Das Koenigreich kaempft seit Jahrzehnten mit einem Vorurteil, was die Menschheit, so wie es scheint, nicht mehr vergessen und ueberdenken mag: British food sei schlecht. Dieses Urteil klingt nicht nur vernichtend, es ist auch so gemeint. Besonders boese Zeitgenossen gehen einen Schritt weiter und behaupten, der Grund dafuer, dass in London die besten Restaurants der Welt zu finden seien, laege einzig an der Schlechtigkeit von British food. Saemtliche Einwanderer taten, nachdem sie in London ankamen, sofort das einzig Vernuenftige. Sie importierten und perfektonierten ihr eigenes Essen, weil sie das britische nicht ertragen konnten. So etwas zu sagen ist sehr gemein. Aber dann wieder, naja, lassen wir das.
Neulich schrieb ich ueber meine Senflust, ich bin mustardoholic, ich gebe es zu. Das brachte mich auf den Gedanken, eine kleine Liste von british essentials zusammenzutragen, ohne die ich eigentlich nicht mehr existieren moechte. Das klingt vielleicht reichlich pathetic, man kann schliesslich von allem moeglichen leben, Aber ein, zwei Marken bzw. Produkte bzw. Substanzen sind mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen, der verschiedensten Gruende wegen. Und hier sind sie, die Reihenfolge der Erwaehnung tut nichts zur Sache, die Liste ist nicht vollstaendig aber mit Leidenschaft zusammengetragen und daher auch per Definition sehr sehr subjektiv:
Colman's Mustard, seit 1814, unuebertroffen zum roast, eine volle und aufbrausende Schaerfe, die sich den Weg durch den Rachen bahnt, goettlich.
Heinz Beanz, baked beans, amerikanisch, ich weiss, aber hier nicht wegzudenken, zwingender Bestandteil des full on.
Tropicana, schon wieder amerikanisch, glaube ich, Sanguinello heisst zur Zeit meine bevorzuge Geschmacksrichtung, wer im UK juice sagt, meint Tropicana, rich and, well, juicy really.
Richmond Sausages, Irish recipe, skinless, ich will nicht wirklich wissen, was da drin ist, aber sie gehoeren zum full on, vergesst den posh-organic-sonstwas Mist.
Patak's, immer noch der Klassiker wenn es darum geht curry zuzubereiten, sowohl fuer Dummkoepfe wie mich als auch fuer Experten, formidable Pasten und pickles, wunderbar.
John Smith Extra Smooth, vielleicht nur ein Platzhalter, feines bitter, man soll es nicht aus der Dose trinken, aber in der Not..., nur, nicht zu kalt bitte, schlaegt jedes lager, ja, ich hab schon anders gedacht und gefuehlt, ich weiss.
Marks & Spencer Fairtrade Earl Grey, ein earl grey, der es leicht mit Twinings aufnehmen kann, etwas wuerziger, famos, jeden Tag mindestens zwei Becher, oder mehr.
Dorset Cereals, ich glaube diese Marke exisitiert noch gar nicht so lange, phantastische Mueslis, stehen seit Jahren wochentags bei mir auf dem Fruestueckstisch, schlicht und einfach lecker, lecker, lecker.
Tandoori Masala, wunderbare Gewuerzmischung, indische Kueche, richtig geraten, Tandoori chicken, to die for, wird im Haus Binder regelmaessig verzehrt.
Oxo vegetable stock cubes, Bruehwuerfel, und noch dazu die besten der Welt, seit 1910, no nonsense stuff, vergesst Maggi, Oxo rules.
Encona West Indian Original Hot Pepper Sauce, nur fuer den langen Produktnamen liebe ich sie, seit ueber dreissig Jahren unveraendert, eine der beliebtesten hot pepper sauces im UK, feines Aroma, schoener angenehmer Geschmack.
Highland Spring Sparkling Water, ich kaufe keine Plastikflaschen, aber als ich hierher kam, suchte ich verzweifelt Mineralwasser, Sprudel eben, Highland Spring erschien auf der Bildflaeche, Nostalgie nehme ich mal an.
