Die Tatsache, dass man hier den Gegenwert eines Kleinwagens fuer einen Quadratmeter Wohnraum ausgibt, hat auch Vorteile. Ernsthaft. Man trennt sich naemlich gern mal von allerlei unnuetzem Zeug, weil einfach kein Platz ist. Dachboeden gibt's hier nicht, Keller werden in Wohnungen umgebaut, und ueberhaupt existiert das Wort Abstellraum im Vokabular eines normalen Londoners nicht. Wer es nicht glaubt, sollte mal die Ausstellungsraeumen eines bekannten schwedischen Einrichtungshauses besuchen. Was die dort auf kleinstem Raum unterbringen, ist schon erstaunlich.
Vor ein paar Tagen war es dann auch bei mir mal wieder soweit. Ich bin schon reichlich verwoehnt, meine Wohnung hat tasaechlich etwas Platz zum lagern, trotzdem, das Verlangen etwas wegzuwerfen, war einfach zu gross. Ich hatte mir schon vor Jahren angewoehnt, Dinge nur anzuschaffen, wenn gleichzeitig etwas rausfliegt. Einfaches Prinzip, eine Wohnung kann eben nur eine bestimmte Menge Krams vertragen. Genauer, ich kann nur eine bestimmte Menge an Krams in meiner Wohnung vertragen. Und regelmaessig packt es mich, siehe oben, Verlangen. Also raeumte ich und packte ich und ueberlegte ich, und halb zog es mich, und halb sank ich hin, einmal ein Auto voll, bitte sehr.
Es gibt in meinem Stadtteil einem wirklich guten Recyclinghof. Ist jeden Tag geoeffnet, und es wird einem auf freundlichste Art und Weise geholfen. Scheiss auf's Klima und Verschwendungsverschwoerer, alles Quatsch, hier macht das Wegwerfen noch richtig Spass. Es gibt kaum etwas Befriedigenderes als mit einem mit Muell gefuellten Gefaehrt bei einem solchen gastfreundlichen Ort aufzutauchen, um dann leer wieder abzufahren. Fabelhaft.
Was mich allerdings wirklich fasziniert, was ich einfach nicht verstehen kann, ist folgendes: Ich versorge halb Afrika mit guten Klamotten und Schuhen, ich stelle sicher, dass mindestens drei Arbeiter beim Recyclinghof fuer die naechsten vier Wochen Arbeit haben, die Papierversorgung der gesamten britischen Tagespresse steht dank meiner Lieferung fuer die naechsten Tage wie 'ne Eins, und ich komme nach Hause und nichts, gar nichts scheint sich veraendert zu haben. Seltsam.

ich habe mir einmal einen klugen tipp gemerkt: wenn du an dingen hängst, die du nicht entsorgen möchtest, kannst du ein foto davon machen. dann kannst du dir ab und zu das foto angucken, musst den gegenstand aber nicht mehr im hause haben. clever, oder?
übrigens. was viele ja gar nicht wissen: in englischen garagen (also jetzt mal NICHT london, sondern landleben) stehen keine autos. nie. jaguar: parkt in der einfahrt. merc: parkt in der einfahrt. das prinzip "garagenwagen" ist vollkommen unbekannt, es gibt auch gar kein wort dafür..
da die häuser nicht unterkellert sind, fungiert die garage als abstellraum. bei keinem wetter wird man es erleben, dass engländer ihre autos in der garage parken. kein platz.
Posted by: Anja | 24/02/2010 at 11:31
Ich kenne da zwei ganz bestimmte und bekannte Leute in Brüssel, bei denen die Garage auch nur zugemüllt ist. Mal so nebenbei gesagt.
Posted by: The Cartoonist | 25/02/2010 at 21:17
Hm, ich glaube, die kenne ich auch.
Posted by: Konstantin | 25/02/2010 at 21:24
Konstantin,london ist auch gut zu mir gewesen, mit 20 bei Liebeskummer und auch jetzt, mit na ja, 40 so bei der Suche nach allem möglichen.
es klingt total bescheuert, aber kriegt man ein Zimmer in paddington(Westbourne terrace) zu mieten? wir sind zu fünft und könnten rotieren.
falls du dir die Mühe machst, zu antworten, vielen Dank dafür.
Und für deine nette Seite und die arbeit, die du arin investierst. das ist großartig.
Posted by: Anja Gottwald | 25/02/2010 at 22:00
Ich weiss nicht alles, ich bin weit davon entfernt, sehr weit sogar.
http://www.deutsche-in-london.net/forum/
Posted by: Konstantin | 25/02/2010 at 22:04
Mag sein, dass die Platznot ihre guten Seiten hat, aber ich verfluche die spärlichen Lagermöglichkeiten täglich. Sommerkleider, Fahrrad, Koffer ... alles muss irgendwo unterkommen. Ich habe Sehnsucht (ja, soweit ist es schon) nach meinem kleinen aber feinen Kellerabteil in Basel.
Posted by: gebsn | 28/02/2010 at 00:22