Anscheinend habe ich in diesem Blog noch nie einen Ort als magisch bezeichnet. Sagt die grosse Suchmaschine. Das ist erstaunlich, und die Vokabel wird hiermit hoechstoffiziell hinzugefuegt, denn zu Sir John Soane's Museum faellt mir das Wort magisch ein. Sofort und ganz selbstverstaendlich.
John Soane (1753 - 1837) war ein britischer Architekt, und wie das mit Architekten haeufig so ist, sie bauen nicht nur anderer Leute Gebaeude, sie stecken auch gern viel Energie und Kreativitaet in die eigenen Behausungen. Soane machte da keine Ausnahme. Er kaufte sich im Lauf seines Lebens an der Nordseite der aussergewoehnlichen Lincoln's Inn Fields drei Haueser und liess sie verbinden und komplett umbauen. Das Museum ist also Soane's ehemaliger Wohnsitz und beherbergt seine Sammlung von 30.000 architektonischen Zeichnungen. Und eine Bibliothek. Und ein Fruehstueckszimmer. Und ein Studierzimmer, eine Gallerie, Innenhoefe, diverse andere Salons, Gaenge, Kammern und Raeume, ein Sarkophag, Kunstobjekte, Gemaelde und Zeichnungen, zahlreiche architektonische Feinheiten, ein wahrlich magischer, harmonischer und charmanter Ort.
Es gibt unglaublich viel zu entdecken, und das, obwohl bisher nur die Haelfte der Raeumlichkeiten zugaenglich ist. An der anderen Haelfte wird heftigst gearbeitet. Ein Juwel von einem Museum, bitte unbedingt besuchen.
Ich empfehle, gleich morgens um 10:00 Uhr zu kommen, das Museum kann sich schnell fuellen, und dann wird es eng, und man muss eventuell warten, bis man hineingelassen wird.
13 Lincoln's Inn Fields
London, WC2A 3BP
Dienstag bis Samstag, 10:00 Uhr - 17:00 Uhr
Eintritt frei, keine Photos, Taschen muss man abgeben

Ein wahrhaftes Sammelsurium.......
Posted by: Uwe | 13/07/2010 at 19:15
Hach, ich hab' mal während meines Studiums einen Zeitungsartikel über das Museum übersetzen müssen und hab' so zum ersten Mal davon gehört. Seitdem ist Sir John Soane's Museum auch einer meiner absoluten Lieblingstipps für alle London-Besucher!!! Durch besagte Übersetzung habe ich erstmals das Wort memorabilia und dann die richtige Aussprache von sarcophagus gelernt... ;-)
Posted by: Markus B. | 13/07/2010 at 21:48
Ich empfehle das "late opening" bei Kerzenschein (einmal monatlich). Wahrlich magisch.
Posted by: Anika | 13/07/2010 at 22:02
Klasse, Anika, davon hab ich gelesen, magst Du etwas mehr davon erzaehlen?
Posted by: Konstantin | 13/07/2010 at 22:16
Stimme dir vollkommen zu und bin erfreut, das Museum hier beschrieben zu sehen. Auch bei mir ein fester Bestandteil im London Besuchsprogramm, hat bei fast allen enthusiastische Reaktionen hervorgerufen (und es waren fast ausschließlich Nicht-Architekten). Ich finde vor allem, daß es auf fast unvergleichliche Weise 'quintessentially British' ist: a) ich könnte mir ein ähnliches Haus/ähnliche Sammlung in keinem anderen kulturellen Kontext vorstellen, und b) kenne ich kaum ein anderes Haus, welches in ähnlicher Weise, nun ja, solch ausgeprägt britische Züge trägt, welches so humorvoll und quirky einerseits, so ernsthaft und wohlüberlegt andererseits, dort selbstverliebt da self-mocking, vor allem aber so persönlich und großzügig ist.
Die Piranesi Juwelen hinter dem Hogart Zyklus zu 'verstecken' macht zwar einereseits Sinn vom konservatorischen Standpunkt aus, ist aber vom kuratorischen Standpunkt aus eine Paarung, die absolut ihresgleichen sucht (ich habe zumindest noch nirgendwo anders Ähnliches gesehen).
Über das allmonatliche 'late opening' (im Winter übrigens besser, und immer FRÜH anstellen kann ich die Teilnahme an der jährlichen John Soane Society lecture empfehlen - danach gibt's drinks reception im Museum, bei Kerzenlicht und ohne Massenauflauf...
One of my absolute favourites.
Posted by: Timo | 17/07/2010 at 00:19