HP Sauce, das schmeckt so saeuerlich, ist das noch gut, ja ist es, das soll so schmecken, HP zum Fruestueck, unverzichtbar, in fast jeder britischen Kueche zu finden, priceless.
Cheshire Cheese, der einzige hier ohne Marke, denn davon gibt es viele Varianten, ein feiner kruemeliger Kaese, die Roemer sind schuld, sie waren die ersten Kaesemeister auf den Inseln, kein Kaese, den ich jeden Tag essen wuerde, aber ohne geht es nicht mehr.

Herr Binder, Sie sind ja geradezu ein kulinarisches Wildschwein! Ekelhaft.
...
Ich auch. Besonders Oxo und Colman's und …
Posted by: The Cartoonist | 12/07/2009 at 21:52
Da fehlt ganz klar ein Islay Single Malt Whisky.
Posted by: Armin | 12/07/2009 at 22:09
Lemon-Coriander-Hoummus! Pastrami! Crisps! Chow-mein Soße! Mature Cheddar!
Posted by: Anja | 13/07/2009 at 10:15
Ralf, ich bin eben voll der conoossieur oder wie das heissen tut, kann's nicht aendern.
Armin, nope, Single Malt trinke ich seit zwanzig Jahren, um den zu lieben, musste ich nicht nach England gehen.
Anja, cheddar eben nicht! Kein cheddar, cheddar ist doof. Crisps, ja und nein, das ist so eine Hassliebe bei mir.
Posted by: Konstantin | 13/07/2009 at 11:30
Fudge. Hand made.
(Vermutlich kapieren die Deutschen nicht, dass es sich weder um Karamellbonbons, noch um Toffee handelt, auch nicht um Kuhbonbons - oder warum sonst wird das göttliche Zeugs nicht exportiert?)
Cumberland Sausages vom Family Butcher.
Caerphilly und eigentlich quer Beet fast alle britischen Käses aus Neal’s Yard Dairy (Cheddar tatsächlich am wenigsten).
Baked Beans werde ich nie verstehen; selbst in Not und als Studentin konnte ich die nur mit Pfeffer teelöffelweise essen.
Posted by: kaltmamsell | 13/07/2009 at 14:41
Nicht einfach Cheddar, sondern Mature Cheddar, Marke "simply gorgeous" vom Londis corner shop.
Tut exakt was auf der Dose steht. (Aber ich esse ja auch Wensleydale mit Cranberries zum Fest, der Dir doch wohl sicher nicht ins Haus kommt.)
Zum Thema beans was die @kaltmamsell sagt. Irgendwann koche ich einen sehr großen Topf chili con carne, in dem ich die zwei Dosen versenken kann, die bei uns mal deutscher Besuch gekauft hat.
Posted by: an_floet | 13/07/2009 at 16:25
Shortbread
Cadbury´s milk chocolate
Digestive Biscuits
mindestens noch dazu!
Ansonsten: schöne Liste!
Posted by: Ulrike | 19/07/2009 at 09:56
... und Reggae Reggae Sauce (beide Sorten) und Cornish ice cream - haben heuer unseren Sommerurlaub in Devon + Cornwall verbracht. Einfach herrlich! Die schönen Bilder, meist mit blauem Himmel(!), kann keiner wegdiskutieren, aber daß das Essen wirklich meistens richtig gut war wird hierzulande immer noch milde lächelnd abgetan! Naja, wir wissen's besser und werden nächstes Jahr wieder hinfahren.
cheers!!!
Posted by: Elvira | 19/07/2009 at 10:07
... das hoert sich doch im Schnitt gar nicht so schlecht an. Oder mag ich auch einfach auch nur schlechtes aeh britisches Essen?
Dabei faellt mir aber auf, dass das von ihnen geliebte Salat-Dressing auf der Liste fehlt. Oder ist das nicht mehr eines ihrer Lieblinge?
Posted by: PrinzHamburg | 20/07/2009 at 13:35
Zucker ist nix fuer mich. Und die Salatsauce ist amerikanisch. Die darf hier natuerlich nicht erwaehnt werden.
Posted by: Konstantin | 20/07/2009 at 14:26