
Der Athenaeum Club an der Ecke Pall Mall und Waterloo Place ist einer von Londons beruehmten Gentlemen’s clubs. Wer jetzt an leicht bis gar nicht bekleidete Damen denkt, denkt falsch. Nein, auch der Verweis an M Mosley waere unangebracht, obwohl ich wette, dass er Mitglied im Royal Automobile Club ist. “A gentlemen's club is a members-only private club originally designed for male members of the English upper class.” Den Satz muste ich einfach von Wikipedia uebernehmen, viel schoener laesst es sich nicht beschreiben. “Originally designed for male members” heisst im uebrigen genau das: Frueher nur Kerle, pardon me, Gentlemen, heute und teilweise schon seit geraumer Zeit erlaubt man auch Frauen Mitglied zu werden. Pall Mall oder genauer St. James’s ist "clubland", die meisten der vielleicht 25 noch bestehenden clubs findet man in diesem Teil Londons. Als normal Sterblichem bleibt einem eigentlich nur uebrig, die praechtigen Gebaeude von aussen zu bestaunen, den die clubs sind auch Besucher betreffend normalerweise hoechst konservativ: Invitation only.
Die clubs wurden ueberwiegend im 19. Jahrhundert von vermoegenden Herren mit dem Ziel gregruendet unter sich zu sein. Keine Ehefrauen, damals natuerlich Gluecksspiel, politische Debatten, Arbeit oder aber keine (im Reform Club ist nach wie vor die Mitnahme von Dokumenten im A4 Format und groesser in die Raeume untersagt), gutes Essen (selbstverstaendlich haben die clubs hervorragende eigene Restaurants), Veranstaltungen im kleineren Kreis, man koennte auch sagen Vereinsmeierei. Upper class Vereinsmeierei. In erlauchten Kreisen bilden sich automatisch Interessengruppen und in geschlossenene erlauchten Kreisen sowieso. Die clubs hatten und haben immer noch Einfluss sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Wie weit dieser Einfluss heute noch geht, ist schwierig einzuschaetzen, aber etwaig am Horizont auftauchende Verschwoerungstheorien darf man getrost mit Nichtbeachtung bestrafen. Mitglied in einem club wird man durch Vorschlag anderer Mitglieder. Der Aufnahmeprozess kann sich lange hinziehen, schliesslich muss allen Mitgliedern die Gelegenheit gegeben werden, bei Bedarf Einspruch zu erheben. Also bitte keine Bewerbungsschreiben versenden, die Herren Clubobersten wuerden dies vermutlich als "rather not clubable" veraechtlich wegwerfen.
Ich hatte das Vergnuegen recht haeufig im Reform Club zu verweilen, und ich gestehe, auf der gallery zu sitzen und Gin and Tonic zu schluerfen, waehrend man in die praechtige Eingangshalle blickt, hat was. Keine Photos leider, “for resaons that we don’t need to talk about”, wie es so schoen heisst.
Der Athenaeum Club wurde 1824 gegruendet und zaehlte lange zu den exklusivsten clubs in London. Auf der Mitgliederliste standen unter anderem Winston Churchill, Rudyard Kipling, Sir Artur Conan Doyle und Charles Dickens. Ein weiteres nicht minder beruehmtes Mitglied war Field Marshal Arthur Wellesley, 1st Duke of Wellington, KG, KP, GCB, (Junge, hoert das noch mal auf, gaehn…) GCH, PC, FRS. Wellington pflegte mit dem Pferd anzureisen (vermutlich Stiefel tragend, wir erinnern uns), schliesslich gab es um die Zeit noch keine Tube. Und damit sind wir auch bei der Kuriositaet angelangt, die ich eigentlich erwaehnen wollte. Ausserhalb des Gebaeudes sind seltsame Kantsteine in den Buergersteig eingelassen. Touristen stolpern bei heftigen Photographierbestrebungen schon mal darueber, aber so richtig auffallen tun sie keinem. Die Steine sind recht alt. Wellington liess sie dort plazieren, damit er mit dem Pferd an- oder abreisend stets Stufen vorfand, die ihm das Ab- und Aufsteigen erleichterten. Praktisch, oder?

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