“We used to have a sense of humour about this. You go back 25, 30, 40 years and there has always been a bit of humour about the whole thing." Bruce Forsyth wollte schlichten, beruhigen. Erreicht hat er das Gegenteil. "Strictly Come Dancing" ist eine ungemein erfolgreiche TV Show der BBC. Mehr oder wenig bekannte Menschen versuchen mit professionellen Tanzpartnern und Tanzpartnerinnen einen Wettbewerb zu gewinnen, ballrom dancing, nichts fuer mich, aber seis drum, vielen Menschen gefaellt es. Was begann als mehr oder weniger angenehme Fernsehunterhaltung, entwickelte sich nicht nur zu einem Publikumsrenner und damit auch zur einer cash cow fuer die BBC, die Teilnehmer scheinen die Sache von Jahr zu Jahr auch jedesmal wichtiger zu nehmen.
Inmitten dieses harmlosen Vergnuegens platzte eine Bombe. Einer der ballroom dancers, Anton Du Beke, bezeichnete seine Partnerin, Laila Rouass, waehrend einer Probe als "Paki". Scherzhaft, so hiess es. Es war vielleicht humorvoll gedacht, aber Laila Rouass erkannte den Witz wohl nicht, spater jedoch akzeptierte sie eine Entschuldigung du Bekes. Das alles waere vielleicht nie an die Oeffentlichkeit gelangt, denn der Vorfall trug sich wie gesagt bei den Proben zu. Aber es kam anders. Die "Sun" erfuhr davon, und natuerlich stuerzten sich die sogenannten Redakteure dieser sogenannten Zeitung darauf, wie Fliegen auf Kot, sie koennen nicht anders.
Der wirklich wunderbare und von der Nation verehrte 81ig jaehrige Moderator der Show, Bruce Forsyth, liebevoll Brucey genannt, hat natuerlich recht. Wenn es um political correctness geht, scheint das Land den Sinn fuer Humor verloren zu haben. Ausgerechnet dieses Land. Und es wird jedes Jahr schlimmer. Hinter jedem noch so unwichtigem Quatsch, den man von sich gibt, wittern irgendwelche Gestalten Diskriminierung, Vorurteile oder noch schlimmer Rassismus. Politically incorrect language kommt noch vor health and safety regulations.
Das Problem ist nur, wo zieht man die Grenze. Brucies Aeusserungen waren sicherlich gut gemeint, allerdings sah sich die BBC gezwungen, unmittelbar nach seinem Interview eine offizielle Entschuldigung zu verbreiten. Und wieder waren die Beteiligten in die tiefste aller Fallgrueben reingestolperti: politically incorrect jokes.
Fakt ist, als whitey darf man das Wort "Paki" nicht benutzen. Niemals. Auch nicht im Scherz. Es gibt diese Worte und Begriffe. "Paki" gehoert dazu. "Paki" ist rassistisch und diskrimierend. Nichts anderes. Jeder, der das Wort benutzt, ist
entweder
(a) ein daemlicher Vollidiot
oder
(b) ein Rassist
Hear that, Anton du Beke?
Dilemma. Ein Kollege von mir, den ich sehr schaetze, schmeisst mir regelmaessig Aeusserungen ueber Deutschland und "die Deutschen" um die Ohren, die grossartig sind. Der Mann ist nicht nur intelligent, er weiss auch mit der Sprache umzugehen und hat ein beeindruckendes historisches Wissen. Und, der Mann ist Waliser. Oh ja, was fuer ein dankbares Ziel, und so kommt es, dass wir immer wieder herzlich lachen. Waeren wir beide wichtig oder dass was man heutzutage als wichtig ansieht, in anderen Worten, Menschen, die fuer zwei Minuten im Fernsehen erscheinen um irgendeinen Dreck von sich zu geben, duerften wir das nicht. Herzlich lachen. Denn wir pflegen den politically incorrect humour, privat, in der Firma. Mit viel Leidenschaft und grossem Vergnuegen.
Nur "Paki", als Beispiel, wuerde wir niemals sagen. Auch schon deswegen nicht, weil es einfach nicht witzig ist. Punkt.

Das ist schon ein elender Müll mit der political correctness. In Deutschland sind wir mittlerweile auch schon sehr Korrekt allerdings unter anderen Bedingungen.
Hier wird man dafür verpönt die Wahrheit zu sagen. Das ist natürlich klar, denn die Wahrheit ist unangenehm und wird nicht gern gehört. Für die Wahrheit kommt man schon gerne mal ins Gefängnis, wird von seiner Partei ausgeschlossen - kurz: wie ein Straftäter behandelt. So viel zum Thema Meinungs- und Redefreiheit.
Armes Deutschland.
Mein Beileid Herr Sarrazin!
Posted by: Susanne | 12/10/2009 at 07:43
Ich empfehle zum Thema folgendes:
Everyone's a little bit racist - AvenueQ
Posted by: Seb | 12/10/2009 at 14:02
Bin mir jetzt nicht ganz sicher ob mein letzter Kommentar "zensiert" worden ist. Deshalb versuche ich noch einmal:
@susanne
Ich hoffe das Du das ironisch meinst. Herr Sarrazin hat als Bundesbankchef nicht solche Äußerungen von sich zu geben (Punkt). Stell dir vor, Frau Merkel hätte dies getan ...
Posted by: Prof. Orange | 12/10/2009 at 20:18
Hier werden nur Beleidigungen und Spam entfernt, sonst nix.
