Bethnal Green in London's East End ist ein faszinierender Stadtteil, den ich gern ab und zu besuche, um dort ein paar Stunden zu verbringen. Ich glaube, wenn ich in East London leben wollte, dann wuerde es Bethnal Green werden. Ich mag die Strassen, ich mag die Vielfaeltigkeit, an jeder Ecke kann man etwas entdecken. Nach zwei, drei Stunden zu Fuss kann man eine Pause einlegen, in den caffs, vielleicht mal pie and mash probieren, wo sonst, natuerlich in Bethnal Green, oder ein all day breakfast with a cup of tea to wash it all down with. Ja, doch, es kann einem auch schlechter gehen.
Sollte es einem in Laufe eines solchen Nachmittags in die Claredale Street verschlagen, dann wird einem sicher Keeling House auffallen, vier Apartmentblocks rund um einen sogenannten service tower. Sir Denys Lasdun hiess der Architekt. 1959 wurde Keeling House nach zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt, und bis 1992 waren diese erstaunlich angeordneten Wohnungen council tenants vorbehalten. In den 50ern und 60ern muss das ein beeindruckender Anblick gewesen sein, die weissen Tuerme, die die alten terraced houses in der Umgebung ueberragten. Die aeusseren Balkone waren bewusst so arrangiert, dass die Bewohner sich nicht sehen konnten, aber die Bereiche rund um den service tower waren so konzipiert, dass Nachbarn sich treffen konnten und sollten. Lasdun wollte Privatsphaere genauso bewahren wie Bereiche schaffen, die fuer ein gemeinschaftliches Leben gedacht waren. Er wollte einen Lebensraum fuer eine East End community in Form eines Hochhauses bauen, aber, obwohl Keeling House bei den Bewohnern beliebt war, bezweifelten viele, das Lasdun sein Ziel erreicht hatte.
1993 wurde Keeling House als erster council block ueberhaupt denkmalgeschuetzt, und 1999 verkauften die local authorities die dann leerstehenden Blocks an property developers. Diese spendierten jedem Turm ein zusaetzliches penthouse Apartment, renovierten alle Wohnungen und verkaufte die so entstandenen Luxusapartments. Heute gibt es einen beeindruckenden Eingangsbereich, 24 Stunden concierge inklusive, und die Wohnungen, wenn mal eine zum Kauf angeboten wird, erzielen stolze Preise.

habe zwei jahre direkt gegenüber in claredale house, einem studentenwohnheim, gewohnt und mich immer wieder gefragt: wer zum teufel kauft sich freiwillig eine wohnung 30m von der hackney road? in meiner zeit dort wurden studenten überfallen und mit messern bedroht. tagsüber eine schöne gegend, aber im dunkeln lieber drin bleiben... die gegend hat ein gewisses flair, aber je nördlicher es von bethnal green road wird, umso gefährlicher und heruntergekommener wird es.
trotzdem schön eine story über dieses haus zu finden. 2004 war direkt daneben noch ein komplett verlassener wohnblock in dem obdachlose gehaust haben, welches dann 2005 abgerissen wurde... wundere mich ob da mittlerweile was neues steht?
i miss you london
Posted by: german | 22/11/2008 at 15:48
Für mich ist es immer wieder unglaublich, was es für Zufälle gibt Ich sitze gerade im Claredale House und schaue auf das Keeling House rüber...
Neben an wird im übrigen gerade eine neue Wohnanlage gebaut.
Posted by: Peter | 23/11/2008 at 18:07
Lustig, dort hat einen guten Freund vor mir ein paar Jahre lange gewohnt. Ich erinnere mich noch, wie er mir bei meinem ersten Besuch erzählte, "see that bridge at the end of the road? There was a murder there last week". Seit dann passe ich eher auf, wenn ich in dieser Viertel bin... :-)
Posted by: Mark Howells-Mead | 15/12/2008 at 21:26