" und an dieser Stelle nach meiner Ansicht korrekt. Mit "schweren Gewehren" sind wahrscheinlich die Maschinenpistolen gemeint. Hierbei handelt es sich um vollautomatische Waffen. "Incidents" ist natürlich eine verallgemeinende Umschreibung, in Deutschland würde man sicherlich eher von "Anschlag" reden.

The Cartoonist

Ja, und Wilhelm heisst Willy auf englisch. Gute Nacht.

Konstantin

Wilhelm, wenn mit schweren Gewehren Maschinenpistolen gemeint sind, warum schreibt man dann nicht Maschinenpistolen. Das zeugt nur von Unkenntnis. Normalerweise begegnet man in London bewaffneten Polizisten lediglich auf den Flughaefen.

Und Du kannst mir nicht im Ernst erzaehlen, dass in irgendeiner deutschen Stadt nach solchen Ereignissen in derselben Stadt die Lautsprecheransagen das Wort "Anschlaege" beinhalten wuerden. Das ist, mit Verlaub, entweder naiv oder dumm.

Wilhelm

The Cartoonist, eine wirklich sachliche Bemerkung.

Hanno (London-Blog.de)

armin:
ich bin gespannt, wie sich meine wahrnehmung deutscher nachrichtendienste und -quellen ändern wird, sobald ich ein paar monate dort lebe. dass sie sich verändern wird ist sehr wahrscheinlich. und spon werde ich jetzt kritischer lesen.

The Cartoonist

Deshalb bin ich auch The Cartoonist; meine Kommentare sind an Sachlichkeit nicht zu übertreffen.

Hanno (London-Blog.de)

dachte ich mir ;)

The Cartoonist

Nun, der SpOn hat mit dem tatsächlich gedruckten Blatt kaum etwas gemein, die meisten der Online Artikel sind einfach schlecht recherchiert, schlecht übersetzt und stecken voller Fehler. Das Dumme ist nur, daß es eben gelesen und für gut befunden wird.

WorldWideKlein

Kommt mir irgendwie und irgendwoher bekannt vor: Auch nach den unterstellten Anthrax-Briefen an Adressen in Washington standen die Menschen (u.a. laut dpa) Schlange nach Gegenmitteln - nicht in meinen Apotheken. Nach den Schssen der beiden Irren, die als "Sniper von Washington" durch die Medien geisterten, lagen ganze Einkaufszentren verdet da - nicht mein rtliches "Home Depot", vor dem ebenfalls eine Frau erschossen worden war.

Als Tter weiss ich es selbst: Auflage bzw. Quoten mssen gemacht werden, also werden sie gemacht.

Alexander

Servus

Dass sich viele nicht mehr mit dem Informationsbeschaffungs- und verarbeitungsstil von SpOn anfreunden koennen, ist ja schon laenger bekannt.

Was aber liest denn der Onlineinformierte von heute als Alternativen (ausser Weblogs :)?

Jan Michael

Was aber liest denn der Onlineinformierte von heute als Alternativen (ausser Weblogs :)?
Für die regelmäßige Dosis News halte ich Google-News für ziemlich ausreichend – merke ich gerade an der Uni, wo FAZ-Abonnenten nicht besser übers Tagesgeschehen informiert sind als ich mit angepassten Google-News. Fördert jedenfalls das vergleichende Lesen unterschiedlicher Quellen, wobei das ja quasi Philosophie der Blogkultur ist.
Für Hintergründe und Diskurs kommt man aber m.M.n. an Print bzw. kostenpflichtigen Online-Angeboten nicht vorbei. Meine Wahl: Ein Taz-Digi-Abo, den Economist im Studentenabo mit Web-Login und ab und zu ein Milchkaffee um die Ecke zum Gratis-FAZ-Zeit-Süddeutsche-FR-Lesen.

Lucomo

Wirklich klasse Analyse und Kritik!

