Achtung: Es folgt ein sentimentaler Ausflug in die Vergangenheit. Der Inhalt hat nichts mit London oder dem Leben in London zu tun, behandelt wird lediglich das Thema Photographie. Wem das nicht plaesiert, bitte ich, zu anderen Programmen umzuschalten.
Péter Nádas gehoert zu den bedeutensten ungarischen Schriftstellern der Gegenwart. Nur wenige wissen jedoch, dass Nádas vor seiner schreibenden Taetigkeit das Handwerk der Photographie erlernt und danach fuer Jahrzehnte ausguebt hat. 1999 trieb ich mich noch im Verlagswesen herum, unter anderem gehoerte der Verkauf von Photobuecher an Vertriebe und Buchhaendler auf den internationalen Maerkten zu meiner Arbeit. Als ich die Vorabdrucke von Etwas Licht sah, war ich begeistert. Photodokumentarische Aufnahmen aus Ungarn, schwarzweiss, zum grossen Teil aus den 60ern. Photos, die mit brillianter Sorgfalt und Genauigkeit erzaehlten und beschrieben. Atemberaubend schoen. "Etwas Licht" gehoert zu meinen favourite photo books of all times.
Zu signierten Buechern pflege ich ein eher gespaltenes Verhaeltnis. Der Autor oder die Autorin mag es in der Hand gehabt haben, das ist es aber auch. Und die gestellten "Fuer Petra Muster" Signaturen sind doch eher seltsam. Aber das ist selbstverstaendlich Geschmacksache. Meine Meinung ist nur eine Meinung. Diejenigen Schriftsteller und Photographen, die ich kennengelernt habe und deren Buecher mir gefielen, mussten natuerlich dran glauben. Dann reden wir ueber persoenliche Formulierungen, und das ist etwas fuer die Ewigkeit. Ich hab nie nach einer Widmung gefragt, ich dachte, sie sollten selbst entscheiden. Grass hat mir einige Buecher signiert, in einer Art und Weise, das bewegt mich heute noch, und es wird mich in Jahrzehnten bewegen. Ja, ich habe einige Jahre fuer ihn gearbeitet. Péter Nádas, um auf das eigentliche Thema zurueckzukommen, ist nicht nur ein hervorragender Schriftsteller und ein begnadeter Photograph, er ist auch ein ungeheuer sympatischer Mensch mit einem charmanten, feinen Sinn fuer Humor. Er spricht fliessend deutsch, mit einem weichen ungarischem Akzent.
Als ich ihn bat, sein Buch fuer mich zu signieren, fragte er mich, ob mein Vorname mit "c" oder mit "k" geschrieben wuerde. "Mit k", antwortete ich. Wenn ich meinen Vornamen in England angebe, aus was fuer Gruenden auch immer, habe ich es leicht bei Menschen aus Osteuropa, oder aus Griechenland, aus der Tuerkei, aus Russland. Amerikaner und viele Englaender tendieren eher dazu mich mit "e" am Ende zu schreiben und die "c" oder "k" Variante wird diskutiert. Fuer Nádas war es klar, ein "e" am Ende kam nicht in Betracht, aber der erste Buchstabe bedurfte der Klaerung. Er blickte mich an, ueberlegte kurz und meinte, "mit c ist es eigentlich schoener, oder?". Ich stimmte zu, das "c" hatte ich schon immer favorisiert. Nádas schmunzelte und sagte geheimnisvoll und mit leiser Stimme, "Ich schreibe es einfach mit c und wenn mich jemand fragt, sage ich, ich haette nichts gewusst und streite alles ab."
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