Vor zwei Tagen war es soweit: Reception area, Portcullis House, nicht spaeter als fuenfzehn Minuten vor Beginn der Tour solle man dort sein, so hiess es streng in der Bestaetigungsnachricht. Selbstverstaendlich sorgte mein urdeutsches Puenktlichkeitsgen dafuer, dass ich zu frueh am Eingang des Gebaeudes sass, das im uebrigen Bueros fuer 210 MPs beherbergt und einmal die stolze Summe von £1 Million gekostet hat. Pro MP. Naja.
Security, sehr freundlich, Treffpunkt gleich dahinter, eine Schild war zu sehen, und das Haeuflein der Big Ben Interessierten harrte der Dinge die da kamen - in Gestalt eines guides, der unsere Namen ueberpruefte, und dann wurde es auch schon spannend.
Der guide leitete mit ein paar informativen Worten ein, fuehrte uns unter Westminster Bridge Road durch einen Gang direkt zum clock tower, oeffnete die Tuer zur Wendeltreppe, bat freundlich darum, dass der letzte bitte die Tuer hinter sich schliessen moege, und der Aufstieg begann. Nach einem Drittel des Weges versammelte man sich zur ersten Verschnaufpause, und unser guide erzaehlte allerlei zum Bau und zur Geschichte von Big Ben und dem Turm. Dann ging es weiter bis nach oben, unterbrochen von Verschnaufern und wirklich interessanten kurzen Vortraegen, bis schliessllich, bis schliesslich, nein, jetzt, doch, nein, noch nicht Big Ben, aber: Das Uhrwerk, naja fast, einmal um das Werk im Turm herumgehen, hinter den riesigen Zifferblaettern. Dolle Sache.
Die Touren werden so geplant, dass man zur vollen Stunde direkt neben Big Ben steht, noch Zeit hat, sich Ohrstoepsel in die Ohren zu stopfen, um sich dann ganz schoen klein zu fuehlen. Der ganze Turm scheint zu droehnen, wenn die schweren Haemmer auf die Glocken schlagen, wahrlich beeindruckend und verflucht laut, irre. Big Ben wiegt zarte 13,76 Tonnen, kein Wunder, dass man das Teil big nennt. Der Blick von oben ist ebenso phantastisch, man koennte auf tausende von Touristen runterspucken, tut man natuerlich nicht, klar, aber die Versuchung, die Versuchung...
Danach stapften wir munter und durchgedroehnt in den Raum, der das Uhrwerk beherbergt. Nur mal so am Rande: Die Anforderungen an die Uhrmachen waren damals, ein Werk zu konstruieren, das maximal eine Sekunde pro Tag verlieren durfte. Eine lausige Sekunde. Das, mit Verlaub, ist unglaublich genau fur eine solche Konstruktion.
Am Schluss entliess man uns am Eingang von Westminster Hall, um noch ein bischen Tourist zu spielen, ordentlich Souvenirs kaufen und einen steifen Nacken vom daemlich nach oben schauen bekommen, so was. Irgendwann trabte ich brav raus, sah nochmal hoch zu dem Turm, und wars zufrieden ob der letzten zwei Stunden. Mehr als zufrieden. Unser guide war nicht nur freundlich und voll des Wissens, er hatte auch eine Menge Humor und offensichtlich Spass an seinem Job, so soll es sein.
Ich kann nur jedem, der im UK wohnt, raten, die Besichtigung von Big Ben fuer sich zu organisieren. Das war einfach klasse.

Ich gestehe blanken Neid!!!
Leider wohne ich nicht im UK
Könnte man da mitgenommen werde, von jemandem, "der wo das so" wohnt?
Posted by: Maxi | 04/08/2009 at 21:20
Cool! Das muss ich auch mal machen, also einfach Brief an MP schreiben und dann kriegt man irgendwann einen Termin? Das ist ja sooo britisch! Herrlich. Muss man denn vorher schon sagen, mit wie viel Leuten man da hin will, also die Gruppe vorher schon zusammenstellen?
@Maxi - auch wenn wir uns nicht kennen, vielleicht ließe sich dann ja was machen :)
Posted by: Buck | 04/08/2009 at 22:20
UK residents only, so heisst es. Man muss Name, Addresse und Nationalitaet angeben. Buck, ja, ich wuerde diese Details gleich in das Schreiben an dem MP packen, das macht es einfacher fuer seine Leute, Euch oder Dich beim tour office anzumelden.
Posted by: Konstantin | 05/08/2009 at 06:28
@Konstantin
Und nach den Pennies Ausschau gehalten ?
Posted by: Jörg | 05/08/2009 at 08:21
Sollte heissen "das im uebrigen ...".
Gruss, Florian
Posted by: Florian | 05/08/2009 at 08:50
Joerg, ich kannte die Geschichte mit den Pennies gar nicht. Es wurde uns aber erklaert, und wenn man es weiss, sind die Dinger ja nicht zu uebersehen. : )
Posted by: Konstantin | 05/08/2009 at 08:52
Oha, ein "s" zuviel...
Posted by: Konstantin | 05/08/2009 at 08:54
Ich kann mir vorstellen, dass der Guide durch das viele Treppensteigen ein fitter Bursche ist. Muss man für die Besichtigung schwindelfrei sein?
Posted by: Stefan | 05/08/2009 at 18:36
Stefan, wenn man enge lange Wendeltreppen nicht mag, sollte man es lassen. Ist aber nicht dramatisch. Die Treppe im Monument z. B. ist heftiger. Ausserdem gibt's im Turm ja keinen Gegenverkehr
Posted by: Konstantin | 06/08/2009 at 07:32
Danke, Konstantin! Ich werd's definitiv mal versuchen :-)
Posted by: Buck | 06/08/2009 at 13:45
@ Buck: Jetzt werd ich gerade noch wehmütiger. Da Du schon das Angebot gestellt hast, mich auch unbekannter Weise mitzunehmen: Bitte versuch doch mal alle Möglichkeiten bei Deinem Antrag abzuklopfen, ob nicht doch was machbar ist. Das wäre echt ultragenial! Ich bin auch echt ein ganz harmloses Geschöpf :o)
@ Konstantin:
Sorry, daß ich hier gerade Deine website für privaten Austausch "mißbrauche". Drum frag ich Dich einfach mal direkt, ob Du nicht vielleicht ein Forum kennst/ hast, in dem sich Londonfans einfach untereinander austauschen ggf. sich treffen oder so was in der Art. Ich würde mich total über so eine Möglichkeit freuen. Ich lese nach wie vor Deine Artikel mit großem Interesse, hab daraufhin auch schon den ein oder anderen Schauplatz besucht. Ein großes Lob verbunden mit einem DANKE!
Posted by: Maxi | 06/08/2009 at 21:52
London Fans? Wer oder was soll das sein?
http://www.london-tour.de/forum/
und fuer Fortgeschrittene
http://www.deutsche-in-london.net/forum/
Posted by: Konstantin | 07/08/2009 at 07:02
geil. auch fuer kids?
Posted by: emily | 17/08/2009 at 09:28
Yep, bei meiner Tour waren auch zwei kids dabei.
Ein paar Photos
http://www.flickr.com/photos/uk_parliament/sets/72157621779275175/
Posted by: Konstantin | 17/08/2009 at 11:56