Haben wir nich. Naja, nicht ganz. Bis 1994 war der Handel an Sonntagen in England und Wales verboten. Dann wurden die Bestimmungen gelockert. Kleine Laeden duerfen seitdem an Sonntagen oeffnen und grosse Laeden duerfen es auch, allerdings die big boys nur fuer maximal sechs Stunden. In der Praxis heisst das, die meisten Supermaerkte oder Kaufhaeuser haben an Sonntagen zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr geoeffnet. In Schottland, glaube ich, gibt es diese sechs Stunden Regelung gar nicht. Die Schotten wieder. Muessen aber auch staendig querschiessen.
Meiner kleiner Familienladen um die Ecke darf also machen was er will. Und, grosse Ueberraschung, er tut das auch. Der Besitzer natuerlich, nicht der Laden. Wenn ich will, kaufe ich morgens um 3.00 Uhr Milch. Ich hab zwar morgens um 3.00 Uhr andere Dinge im Kopf als Milch zu kaufen. Aber koennen kann ich es trotzdem. Die Milch in dem kleinen Laden ist natuerlich teurer als im Riesensupermarkt, aber ich war ja auch zu bescheuert, gestern keine Milch fuer den Kaffee am Morgen zu kaufen, und jetzt ist es 3.00 Uhr morgens, und ich brauche Milch. Also doch.
Keine Sau regt sich hier ueber Ladenschlussbestimmungen auf. Die sonntaeglichen Einschraenkungen werden hingenommen. Darauf stellt man sich ein. Und vor lunch time ist ein Londoner am Wochenende sowieso nicht ansprechbar. Tip am Rande: Niemals, niemals einen Londoner an Sams- Sonn- oder Feiertagen vor 11.00 Uhr morgens anrufen. Niemals. Das gibt boeses Blut: Ring, ring, ring... "What the fu**, who IS THIS?"
Sonntagshandelsbeschraenkungen waeren hier auch (von der Idee her) vollkommen absurd, reden wir doch ueber 70 Millionen verschiedene Religionen, die sicher nicht alle den Ruhetag auf ihrer Agenda haben. Ladenschlussgesetze sind antiquierter alberner Quatsch. Es geht um Angebot und Nachfrage. Und damit auch um Schichtdienst. Tough shit. Wer es nicht mag, laesst seinen Laden geschlossen. Dann gibt es eben auch keinen Umsatz.
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