Posted by: Konstantin | 12/10/2009 at 22:03
@Konstantin
Sorry, hatte übersehen das da noch eine Captcha Abfrage kommt.
Posted by: Prof. Orange | 13/10/2009 at 09:26
Hallo Prof. Orange,
es gibt einen großen unterschied zwischen einem Vorstandsmitglied der Bundesbank und der Bundeskanzlerin. Das Vorstandsmitglied darf viel ehr sagen, was er denkt, als die Bundeskanzlerin und muss sich auch nicht für jeden Käse entschuldigen. Schliesslich ist er ja auch nicht Bundeskanzlerin. Er spricht nur für sich selbst. Die Bundesbank selber hat keine bestimmte Meinung zur Integrationswillig und -fähigkeit der türkischen und arabischen Bevölkerung von Neukölln, vom Wedding und von Kreuzberg. Damit sind seine Äußerungen auch nur seine persönliche Meinung.
Jeder weiss, dass Thilo Sarazin ungern ein Blatt vor den Mund nimmt und wenn er etwas übertrieben formuliert (70% sind bestimmt ein wenig hoch gegriffen, aber er hat damit überzeugend zum Ausdruck gebracht, dass es viele sind und das wird bestimmt keiner bezweifeln) hatte das genau die Wirkung, die er erhoffte. Es wird in ganz Deutschland darüber diskutiert und man überlegt, wie man das Problem lösen kann. Durch ein politisch korrektes freundliches Gerede wäre nie eine Diskussion entstanden und man würde das Integrationsproblem weiterhin totschweigen. Das kann ja auch nicht erwünscht sein.
Ich frage mich ob auch so ein Bohei gemacht würde, wenn es nicht Thilo Sarazin, sondern Cem Özdemir oder Vural Öger gesagt hätte. Da hätte wahrscheinlich niemand geagt ihn anzugreifen. Es bleibt also dabei dass man nur über sich selber schlecht reden darf. Einwanderer über Einwanderer, Türken über Türken, Blondinen über Blondinen und und und. Das wäre mir um ehrlich zu sein ein wenig zu verkrampft.
Everyone's a little bit racist. guter Kommentar. Tolles musical und es stimmt ja auch ein wenig ;)
Posted by: Bernd | 13/10/2009 at 19:04
So sehr man auf anderer Leute Witze reißt (anders funktioniert ein Witz ja nicht, die armen Waliser, die Ostfriesen des Königreichs), so sehr muß man sich doch eines klar machen: Über einen Witz über Türken, Schwule, Pakis, Waliser oder Blondinen lachen 30 Kollegen, eine(r), nämlich der Türke, Schwule, Paki, Waliser oder die Blondine, hat das Nachsehen. Wenn jeder mal dran ist, ist das ok, aber das ist nicht der Fall. Weil der stinknormale Engländer oder Deutsche nämlich kaum Angriffsflächen bietet, über die es sich hirnverbrannt herzureißen lohnen würde.
Der Spielverderber sagt jetzt: denkt nach, über wen Ihr lachen wollt. Ob die Witzfigur Pakistani ist oder Jude, Lesbe oder Blinder, Blondine oder Ostfriese, ist dabei völlig egal. Hauptsache, jeder bekommt sein Fett weg.
Posted by: Björn | 13/10/2009 at 22:33
Ich glaube nicht, das der Vergleich Sarrazin Merkel hinkt. Herr Sarrazin repräsentiert die deutsche Bundesbank. Frau Merkel die Bundesrepublik Deutschland. Die deutsche Bundesbank hat sich meiner Meinung nach nicht in die allgemeine Politik einzumischen. Sie (die Bank) hat serwohl das Recht, in Finanzpolitischen Angelegenheiten eine Stellung einzunehmen.
Herr Sarrazin hat mit seinen Äußerungen eine Welle losgeschlagen, jawohl. Allerdings in einer Art und Weiße, die unsere ausländische Bevölkerung nicht gut heißen kann. Der Ton bzw. die Worte machen die Musik.
Posted by: Prof. Orange | 14/10/2009 at 07:31
Walter Sobchak: What the fuck are you talking about? The chinaman is not the issue here, Dude. I'm talking about drawing a line in the sand, Dude. Across this line, you DO NOT... Also, Dude, chinaman is not the preferred nomenclature. Asian-American, please.
The Dude: Walter, this isn't a guy who built the railroads here. This is a guy...
Walter Sobchak: What the fuck are you...?
The Dude: Walter, he peed on my rug!
Donny: He peed on the Dude's rug.
Walter Sobchak: Donny you're out of your element! Dude, the Chinaman is not the issue here!
Posted by: Maxx | 16/10/2009 at 00:36
Als Mitarbeiter der Bundesbank ist Sarrazin eine Person der öffentlichen Wahrnehmung und sollte daher bestimmte Regeln der politischen Korrektheit beherzigen, oder eben die Konsequenzen tragen.
Die Integrationsprobleme eines Großteils unserer ausländischen Mitbürger ergeben sich aus den Bildungs-, Kriminalitäts- und Arbeitsmarktdaten.
Was nötig ist, ist eine Debatte zu führen, in der die Realität nicht mehr verdrängt wird, aus Angst als Nazi zu gelten, aber auch die Ausländer nicht zu Sündenböcken gemacht werden, was dann eben wieder eines Nazi-Vergleichs würdig wäre.
Posted by: Georg | 20/10/2009 at 09:48