Falkong hatte mal wieder zuviele Pilze gegessen. Er nahm einen Schluck aus dem Tonkrug. Drei Kruege schon und ihm war klar, dass das Korma nicht helfen wuerde, einen klaren Geist zu bewahren. Falkong hatte sich fuer diese Nacht viel vorgenommen. Aber das Feuer tanzte, und die seltsamen Gestalten und Formen, die dem Feuer entsprangen, boten einen Anblick, wie er ihn selten zuvor gesehen hatte. Falkong blickte sich um. Zwischen den Zungen des Feuers erkannte er schemenhaft die alten Kaempfer. Tahgsief, sein Bruder, sein Blut, Gahtru und Vetgarat, die Zwillinge, stark, schweigsam, Zundlk, der Alte, wie sie ihn nannten, und all die anderen Krieger.
Sechs Frauen geschwaengert, zehn Soehne gezeugt, endlos viele Gegener im Zweikampf zu Schweinefutter verarbeitet, und das Reich der Wiltshirecelts war stark. Falkong konnte eigentlich zufrieden sein mit seinem Leben. Er sah auf den Krug und er dachte darueber nach, wie vergaenglich alles war. Die verfluchten Saxons hatten den Clans im Norden wieder schlechten Ton untergejubelt. Worauf koennte man sich heutzutage eigentlich noch verlassen. Die Pilze, die die Weiber den Tag zuvor gesammelt hatten, taugten nicht viel, und der Ton schien sich im Korma aufzuloesen, waehrend der verdammte Griff des Krugs dahinbroeselte. Was fuer ein bescheuertes Volk, diese Saxons. Fisch, Fisch, das war alles worueber sie reden wollten. Es sei gut fuer die Gedaerme und fuer den Geist, sagen sie. "Du wollen Fisch?" Lernt erstmal richtig celtic zu sprechen ihr Fischkopfe, dachte Falkong. Die Muetter der Weiber waren kein deut besser. Die drei, die noch lebten. Iss mehr Fisch, Falkong. Fisch, mein Arsch.
Falkong spuerte das Alter. Die Schultern taten ihm weh, wenn das schwere Beil die Koepfe der Gegener in den Schlachten zu Erdfruchtmatsch verwandelte. Er wusste, dass die Jungen hinter seinem Ruecken angefangen hatten zu reden. Der Clanchef kann die Waffen nicht mehr fuehren, und sie hatten recht. Brauchte es frueher einen Schlag, so bedurfte es heute deren zwei oder drei, um das Hirn zu erblicken und mit Mutter Erde zu vermengen. Falkong wusste, dass er etwas tun musste, besser heute als morgen. Und die nervigen Druiden sassen ihm im Nacken. Staendig sprachen sie davon, er, Falkong haette nicht geuegend getan, um die Goetter zu maessigen, um ihnen zu huldigen. Falkong hielt nichts von der behaemmerten Anbeterei. Das Wetter war wie es war und wie es immer sein wuerde. Und der Ausgang einer Schlacht? Tagesform, mal gewinnen, mal verlieren. Sollte man dafuer opfern? Aber Falkong musste etwas tun. Sonst waren seine Tage gezaehlt, hier im westlichen Teil der Insel.
Das Feuer spielte immer noch mit seiner Wahrnehmung. Zuviele verdammte Pilze. Falkong erhob sich, sein schwerer Koerper schwankte, die Krieger sahen ihn fragend an.
"Wiltshirecelts, heute nacht tafeln wir in der Hoelle!"
Die Reaktion auf diesen Satz konnte man selbst wohlwollend nicht als aufbauend bezeichnen.
"Wie jetzt, wieso das denn?"
"Wo soll das sein, Hoelle. Nie gehoert. Ist das weit weg?"
"Ich hab gar keinen Hunger mehr."
"Sag mal Falkong, hast du zuviel Pilze gegessen?"
Falkong spuerte die Ungeduld aufsteigen.
"Nicht so wichtig. Ist mir gerade so eingefallen, aber was ich eigentlich sagen wollte. Ich habe den Entschluss gefasst, ein Denkmal zu errichten. Zu Ehren der Goetter und zu Ehren derjeniger, die fuer unser Volk gestorben sind."
"Gut, warum nicht, aber wie soll das Ding aussehen."
"Muessen wir das bauen?"
"Ich habs im Ruecken, ich kann nicht schwer tragen."
"Das klingt nach Arbeit."
"Wo? Was? Wie?"
"Hat noch jemand Pilze?"
Falkong nahm einen Schluck Korma und versuchte ruhig zu bleiben.
