Teil 2 - Warum kaufen und nicht mieten?
Der "klassische" Mieter zahlt gemuetlich jeden Monat, braucht sich um wenig bis gar nichts zu kuemmern. Einfach zu kalkulieren, das Risiko ist gering, wenig Ueberraschungen, das sind laufende Kosten, voellig in Ordnung. Die Nutzung der Immobilie wird bezahlt. Es gibt einen Marktpreis fuer diese Nutzung, das wars.
Mir dagegen tut Miete weh. Nur die Nutzung? Das ist mir zu wenig. In Eigentum zu investieren macht fuer mich mehr Sinn. Die mortgage company (spaeter mehr) stellt fuer mich das Geld zur Verfuegung. Ich zahle fuer diese Leistung. Aber daneben investiere ich Monat fuer Monat in etwas, was ich mehr oder weniger als mein Eigentum betrachten darf. "Negatives" Sparen eben. Wunderbar.
In London ist mal wieder alles ganz anders, klar. Sehr viele Menschen koennen sich eine eigene Wohnung gar nicht erst leisten. London ist schweineteuer. Gleich vorab zur Abschreckung und um Leute, die sich mit der Wohnungssituation hier nicht auskennen, auf den Boden der Tatsachen zurueckzuholen: Unter £100,000 geht nichts. ABSOLUT GAR NICHTS. Anschaffungspreis, ohne legal costs. Fuer unter 100K wohnt man entweder auf dem Land oder in einer grottigen Gegend. Vergesst es. Und damit sind studios oder one bedroom flats gemeint. Das laesst sich in 1- oder 2-Zimmer Wohnungen uebersetzen (dazu spaeter mehr). Und selbst fuer 100K - 120K sollte man sich sehr sehr genau aussuchen, was man kauft.
Englaender und besonders Londoner haben einen starken Drang zu eigenen vier Waenden. Warum das so ist, ist eigentlich nicht so wichtig. Aber es beeinflusst den Immobilienmarkt immens. Die Preise fuer Wohnungen in London sind in den letzten dreissig Jahren permanent steil angestiegen. Das bedeutet, als sogenannter first time buyer sollte man die erste Wohnung nicht nur als eigenes Heim betrachten sondern auch als Kapitalanlage. Kompromiss ist angesagt oder zumindest geboten. Es gibt realistische Bespiele fuer clevere Kaeufe von kleinen Wohnungen, deren Werte sich innerhalb von sechs bis sieben Jahren schlicht verdoppelt haben. Nette Rendite, I say.
Und weil sich Londoner genau darueber bewusst sind, ist der Markt ungeheuer gross. Ebenso die Nachfrage. Und schon haben wir den Klassiker der self-fullfilling prophecy. Das ist natuerlich noch nicht alles. Das teuerste in London, wie in jeder Grossstadt, ist das Land. Das Gebaeude? Vergiss es. Kostet gar nichts im Vergleich. Das Land ist teuer. Land ist nicht endlos vorhanden, ganz klar. Es gibt viele viktorianische Strassenzuege, die zwar nicht denkmalgeschuetzt sind, aber deren Erscheinungsbild nicht veraendert werden darf. In anderen Worten, abreissen ist nicht. Landsparende Hochhaeuser? Wenig bis gar nicht vorhanden, vergleichsweise. Auch das haengt mit Baubestimmungen zusammen. Meistens sind es council buildings, und nur unter bestimmten Voraussetzungen duerfen diese Wohnungen verkauft werden. Wo immer moeglich versucht man, blocks of flats reinzuquetschen. Oder die grossen developers weichen in die Aussenbezirke aus, um dort neu zu bauen. Was bedeutet, dass eines der wichtigsten Kriterien re Kapitalanlage missachtet wird, missachtet werden muss: Location, location, location (auch dazu spaeter mehr). Der Wohnraumbedarf ist gross und steigt. Damit steigen auch die Preise, und schon sind wir zurueck bei der Kapitalanlage.
Mit der richtigen Wohnung kann man hier in wenigen Jahren sehr viel Geld verdienen, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das in den kommenden Jahren aendern wird. London ist eine der wichtigsten Staedte der Welt. Jede grosse Firma, die etwas auf sich haelt, hat hier eine Adresse. Die Banken spuelen jedes Jahr Millionen in die Stadt. Der Wirtschaft gehts blendend. Und wenn es wirtschaftlich irgendwann mal bergab gehen sollte, bleibt immer noch der Londonbonus. Die Stadt ist wie ein Magnet, zieht Menschen an. Und die wollen wohnen. Bei gleichzeitig beschraenkt zur Verfuegung stehendem Land. EU-Erweiterung. Illegale Immigration. London ist ein eigener Kosmos. London ist nicht England. Got it?
