Der Sunday Telegraph steht nicht auf meiner to read list. Nicht dass ich konservative Publikationen per se ablehne. Welt.de zum Beispiel ist zwanzigmal interessanter als spiegel.de. Naja, dazu gehoert nicht viel, ist auch wieder wahr. Anyways, besagter Sunday Telegraph gehoert zur Telegraph Group. Daily Telegraph, Sunday Telegraph, Spectator. Die Telegraph Group stand im Sommer 2004 zum Verkauf, und den Zuschlag erhielten fuer £665 Millionen die Zwillinge David und Frederic Barclay. Einige andere Zeitungen hatten sie schon erworben, Immobilien, sonstige Geschaefte, das Ritz in London. Ist sicher angenehm, wenn man nicht in London wohnt, dort aber oefters geschaeftlich zu tun hat, so mit eigenem Hotel. Am Kleingeld mangelt es den Barclay brothers nicht, £1.2 Milliarden, so die Sunday Times Rich List 2005. Mit der Uebernahme der traditionsreichen Zeitung fing es an, hinter den Kulissen zu brodeln. Neue Eigentuemer lassen es haeufig brodeln, naja, sei es, darauf will ich gar nicht hinaus.
Der Wohnsitz der Brueder ist es wert, genauer betrachtet zu werden, denn der ist an Absonderlichkeit im Koenigreich schwer zu ueberbieten. 1993 kauften sich die Brueder ein neues Zuhause, dass den Namen Brecqhou traegt. Brecqhou ist eine 64 Hektar grosse Insel, gehoert politisch zu einer anderen Insel, die Sark heisst, und jene ist Teil der Channel Islands. £2.33 Millionen soll die Insel gekostet haben, so sagt man. Ein Photo von Brecqhou gibts bei Wikipedia, nicht sehr einladend sieht es da aus, aber was solls, ist ja nicht meine Insel.
Die Channel Islands sind weder Teil der Europaischen Union, noch gehoeren sie zum United Kingdom. Sie sind als crown dependency direkt der Krone unterstellt und haben zwei eigene Parlamente fuer zwei unabhaengige Amtsbezirke, sogenannte bailiwicks. Sark gehoert zum bailiwick of Guernsey, hat eine Flaeche von knapp fuenf Quadratkilometern und etwas mehr als 600 Einwohner. Sark ist ausserdem Europas letzter Feudalstaat, beruhend auf Gesetzen aus dem Jahr 1565. Der sogenannte Seigneur of Sark ist Feudalherr der Insel, hat sie langfristig von der Queen gepachtet, und das ist kein Witz. Haupteinnahmequellen fuer den Seigneur sind der Tourismus und Abgaben der Bewohner fuer Verwaltungskosten, Einkommensteuer kennt man auf Sark nicht. Natuerlich steht ihm auch ein Teil der Ernten zu. Feudalherr eben. Wird auf Sark Land verkauft, genauer langfristig verpachtet, bedarf es der Zustimmung des Seigneur, und ein Dreizehntel des Preises muss an ihn entrichtet werden. Das Verbot der Scheidung wurde erst vor wenigen Jahren abgeschafft, und "husbands can beat their wives as long as they use a stick no bigger than your finger." Um Missverstaendnissen vorzubeugen, die Einwohner Sarks haben mit den Gesetzgebungen keine Probleme, und der Seigneur herrscht sicher nicht auf den Buckeln der Landbevoelkerung.
Zurueck zu den Barclays. Nach Erwerb der Insel (mit Genehmigung des Seigneur, versteht sich) errichteten sie dort ein Schloss, Baukosten angeblich £60 Millionen, komplett mit Kapelle und Hubschrauberplatz. Die Brueder gelten als extrem oeffentlichkeitsscheu und vorsichtig, und Fort Brecqou ist wahrscheinlich eine Hochsicherheitsanlage. Schritt nummer zwei war, den Seigneur auf Rueckgabe des Dreizehntels in Hoehe von £179,000 zu verklagen. Das Feudalsystem sei ungesetzlich, so die Begruendung. Das System sieht aber auch vor, dass im Todesfall der maennliche Erstgeborene automatisch das Alleinerbe antritt. Keine Einkommensteuer, schoen und gut, aber das geht zu weit. Der Barclays clan ist nicht klein, und den Brueder missfiel offensichtlich diese Verordnung. Diverse Verfahren bis hin zum European Convention on Human Rights folgten, und tatsaechlich sieht es so aus, als wuerde das Verfassungsssystem Sarks refomiert werden.
Glaubt man anderen Quellen, sind die wahren Beweggruende fuer die rechtlichen Schritte gegen den Seigneur von anderer Natur. Die Barclays, so wird berichtet, moechten sich politisch von Sark abspalten. Wohin das fuehren koennte, bleibt Spekulation. Tatsache ist, sie zahlen keinen Penny Steuern und koennen auf ihrer Insel mehr oder weniger tun und walten, wie sie wollen, solange sie nicht gegen Gesetze aus dem Jahr 1565 verstossen.
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