
Zivildienst sowieso. Aber was? Im classic Altersheim zu arbeiten oder kids in der Jugendherberge den Weg zum Zimmer zeigen? Es wurde der Rettungsdienst. Beim "Kreuz". Eine kleine Wache im Umland von Hannover. Ich wusste wenig bis gar nichts. Das waren die internetlosen Zeiten. Einfach hingehen und sehen, wie es sich entwickelt. Mein erster Einsatz auf dem Rettungswagen war ein Kerl, der nichts Besseres zu tun hatte, als ein Mistgabel in die Beine seiner Frau zu stechen. Super, welcome to the real world. Der job eines Rettungssanitaeters besteht zu 90% aus Routine. Sofern chronisch Kranke, Verstauchungen oder haeusliche Unfaelle jeder Art jemals Routine sein koennen. Die restlichen 10% machen einen entweder fertig oder man stumpft ab. Verkehrsunfaelle, Herzinfarkte, gynaekologische Notfaelle, Todesfaelle aller Art. Ich habe Leute gesehen, die ihre Finger in Rasenmaeher gesteckt habe, die sich mit Druckpistolen in den Kopf geschlossen haben, die sich erhaengt haben, die Verzweifelten mit dem Gartenschlauch und dem Auto in der Garage, Verbrannte, die Pulsaderaufschneider (man glaubt gar nicht wieviel Blut in einem steckt). Ich hab so einige ins Leben zurueckgerufen, aber bei vielen kamen wir zu spaet.
Das Leben als Sanitaeter ist nicht einfach. Hey, du hast das Leben gewaehlt, beschwer Dich nicht. Das ist sehr wahr. Aber es gibt Faelle, wo man einfach nur kotzen moechte. Kids, die von Lastwagen angefahren werden, und hier ist die Preisfrage: Wer hat gewonnen? Menschen, die die Begegnung mit dem Zug suchen. Hm, irgendwie unfair, 700 Tonnen Stahl und 80kg genannt Mensch, oder? Es gibt fuer jeden in dem Beruf die Momente, ueber die man erzaehlt. Fuer mich, ganz sicher, der erste Selbstmord. Das war an einem Samtag morgen. Und das war das erste und einzige Mal in meinem Leben, dass ich um 10 Uhr morgens einen Doppelkorn zu mir nahm. Waehrend der Schicht. Und der Tanklaster, mit Diesel beladen. Diesel brennt nicht einfach so. Aber Diesel im angrenzenden Wald brennt. Und die Autos im Strassengraben brennen. Und wenn Du die Tuer zu dem Auto oeffnest und hineinschaust, sitzt ein Skelett vorm Steuer. Und die Motorradfahrer, die mit den grossen Autos zusammenstossen, und was bleibt, ist Futter fuer die Kraehen.
Ich habe viele Tote gesehen. Und ich hab viel privates Elend gesehen. Aber viel schlimmer, ich habe Menschen sterben sehen. Vor meinen Augen. Weil einfach nichts mehr zu machen war. Ich habe letzte Atemzuege gehoert. Ich beschwer mich nicht. Das war Teil meiner Jobbeschreibung. Fair enough. Tough. Worueber ich mich beschwere, ist die Tatsache, dass ich in drei Jahren auf der Strasse, nach zig Einsaetzen, nach ich weiss nicht wievielen Schichten bis zu 72 Stunden lang, genau einmal, einmal, ein "Dankeschoen" bekommen habe. Eine Karte auf der zu lesen war, "Vielen Dank". Einmal. Eine Geburt. Eine feine Geburt. Der Zwerg hatte es eilig und wollte unbedingt zu Hause auf die Welt kommen. Eine intakte Familie. Als der Hausarzt kam, war alles gelaufen. Und die Eltern waren sich nicht zu schade, uns ein Photo vom Zwerg zu senden. Mit einer Notiz, "Vielen Dank". Einmal in drei Jahren.
Next time you see fire fighters or paramedics, think about it. Auf dem Weg zur Arbeit vielleicht? Spare a few minutes? Mal reinschauen und danke sagen. Oder einen Kuchen backen oder ein Pfund Kaffee kaufen. Einfach nur so, hey guys, you're important, thanks, look after yourselves, here's a little something. Kostet nicht die Welt. But it makes all the difference. Believe me. Und ja, ich mache das und ja, ich meine das so. Don't take it for granted.

Sehr wahr gesprochen.... 6 Jahre Feuerwehr... nach einer weile kennt man die Sanitaeter und Polizisten die zu Einsaetzen kommen... man arbeitet zusammen, versucht das Beste, kommt manchmal zu spaet, ist aufeinander angewiesen... man blickt sich an und weiss nur bei denen die immer wieder beteiligt sind, wird es wirklich verstanden... Man sieht unschuldige Familienvaeter in Verkehrsunfaellen sterben, weil irgendein Depp ueberholen musste... Ich hatte Glueck in einer Gegend zu sein, wo man viel Respekt und ansehen geniesst in diesen Berufen... und oefters ein Danke hoert... leider nicht selbstverstaendlich aber mehr als verdient fuer das was diese Menschen leisten.
Posted by: Ruben | 08/09/2005 at 22:15
Das mit dem Danke, das so selten rüberkommt, habe ich auch schon von anderer Stelle gehört. Eine Freundin von mir ist die Tochter eines Seelsorgers. Auch sie erzählt, daß ganz, ganz selten Danke gesagt wird.
Posted by: Violine | 09/09/2005 at 08:02
Das las ich gerade bei einem Kollegen (http://www.brainfarts.de/fart/641/)
Posted by: wuestenfloh | 09/09/2005 at 13:56
schön geschrieben!
ich glaube, zumindest feuerwehrmänner können sich in london über fehlenden dank nicht beklagen, denn letzten samstag in convent garden wurde ja london's fittest fire fighter gekürt und es wimmelte nur so von hübschen groupies ;)
Posted by: Hanno (London-Blog.de) | 09/09/2005 at 14:08