
(Bild Wikimedia Commons)
Die Archaeologen sagen, Menschen haetten dort ueber einen Zeitraum von zweitausend Jahren gelebt. Zweitausend Jahre. Kein Mensch vermag das zu beweisen, aber eines ist klar. Die letzten sechsunddreissig Bewohner wurden am 29 August 1930 auf eigenen Wunsch evakuiert. St Kilda ist eine Inselgruppe im Atlantik, 64 Kilometer nordwestlich von North Uist gelegen. Haende hoch wer weiss wo North Uist liegt. St Kilda ist nicht nur World Heritage Site, ganz nebenbei findet man dort auch die hoechsten Klippen des Koenigreiches und Kolonien von Tausenden von Seevoegeln, solche der seltenen Art ebenso wie solche der bekannteren Art. Man weiss nicht genau, wieso die Inselgruppe St Kilda heisst, denn einen Heiligen mit Namen Kilda sucht man in den Geschichtsbuechern vergeblich. Ah well.
Vor kurzer Zeit lief auf der BBC eine dreiteilige Dokumentation ueber St Kilda, die eigentlich sehenswert gewesen waere, wenn man nicht mit locker zwei Drittel verschwendeter Sendezeit haette kaempfen muessen (permanente Grossaufnahmen der drei (!) Macher der Reihe, plus peinliches Geschwaetz). Sehr schade, denn das restliche Drittel der Dokumentation ist faszinierend.
Ueber Jahrhunderte haben hier Menschen gelebt, eine Gemeinschaft von hundert bis vielleicht zweihundert Menschen, nicht mehr, auf einer Insel, komplett abgeschnitten vom Rest der Welt, keine Zeitungen, keine Kurzweil (was immer das heissen mag), keine Drogen (Tabak vielleicht), nichts, was man heutzutage gern und vorschnell als wichtigen Bestandteil eines lebenswerten Lebens bezeichnet. Die St Kildans verspeisten Seevoegel und das, was sie dem Boden entlocken konnten. Im Sommer gab es unregelmaessig Kontakt zu den anderen Inseln der Outer Hebrides, die Reise dorthin konnte Tage dauern. Nicht Stunden sondern Tage. Dazu das Klima: Im Winter verbrachte man schon mal ein paar Wochen im Haus. Auf Boreray wurden Schafe gejagt. 1682 verschlug es dreizehn Maenner fuer neun Monate nach Boreray. Neun Monate. Sie hatten Hirta, die Hauptinsel, verlassen um Schafe zu erlegen. Aber auf Hirta wueteten die Pocken, und man konnte die Maenner nicht zurueckholen. Neun Monate, vielleicht fuenf Kilometer entfernt von Familien, bei gutem Wetter in Sichtweite.
St Kilda hat mich schon seit Jahren fasziniert. Was treibt Menchen dazu, sich an solchen Orten niederzulassen. Heute wuerde man es keine vierundzwanzig Stunden dort aushalten. Ja, doch, im Rahmen einer beschissenen reality TV show, £100,000 Preisgeld, na klar, sofort, mit Kameras, die alles beobachten. Warum lebten Menschen auf St Kilda? Weil es eben so war und immer so sein wuerde? Gab es fuer die Bewohner eine Sehnsucht nach Veraenderung? Oder nach Verbesserung? Kann man das empfinden, wenn man nicht weiss, dass es genau das gibt oder geben koennte? Was ist mit dem sogenannten Sinn des Daseins? Haben sich die St Kildans gefragt, warum sie existieren? Hat die Religion gehoelfen? Religionen mussten immer herhalten, wenn sich morgens Menschen ansahen und sich gegenseitig fragten, was machst Du eigentlich hier? Koennte heutzutage eine Mensch, der an Internet, mobile phones, computers und schnellen Informationsaustausch glaubt, auch nur fuer eine Woche auf St Kilda ueberleben?
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