"Rund soll es sein. Aus Stein. Wir muessen Wald roden. Und grosse Steine heranschaffen und in einem Kreis anordnen. Der Kreis bedeutet Ruhe und Staerke. Wie das Feuer, das sich sammelt und in der Mitte aufsteigt. Ich will grosse Steine. Am weiten Wasser soll es sie geben. Die bekloppten Saxons wissen sicher, wo man die Steine bekommen kann. Dann richten wir die Steine auf, und die Druiden werden uns helfen, sie auszurichten. Nach den Nachtsternen und nach dem grossen Tagesstern. Oder nach was weiss ich was. Ich kenn mich da nicht aus."
Die Krieger sahen sich an und wussten nicht so recht, was sie sagen sollten. Bisher bestand das Leben aus lecker Wildschwein morgens, mittags und abends, um die Maegen zu fuellen, warmen Saxongehirn fuer den Spass, Pilzen, schwaengern und ab und zu den Druiden nachplappern. Und nun das.
"Die Saxons werden die Arbeit uebernehmen. Wir greifen uns ein paar und stellen sie vor die Wahl. Arbeiten oder Gehirn zu Erdfruchtmatsch. Kein Problem."
Tahgsief schien immer noch voller Zweifel zu sein: "Bruder, wozu das alles. Hoert sich eher stressig an, oder?
"Ganz einfach, die Voelker werden noch in vielen Jahren auf die Staette blicken und sich voller Stolz erinnern."
"Jahre? Was ist denn das nun schon wieder?"
"Sommer, Herrgott nochmal, Sommer, du weist, was ein Sommer ist, ja? Wenn es warm wird und du kein Fell mehr brauchst, um dich auf deinem Lager zuzudecken, du Idiot. Viele Sommer spaeter werden die Volker sich erinnern und die Wiltshirecelts werden in die Annalen eingehen."
"Was fuer Annalen? Aehem, Herrgott?"
"Halt die Fresse Tahgsief. Halt einfach mal die Fresse."
"Ist ja schon gut Bruder, meine Herren, was bist du wieder empfindlich heute. Lange nicht geschwaengert, wie? Und wie soll es heissen, das Denkdings?"
"Steinhecke. Eine Hecke aus Stein, rund wie der Tagesstern und stark wie die Wiltshirecelts. Mit massenhaft Kraft in der Mitte. Da kann man dann huldigen ohne Ende."
"Dann hab ich eine bessere Idee." Taghsief grinste.
"Der olle Steinhaufen, zweimal aufwachen Richtung Tagessternuntergang. Kannst Dich erinnern, Falkong? Der, den es schon immer gab. Ist ja ein bischen unordentlich und so. Aber wenn wir den wieder herrichten, die Straeucher rausreissen, ein paar neue Steine ranschaffen und die Schmaehschriften der Saxons abwaschen, sollte es was werden. Was sagste, grosser Bruder. Macht weniger Arbeit, und wir behaupten einfach, es sei unseres. Glaubt uns jeder. Und wer es anzweifelt, kriegt eins mit der Lanze. Zack, fertig."
Falkong ueberlegte nicht lange. Der Vorschlag machte Sinn. Ausserdem drueckte das viele Wildschwein auf seinen Gedaermen und er musste dringend mal raus in den Wald: "So sei es. Beschlossen und verkuendet!"
Und so kam es, dass ein von halluzinogenen Pilzen und schlechtem Korma komplett zugedroehnter alternder Keltenfuehrer das errichten liess, was heute unter dem Namen Stonehenge bekannt ist. Wieso sich im Laufe der Jahrhunderte der Name von Stonehedge zu Stonehenge aenderte, ist nicht ueberliefert.

Brilliant!
Allerdings ein paar furchtbare Anglizismen drin.
"Fisch, mein Arsch." ?
So gehts ja nun nicht.
Dann doch lieber Englisch und Deutsch mischen wie sonst auch :)
Posted by: Benny | 06/05/2007 at 13:51
Nice.
Posted by: sdfjkl | 06/05/2007 at 23:12
Hihi.
Posted by: Dirk | 07/05/2007 at 02:58
Haha geniale Geschichte, ich kanns mir richtig vorstellen.
Posted by: Joerg | 07/05/2007 at 08:09
Ich könnte mich beömmeln. Klasse geschrieben!
Posted by: morinox | 07/05/2007 at 13:19
Jau, that's it.
Komm' mir vor, als wäre ich dabei gewesen .... ;-)
Gruss Norbert
Posted by: Speedking | 07/05/2007 at 20:13
Deshalb liest man LondonLeben. Mal wieder eine tolle Geschichte!
Besonders da ich vor ein paar Wochen selbst noch bei den "Kelten ihrem Kreis" war.
Posted by: Rene | 08/05/2007 at 08:54
Irgendwie scheinst Du die den Steine innewohnende tiefe mystische Kraft nicht ernst zu nehmen. Vielleicht solltest zur Sonnenwendfeier mal ein paar der dann dort herumhoppsenden Neu-Druiden konsultieren. Sobald Du pilzekauend auf einem der Steine hockst, wird Dir das Licht schon aufgehen.
Posted by: Andi | 09/05/2007 at 11:46