So wird sie von einigen Zeitgenossen genannt, "because of the nutcases, drunks and other weirdos who use the service." Silverlink, overground, richtige Zuege mitten in London! Loony ist vielleicht uebertrieben, auch wenn spaet abends maechtig viele Fahrgaeste genau dieser Beschreibung vom Allerfeinsten entsprechen. Die wichtigste Strecke (North London Line) fuehrt von Richmond (im Westen der Stadt) nach North Woolwich (im aeussersten Osten der Stadt) einmal durch North London. Nicht so richtig der mathematischen Definition einer Gerade folgend, sonder eher im Bogen (die Streckenfuehrung meine ich).
Die Silverlink trains auf dieser Route sind vor allem bekannt fuer Ihre Haltung in Sachen Puenktlichkeit. Rather relaxed, I'd say. Mir ist schon klar, dass jetzt Silverlink managers aufs Heftigste widersprechen wuerden (dafuer werden sie schliesslich bezahlt), aber Freunde, es ist so, es war immer so, und es wird immer so sein. Ich habe ein knappes Jahr lang die Silverlink fuer meinen Weg zur Arbeit und zurueck genutzt und meine Erfahrungen gemacht. Ihr wisst es, und ganz London weiss es. Umso erstaunlicher, aber hiermit wird ausdruecklich eine Empfehlung ausgesprochen, einen Tag auf der Silverlink Metro zu verbringen.
Der Reihe nach, die Zuege fahren alle fuenfzehn Minuten (planmaessig), die Bauart heisst British Rail class 313 und stammt aus den Jahren 1976-1977. Gerade mal knapp dreissig Jahre alt, in British Rail terms kann man dass getrost als modern bezeichnen. Das sind junge Huepfer, keine Frage, in zehn Jahren gehts vielleicht in Rente, fruehestens. Einen Tag auf der Silverlink heisst eine Menge sehen. Von Richmond bis North Woolwich braucht es eine Stunde und fuenfzehn Minuten, aber natuerlich steigt man unterwegs aus und sieht sich die Stadtteile an. Denn die Kombination auf der Strecke reicht von ueberposh bis really crappy, klasse, wunderbar. Man tut gut daran, vor der Fahrt zu ueberpruefen, ob nicht wieder Zuege wegen Wartungsarbeiten gestrichen wurden (Wochenende!). Ein paar sandwiches fuer die unvermeidlichen Verspaetungen mitnehmen, ansonsten (zwischen den Erkundungsstops) einfach nur aus dem Fenster schauen und den Tag und die Stadt geniessen. Highly recommended.

Aber die Bahnmitarbeiter auf dieser Linie sind auch schlimm. Ich war mit einer Freundin (die ausgebildete Sanitäterin ist) nachts im Winter unterwegs. Plötzlich brach dieses Mädel uns gegenüber unter einem schweren Alkoholschock zusammen und verlor das Bewusstsein. Also haben wir den Schaffner und so einen Bahnsteigzuständigen gerufen.
Er meinte nur eiskalt: "She'll be perfectly alright, just leave her". Wir sollten sie einfach auf dem Boden vom Abteil bewusstlos liegen lassen. Meine Freundin meinte in Dt. wäre sie jetzt sofort mit dem Krankenwagen abgeholt worden und es wäre eigentlich hochgefährlich... Aber der Abend wurde noch lustig, die Betrunkene ist dann irgendwann doch noch aufgewacht.
Posted by: frankie | 08/02/2006 at 14:41
In ihrem Roman 'The Autograph Man' hat Zadie Smith den Silverlink auch treffend als 'the free train' beschrieben...
Posted by: tim | 14/02/2006 at 14:39