
Einmal im Jahr muss ich in die City. Ich kenne die City sonst nur von photographischen Expeditionen zum Wochenende. Spooky sagen viele, wenn sie die sonntaegliche City beschreiben, kommt der Finanzdistrikt Londons doch einmal in der Woche zur Ruhe, um sich ein wenig zu strecken, vielleicht neuzuordnen , sich zu sammeln um am Montag dann wieder ein Ziel zu verfolgen: Geld zu machen. Und puenktlich zum Wochenanfang beginnt der Laerm, denn in der City wird staendig gebaut. Der Laerm ist allgegenwaertig auf den Strassen. Alteingesessene Firmen lassen ihre Gebaeude renovieren, jahrzehntealte Symbole fuer die Macht muessen weichen, neues Geld zieht ein und beansprucht wieder etwas neues, die Starachitekten der Stadt bekommen einen neuen Auftrag. Und mitten in all dem Trubel ziehen die city workers jeden Tag in ihre Bueros, um der Gewinnmaximierung zu huldigen. Es ist eine andere seltsame Welt, die City. Dennoch, es waere falsch und dumm die City fuer das was sie ist, zu verdammen. Keiner weiss, wie gross der Einfluss dessen ist, was hier erarbeitet oder verhandelt wird. Wie gut oder wie schlecht das sei, mag jeder fuer sich selbst bestimmen.
“All day meeting”, wie es so schoen heisst. Das stimmt eigentlich nicht, denn je nach Tagesordnung sind wir nach drei oder vier Stunden durch. Es geht um recht viel Geld, wir sind die Kunden, das beruhigt, gibt es einem doch eine gewisse Machtposition waehrend der Verhandlungen. Wenn uns nicht gefaellt, was geboten wird, koennten wir auch einfach ablehnen. Was wir nicht wollen. Kein Mensch bei Verstand will beenden, was ueber Jahre entstand. Das wiederum weiss die andere Seite, und so geht es fuer einen Weile recht hart daher, aber am Ende einigt man sich immer, und der Vertrag wird fuer ein Jahr verlaengert. Die brokers reisen aus Manchester an, aber das Meeting findet in den Raeumlichkeiten des Geschaeftspartners in der City statt. Und wenn die Zahlen bestaetigt sind, um am Tag drauf den PAs zur Vorbereitung diverser Dokumente diktiert zu werden, ist es Zeit zu lunchen.
Auch diese Firma ist umgezogen, man hat expandiert. In den vergangen Jahren fanden die lunches immmer direkt im Gebaeude statt. In der obersten Etage, gleich neben den rooms fuer die board meetings, private lunch chambers, in altem Holz vertaefelt, mit schwerem dunkelrotem Teppichboden, der selbst die duemmsten Scherze der millionenschweren directors geduldig zu schlucken scheint. Impeccable service, kleine in die Waende eingelassene Knoepfe, die man beteaetigt, um das Personal in der Kueche zu rufen, um den naechsten Gang einzuleiten, jeder dining room mit eigener bar.
Jetzt aber gehen wir in eines der vielen Restaurants, die sich in der city etabliert haben. Gute menus, die Preise entsprechend, der Nadelstreifenanteil der Klientel betraegt geschaetzt 80%. Eine Flasche Wein pro Person ist so viel nicht, deal done, bis zum spaeten Nachmittag kann man das verarbeiten, und dann sind es noch viele Stunden im Buero, bevor man nach Hause muss. “Gosh, is it 4:30 already?”
Bis zum naechsten Jahr.
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