Boris mag anscheinend Inseln. Vielleicht war er ein wenig zu haeufig in Dubai und hat uebersehen, dass in London die Petrodollares nicht auf der Strasse rumliegen (mal abgesehen von alten Venezueladollares). Vielleicht ist er auch einfach nur groessenwahnsinnig. Worum geht es? Um Flugverkehr. Hinlaenglich bekannt ist, dass Heathrow den schmucken Beinamen verfluchter Saftladen traegt. Hinlaenglich bekannt ist auch, dass die Betreiber und Gottweisswernochalles den Betrieb erweitern moechten. Heathrow aechzt, sofern ein Flughafen aechzen kann. Die Regierung gab kuerzlich bekannt, dass man den Bau einer dritten Start- und Landebahn nicht im Wege stehen wuerde. Die Anwohner sind sauer, Boris auch. Denn Boris spielt mit der Idee, einen neuen Flughafen im Muendungsgebiet der Themse bauen zu lassen, vier Start- und Landebahnen verteilt auf zwei Inseln, natuerlich Anschluss an Crossrail, das volle Programm, Kostenpunkt geschaetzt £40 Milliarden. Geschaetzt.
Die Tories finden Eisenbahnen klasse und wolllen das Streckennetz ausbauen lassen, um dadurch Heathrow und alle anderen Londoner Flughaefen zu entlasten. Der Bau einer dritten Start- und Landebahn haette zur Konsequenz, dass zwei Orte verschwinden wuerden (erinnert mich irgendwie an chinesische Umsiedlungsprojekte, ich kann mir nicht helfen), von Laerm und aehnlichen Begleiterscheinungen ganz zu, aehem, schweigen. Es rollt bereits eine riesige Protestwelle auf die Regierung zu - mit Boris, der auf der Welle reitet wie dereinst die Strandjungs und plant vor Gericht zu ziehen. Und ich weiss nicht, was ich von dem ganzen Krams halten soll. Weniger fliegen? Ja bitte, gern, fliegen ist sowieso Mist. Wirtschaftliche Entwicklung? Klar, warum nicht. CO2 Ausstoss und Laermbelaestigung? Nee, uncool. Arbeitsplaetze? Kann nicht schaden, usw, usf. Ich stehe daneben und weiss es einfach nicht. Das ist ein seltsames und unschoenes Gefuehl.

Geht mir ähnlich. Als Pendler zwischen der Schweiz und Grossbritannien gehöre ich ja auch zu den Lärmerzeugern und Luftverschmutzern. Ein europäisches Hochgeschwindigkeitszugsnetz. Da könnten doch die Wirtschaftsankurbelungsgelder fliessen.
Posted by: gebsn | 29/01/2009 at 21:56
Eine europäische Transrapid-Trasse wäre die Lösung gewesen.
..Leider verpasst...und kommt nicht wieder.
Posted by: Clemens | 30/01/2009 at 10:01
Ein europäisches Hochgeschwindigkeitszugsnetz das waere wirklich die beste idee, das wuerde auf alle faelle den innerbritischen flugverkehr entlasten, aber man kann sich das leben auch unnoetig schwermachen.
Iris (Umweltberater...)
Posted by: Iris | 30/01/2009 at 10:10
"Ich stehe daneben und weiss es einfach nicht. Das ist ein seltsames und unschoenes Gefuehl."
Aus diesem Grunde sind Religionen sehr verbreitet glaube ich...
Whatever. Vielleicht kann man sich ja auch einfach so mal erlauben, keine Meinung zu haben. Fällt schwer, oder?
Posted by: Anja | 30/01/2009 at 10:25
Ich hab sicher zu tausenden von Dingen keine Meinung, die Lupinenaufzucht in Mitteleuropa faellt mir beispielsweise spontan ein. Aber das hier finde ich schon wichtig, weil es nicht nur um eine alberne Startbahn geht.
Posted by: Konstantin | 30/01/2009 at 10:40
Keine Meinung zu unwichtigen Themen haben kann jeder.
Meine persönliche kognitive Dissonanz ist eine schöne große Schere: Energiesparlampen neben einem Elektrobilderrahmen. Jeden Monat 2 total überflüssige Flüge aus reinem Privatvergnügen. Finde super, dass Obama wohl Klimaschutzziele hat. Fliege im Herbst 4,5 Stunden lang in den Urlaub (und zurück). Kaufe im Bioladen und fahre Fahrrad. Kaufe ab und zu billige Klamotten, die ohne Ausbeutung niemals so billig sein könnten.
Ich stehe daneben und weiss es einfach nicht. Ich kann nicht immer alles wissen. Nicht einmal bei den wichtigen Sachen.
Posted by: A. | 30/01/2009 at 13:29
das ist wohl genau das Dilemma in der sich viele Menschen befinden, besonders in unserer schoenen Wohlstandswelt, auf der einen Seite Umweltbewusstsein und auf der anderen Seite nicht auf wohlstand verzichten wie Elektrobilderrahmen, Urlaub fliegen und billige Klamotten. Ich war in den Slums in Kapstadt ( jaja ich weiss fliegen, aber es war eine Dienstreise;)) und das hat meine Kauf und Lebensgewohnheiten ganz schoen veraendert.
Posted by: Iris | 30/01/2009 at 17:04
Ich habe waehrend meiner Masterarbeit in London einen Ausbau von Heathrow und den anderen Flughaefen in London untersucht und nach Moeglichkeiten eines Offshore Airports geforscht. Alles viel zu teuer und Umwelttechnisch nicht machbar (No Airport at Cliffe!), aber die schlechteste Idee von allen ist Heathrow auszubauen. Der wohl schlechteste geplante Flughafen der Welt sollte geschlossen werden. Wobei man fairerweise sagen sollte, dass er nicht geplant wurde, sondern ein Ueberbleibsel des 2. Weltkrieges ist.
Selbst die Institution of Civil Engineers ist vehement gegen einen Ausbau. Da werden Spezialisten einfach ignoriert und ein Problem nicht auf langfristige Art und Weise geloest. Prima Loesung.
Posted by: regenbeule | 31/01/2009 at 15:21
Umsiedlungen gab es hier im Südosten von Berlin, in Schönefeld, auch, ohne das rechtfertigen zu wollen. Ohne Billigflieger (die zwar nicht in Heathrow landen, dafür anderswo Lärm und Dreck machen) hätte London nicht den aktuellen Touristenandrang zu verzeichnen, auf den die Stadt angewiesen ist. Und die Touris würden vermutlich nicht in dieser Anzahl mit einem Hochgeschwindigkeitszug anreisen würden, weil der nicht für 50 Euro von Berlin nach London fährt. 1100 km mit dem Auto dauern verdammt lange und sind auch nicht billig. Also nehmen wir den Billigflieger und verpesten die Umwelt. Politisch und umwelttechnisch alles andere als korrekt, aber wie sonst? Zuhause bleiben? Ich wiederhole mal: Ich stehe daneben und weiss es einfach nicht.
Posted by: Björn | 02/02/2009 at 20:57