Als sich die alten Uhrmanufakturen in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland wieder auf ihr Kerngeschaeft konzentrierten, als die Kunden wieder an die Tueren der Uhrmacher klopften, weil sie die billigen Quartzuhren nicht mehr sehen konnten, als Handarbeit und Qualitaet wieder gefragt waren, zu der Zeit konnte der Haendler eine Komplikation in seinem Sortiment schnell ausmachen. Eine Mondphase hier und da, das Stoppen einer Zeitspanne, vielleicht ein Vollkalender oder eine zweite Zeitzone.
Heute koennen sich die Profite der Uhrmacher wieder sehen lassen. Die Uhren werden komplizierter, und die Designer begannen schon vor Jahren die klassische Formen auf den Kopf zu stellen. Wer viel Geld hat, kann sich ohne Probleme einen ewigen Kalender goennen, dazu eine Rattrapante der Herr, ein kleines Tourbillon gefaellig? Na, aber die Repetition nehmen wir doch, oder, Flyback nicht vergessen, bitte. Verrueckt, sehr haeufig wunderschoen, faszinierend und teuer.
Eine simple und gleichzeitig geniale Komplikation bauen die Uhrmacher schon seit buchstaeblich Jahrhunderten, die sogenannte “wandering hour”, eine radikale Abkehr von der gewohnten Anzeige der Zeit auf einer Uhr. Die Stunde erscheint - haeufig durch ein Sichtfenster - auf rotierenden Scheiben, waehrend diese an den Minuten entlang wandern und so zur Stunde zuordneten. Papst Alexander VII war wohl Schuld, damals 1656, wollte er doch auch nachts die Zeit auf seiner Tischuhr ablesen koennen. Italienische Uhrmacher erdachten eine Loesung fuer dieses Problem mit durchsichtigen Scheiben, die man von hinten mit Hilfe von Kerzenlicht illuminierte. Irgendwann folgten Taschenuhren, die die Zeit so anzeigten, und natuerlich kann man heute Arbanduhren mit dieser Komplikation erweben und der Mitwelt zur allgemeinen Bewunderung praesentieren.

Was das alles mit London zu tun hat? Auf der Newgate Street in der City of London befindet sich die vermutlich einzige oeffentliche Uhr der Welt, die die Zeit als ”wandering hour” anzeigt. 375 Jahre Worshipful Company of Clockmakers of London, wenn das kein Anlass ist, so ein Prachtstueck zu konstruieren und an einem ansonsten doch eher langweiligem Luftschacht ueber St Paul’s Tube Station anzubringen.
The Rt. Hon the Lord Mayor of London uebergab am 31. Mai 2007 die Uhr seiner Bestimmung, und wer St Paul’s besucht, kann ja mal um die Ecke gehen und einen Blick draufwerfen.
Mehr Information zur Uhr findet man hier, und ein wenig zur Geschichte der Komplikation kann man in der formidablen Watchismo Times nachlesen.

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