Fazit: Warum kaufen und nicht mieten? Weil man damit gutes Geld verdienen kann. Um sich dann eine groessere Wohnung zu kaufen, ist eh klar. Warnung: Wer in diesem Zusammenhang glaubt, man muss nur irgendwas kaufen, wird schon werden, der sollte die Finger davon lassen. So laeuft es nicht. Das Geld oder Gold liegt hier nicht auf der Strasse. Aber man kann es in bestimmten Wohnungen finden, man muss nur wissen wo.
Im dritten Teil gehts um die rechtlichen Voraussetzungen fuer den Kauf einer Wohnung. Stay tuned.
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Tja, mit "London zieht Menschen an" hast du scheinbar recht. Also nicht nur "scheinbar" sondern definitiv. Ich habe Verwandte dort, die ich versuche so oft wie möglich zu besuchen - Und wow, ich liebe die Stadt. Wenn ich mal groß und stark bin, zieh ich da hin >:)
Posted by: Lucy in the Sky | 27/01/2006 at 21:56
Ausserdem sind hier die Mieten unerträglich hoch, jedenfalls, wenn man es etwas nett haben möchte und/oder genug space (also, was der Londoner so unter space versteht). Ich würde bei gleicher Wohnsituation gekauft um die £ 500 weniger im Monat zahlen, wäre es mortgage und nicht Miete. Und ich könnte diesen scheusslichen grünen Teppich von der Treppe entfernen!
Posted by: Gloria | 28/01/2006 at 11:22
super, sehr interessant. tja, und london ist nicht england... war richtig geschockt, als ich das erste mal eigentlich intelligente menschen aus dem norden hier über london schimpfen hörte... ;-)
Posted by: weichfest@sheffield | 11/02/2006 at 19:21
£100k fuer eine 1 bed Wohung in London? Wo???? Alles, was ich sehe, sind £400k Preisschilder...
Posted by: antje | 22/03/2006 at 15:41
Wohnungssuche in London ist eine der müheseligstens Aufgaben überhaupt. Ich darf mich dieser Angelegenheit demnächst zum 2. und hoffentlich letzten mal annehmen.
London ist eine schöne, aufregende Stadt, aber die Lebensqualität stinkt. Ich war nun 2 Jahre in London und 1 Jahr in München und muss leider nächstes Jahr wieder zurück... leider..
Posted by: B.D. | 05/04/2006 at 16:46
Also ich denke nicht, dass es derzeit Sinn macht, in London zu kaufen. Die Preise befinden sich auf Höchstniveau und der Markt erwartet einen baldigen crash wie in den USA, da die Käufer finanziell an der Belastungsgrenze angelangt sind. Das alles ist eine große Blase, die allein- wie wir hier in dem Erfahrungsbericht auch schön nachlesen können- auf der Spekulation beruht, dass die Preise steigen. Wehe aber, wenn die Preise stagnieren oder gar nachgeben. Dazu kommt, dass die meisten mit einem relativ kleinen Eigenkapitalanteil kaufen und dann für die nächsten 100 Jahre jedes Jahr 7,5 Prozent Zinsen für den Kredit zahlen. Das heißt, dass man bei einer 300.000 Pfund- Wohnung (meist nicht mehr als 2 Zimmer in einem halbwegs ordentlichen stadtteil) schon allein mehr als 20.000 Pfund Zinsen pro Jahr zahlt. Ergo bleibt wenig übrig, um die mortgage (Kredit) abzutragen. Insofern wird auch die Zinsbelastung nicht geringer, was wiederum bedeutet ich zahle jedes Jahr Zinsen für etwas, was auch die nächsten 100 Jahre der Bank gehören wird. Da kann ich auch gleich mieten. Und wie gesagt, wenn die Immobilienpreise sinken, dann schlägt auch noch der Wertverlust der Wohnung zu Buche, was bei den aktuellen Preisen mal schnell 6-stellige Summen sein können.
Also schön cool bleiben, wenn man mit dem Gedanken spielt zu kaufen. Manchmal hilft einfach logisches Denken und ein Taschenrechner, um zu sehen, ob etwas Sinn macht. Bitte nicht von der Immobilienkaufwut der Briten anstecken lassen, bei denen der Hang zum Eigenheim traditionell stark ausgeprägt ist, Vernunft steht da meistens nicht an erster Stelle.
Allerdings kann natürlich jeder machen, was er will- das ist doch klar.
Posted by: Katharina | 24/09/2007 at 15:38
wer das chaos liebt, der liebt auch diese drecks stadt.. lebe schon seit fast 4 jahren hier und irrgendwie hasse ich und liebe es gleichzeitig :-)
Posted by: | 29/03/2008 at 13:35