Diese manipulative, ungenaue, emotinale, spekulative, rumfantasierende Schreibe ist bei der Schülerzeitung namens Spiegel-Online in der Tat bei vielen Themen üblich. Merken tut man das als Leser aber wahrscheinlich nur, wenn man selbst über das Geschriebene auch aus anderen Quellen als Spiegel-Online (oder aus eigener Erfahrung) Bescheid weiß. Liest man nur oberflächlich, merkt man von dieser manipulativen und/oder fabulisierenden Art wahrscheinlich wenig.

Ich vermute ja, dass dieser Schreibstil, der eher ans Geschichtenerzählen als an einen Zeitungsartikel erinnert, aus der Not geboren ist: Spiegel-Online ist und war ein Minus-Geschäft für den Spiegel. Für gute Journalisten oder gute unabhängige Informationen haben die kein Geld. Also muss halt rumfantasiert werden. Investieren will der Spiegel anscheinend nicht. Also nimmt das Magazin Spiegel durch die immense Reichweite seines Online-Schülerzeitungsablegers Schaden. Verstehe das, wer will. Ich vermute, dass die Leitung beim Spiegel nichts mitbekommt. Snafu halt.

Interessant ist ja auch, dass Spiegel-Online tatsächlich von allen Seiten kritisiert wird. Von Links wie von Rechts wie von Unpolitischen.

Lucomo

^^ Fabulisieren ist natürlich ein fabuliertes Wort. Tsss. :-)

The Cartoonist

"Fabulisieren" ist ein ziemlich klasse Wort.

Felix

Was aber liest denn der Onlineinformierte von heute als Alternativen (ausser Weblogs :)?

Zum Empfehlen sind in jedem Fall guardian.co.uk (als Druck mit 2,80€ in DE ausgesprochen teuer), die BBC und sueddeutsche.de (meist etwas langsamer als der Guardian und die BBC).

Als Druckausgabe, wie von Alexander genannt, auf jeden Fall die Süddeutsche.

Student

Bei aller konstruktiver (und berechtigter) Kritik, bleibt anzumerkern das in der BRdeutschen Medienwelt einiges seit einiger Zeit (genauer seit dem 11.9.) nicht mehr journalistisch korrekt abläuft.
Der Ausdruck "mutmaßlich" sowie die Verwendung des Konjunktivs scheint in deutscher Journalistenschule nicht mehr Untrichtsinhalt zu sein.
Auch das HeuteJournal sowie die Tagesthemen (immerhin die Nachrichtenflaggschiffe der öffentlich rechtlichen) haben seither immer wieder von Terroristen gesprochen wenn entsprechende Verdächtige igendwo auf der Welt gefangen, gesichtet oder sonstwie behandelt wurden.
Gleich ob sie nun unter rechtstaatlichen oder fragwürdigen Bedingungen überführt, entführt, verurteilt oder sonstwie behandelt wurden.

Ich halte das "embedded" sein und die Abhängigkeit der Journalisten von den jeweiligen Quellen für die Ursachen solch tendenziöser Berichterstattung.

Schlimm ist es allemal und es betrifft eben nicht nur die SpOn-Red. Ich denke, dass solcherlei Pseudo-Journalismus sogar eine demokratiegefhrdende Wirkung hat.
Ich bin der Aufassung das gerade eine kritische Beleuchtung wie sie hier dargelegt wurde, aufzeigt welche Richtung aufklärender Journalismus in Zukunft gehen wird und welche althergebrachten Medien sich selbst ins Off katapultieren. In diesem Sinne. Weiter so.

Pascal

naja, ich stimme der beschreibung in spon auch nicht zu, was panik und stimmung hier in london town angeht.

allerdings finde ich es ein wenig zu kleinkariert sich ueber "kraechtzen" aufzuregen.
schade, denn so pingeliges fingerzeigen, das vermittelt mir eher das bild von gezielter fehlersuche und "in-der-luft-zerfetzerei" statt wirklicher analyse eines offensichtlich nicht stimmigen artikels.

aber wie gesagt, meine erlebnisse in zusammenhang mit den anschlaegen hier waren komplett anders, und jetzt vom 7/7 trauma zu schwafeln finde ich wirklich ueberzogen.

The comments to this entry are closed.

London Leben Kalender

Werbung

About Me

Werbung