
Das gute alte pound sterling ist mit lockeren 1200 Jahren auf dem Buckel ist genau das, naemlich alt, vermutlich reden wir hier ueber die aelteste noch lebende Waehrung der Welt. Sterling gehoert zu den wichtigsten Waehrungen, wird von vielen Regierungen als Waehrungsreserve gehalten, und ist weiterhin recht wertbestaendig, auch wenn ich mich da an andere Tage erinnern kann. Damals, als man zum Kontinent reiste, und noch richtig was bekam fuer seine Pfunde, achja. Zu Empire Zeiten konnte man das Pfund in einer Reihe von Laendern benutzen, heute duempelt es auf ein paar crown dependencies herum, und natuerlich hier, im United Kingdom, nicht duempelnd, sondern alive and kicking, 9,5 Gramm schwer, Durchmesser 22.5 Millimeter (0.89 inch).
Und es gibt da draussen eine Menge Menschen, die das nicht aendern wollen.
Wenn Briten mit Nachdruck "keep the pound" fordern, kann man das auf dem Kontinent mit der angeblich bekannten Schrulligkeit der Insulaner schnell abtun. Deutsche Journalisten schreiben dann gern mal "very British", "my home is my castle" und "not amused", den ueblichen Quatsch eben, vermutlich dieselben Journalisten, die sich einen Tag spaeter ueber Gemeinplaetze der britischen tabloids aufregen. Aber es steckt etwas mehr dahinter.
Eine 1200 Jahre alte Waehrung gibt man nicht so einfach auf. Ich habe "Gestrige" kennengelernt, die sich am liebsten sofort wieder in den British Raj verkriechen wuerden, keine Wunder, fuer die priviligierte Klasse war das kein schlechtes Leben, damals auf dem Subkontinent. "The Euro? Never!" Fragt man dann, warum denn, scheint eine elementare Angst dahinter zu stecken, die Angst vor Europa, die Angst vor dem endgueltigen Verlust der Unabhaengigkeit. Wer das Meer nicht versteht, wird Grossbritannien nie verstehen, denn Grossbritannien ist eine Ansammlung von Inseln. Wichtige Vergangenheit, Koenigreich, Atommacht, ehemalige Weltmacht mit einer "Weltsprache", das volle Programm. Arroganz? Vielleicht.
Bei solchen Themen werden gern Umfragen auf den Inseln verteilt, und anscheinend gibt es eine Mehrheit in der Bevoelkerung, die die Einfuehrung des Euro begruessen wuerde. Als Mitglied der European Union waere das natuerlich sofort machbar. Aber das Stichwort lautet British sovereignty. Nicht wenige Briten befuerchten mit der Einfuehrung der Gemeinschaftswaherung wirtschaftliche Nachteile, und gerade jetzt blicken sie mit diesem gewissen "ich-hab's-gewusst" Stirnrunzeln ueber den Kanal auf den Kontinent, wo die Partner Griechenland raushauen und vielleicht noch weitere Laender aus dem Schuldensumpf rausziehen muessen. Siehste, wir haetten dafuer auch bezahlen muessen, thank God, we've got the pound.
Alles schoen und gut, nur die European Union heisst meiner Meinung nach aus gutem Grund "Union". Wenn eine Mitglied in Schwierigkeiten geraet, helfen die anderen aus. Und uebrigens denke ich, dass die EU nicht Griechenland hilft, sonden den Griechen. Das ist ein verdammt grosser Unterschied.
Jedenfalls schmeckt dieser Gemeinschaftsgedanke den Konservativen in diesem Land ueberhaupt nicht, wie unschwer an dem gerade erarbeiteten Koalitionsvertrag zwischen Tories und Lib Dems zu erkennen. "This country doesn't like change", wie es ein Kollege mal so schoen formulierte:
"We agree that Britain will not join or prepare to join the Euro in this Parliament."
Case closed. End of. Eindeutiger geht es wohl nicht. Die schottischen Nationalisten finden den Gedanken einer Gemeinschaftswaehrung natuerlich auch schrecklich, wuerden sie doch ihre eigenen Banknoten und damit, wie sie sagen, ein Stueck Nationalitaet verlieren. (What a load of bollocks, Anmerkung des Verfassers).
Wie denken eigentlich die Welsh ueber den Euro?
Spricht man mit Menschen der heutigen Generation, stoesst man selbstverstaendlich auf weitaus groessere Offenheit und auf eine Menge "common sense", zumal ja ein direkter Nachbar, auch alles praechtige Insulaner, ganz prima mit dem Euro zurechtkommt. Die Sentimentalitaet der aelteren Generation spielt nicht mehr die entscheidene Rolle, und irgendwann werden es auch die letzten lords and ladies begreifen, dass die Zeiten des Empire vorbei sind. Aber bis dahin werden noch einige Jahre vergehen.
Ich kann mich mit dem Gedanken der Einfuehrung des Euros natuerlich auch nicht so richtig anfreunden. Ich habe den Euro nie tagtaeglich erlebt, benutze ihn drueben bei Besuchen und muss manchmal immer noch Muenzem umdrehen, wenn ich bezahle. Ziemlich peinlich, aber so ist es nunmal. Wirtschaftlich und politisch gesehen ein absolutes Muss, aber jetzt mal ernsthaft:
"I'll have a pint of IPA please."
"That'll be four Euros, mate"
God help me. You've got to be joking.
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