Teil 16 - Exchange
Exchange ist ein magisches Wort. Mit erfolgreichem exchange ist der Kauf nahezu abgeschlossen. Nahezu. Das Dumme ist, man kann, waehrend man auf exchange wartet, fast gar nichts machen. Wie schon im letzten Teil erwaehnt, sind jetzt die solicitors gefragt. Und erst jetzt zeigt sich, wie gut oder wie schlecht sie sind. Einige Tips: Man sollte immer mit Verzoegerungen rechnen. Insbesondere bei einer sogenannten chain, dann naemlich, wenn der Verkaeufer gleichzeitig auch wieder kauft, kann und wird es mit groesster Wahrscheinlichkeit zu kleinen oder groesseren Problemen kommen. Alle beteiligten Parteien, also man selbst, der Verkaeufer, der Verkaeufer der Wohnung, die der Verkaeufer kaufen will, alle muessen sich auf einen exchange und completion Termin einigen. Das kann einfach sein, ist es aber nicht zwangslaeufig. Ruhe bewahren. Es ist nicht verkehrt, mit dem Verkaeufer direkt zu sprechen, aber die Termine werden letztlich von den solicitors nach Absprache mit ihren clients verkuendet und bestaetigt. Nochmal: Immer mit Ueberraschungen rechnen. Im allgemeinen wollen alle beteiligten Parteien den Kauf so schnell wie moeglich ueber die Buehne bringen, aber wenn sich nur eine Finanzierung beispielsweise verzoegert, sind alle betroffen.
Aber zunaechst muessen die rechtlichen Dinge geklaert werden. Die solicitors ueberpruefen die Richtigkeit der titles, in anderen Worten sind die Verkaeufer ueberhaupt berechtigt zu verkaufen, und sind die leases einwandfrei. Das klingt einfach, naja. Auf dem Land unter meiner Wohnung stand z. B. in den 30er Jahren ein Krankenhaus und der Landtransfer danach wurde anscheinend nicht 100%ig abgeschlossen. Mein solicitor hat es gerichtet.
Wenn dann der rechtliche Krams abgeschlossen ist, werden die Vertraege zusammen mit den Inventarlisten eingereicht und den jeweiligen clients zur Ueberpruefung und einseitigen Unterschrift vorgelegt. Selbstverstaendlich hat man sich vorher mit dem vendor darueber geeinigt, was in der Wohnung bleibt und das genau festgelegt. Dann einigen sich die Parteien auf einen Termin fuer exchange und einen Termin fuer completion. Exchange kann man mit Austausch der Vertraege uebersetzen und completion mit Kaufabschluss. Es ist rechtlich durchaus moeglich, beides an einem Tag zu machen, aber bei privaten Wohungskaeufen eher unueblich. In den good old days verabredeten sich die solicitors zum Lunch und tauschten sozusagen ueber dem Tisch weg die Vertraege aus. Ich scherze nicht. Heute laeuft das Ganze eher unspaektakulaer ab. Der solicitor ruft einen an und bestaetigt exchange. Da man sich vorher auch auf den completion Termin festgelegt hat, kann man sich nach dem Anruf erstmal hinsetzen und je nach Geschmack einen Tee oder einen grossen Whiskey zu sich nehmen und anfangen, den Umzug zu planen, denn nach dieser Bestaetigung kann fast gar nichts mehr schief gehen.
Wichtig: Zum exchange Termin muss der solicitor 10% Prozent (in Ausnahmefaellen auch nur 5%) des Kaufpreises "in clear funds" auf seinem clients account haben. Er muss dies der anderen Seite gegenueber garantieren, undertaking heisst die Vokabel. In anderen Worten, man muss dafuer sorgen, dass bei einem angenommenem Kaufpreis von £200,000 exakt £20,000 auf dem Konto des solicitors sind. Es reicht nicht, den cheque am exchange Tag zu schicken. Clear funds, remember? Solictitors neigen haeufig dazu, same day CHAPS transfers vorzuschlagen. Gut und schoen, aber die kosten je nach Bank zwischen £20 und £30 Gebuehren. Dann lieber rechzeitig den cheque senden und gleich hat man ein wenig Geld gespart.
Nach exchange kann man nichts mehr machen, ausser auf completion zu warten. Wer mag, bleibt in Kontakt mit dem Verkaeufer, um kleinere Details zu besprechen oder nachtraegliche Fragen zur Wohnung zu klaeren. Zum Thema Kauf der Wohnung ist alles getan. Auch wenn man noch nicht eingezogen ist und sie einem noch nicht gehoert, die Wohnung. Achtung: Es kann durchaus vorkommen, dass vendors schon vor completion ausziehen und einem in aller Freundlichkeit anbieten, schon mal einen Satz Schluessel zu uebergeben. Das anzunehmen waere ausserordentlich dumm. Die Wohnung gehoert einem noch nicht. Niemals darauf eingehen und hoeflich ablehnen. Schluessel werden am completion Tag uebergeben. Dazu spaeter mehr.

das scheint ja alles eine gutes Geschäft für die solicitor zu sein.
Eine menge Bürokratie. Dabei sagt man doch de Deutsche nach das sie soviel Bürokratie hat.
Überhaupt diese ganzen Kleinigkeiten die man beachten muss. Gibt es dazu Literatur ("Wie kauf ich eine Wohnung in GB für Dummies") oder muss man als Ausländer Glück haben das der solicitor einem alles verrät
Posted by: bluehilltec | 12/10/2006 at 12:35
Literatur? Aber klar. Such' mal bei amazon.co.uk nach "property for dummies".
Aber hier daruber zu lesen ist natuerlich viel interessanter.
Posted by: Andreas | 12/10/2006 at 13:21