Am 24. April 1993 explodierte in der City of London eine 1000kg schwere Bombe. Ein Mensch starb, 44 wurden verletzt, Gebaeude im Umkreis von 500 Metern darunter auch Liverpool Street Station wuerden beschaedigt, eine Kirche zerstoert, der Sachschaden betrug geschaetzt 350 Millionen Pfund. Die Provisional Irish Republican Army hatte die Bombe in Bishopsgate in einem Lastwagen vor dem Gebaeude der Hong Kong and Shanghai Bank plaziert.
Geschaeftsleute, Banker aber auch Politiker forderten nach dem Anschlag verschaerfte Sicherheitsmassnahmen fuer den Finanzdistrikt, und nur wenige Monate spaeter richtete man einen security cordon rund um die City ein. Im Mai 1993 bestaetigte die Polizei die Planung dieses cordons, der sogenannte Ring of Steel war ab dem 3. Juli 1993 praesent und funktionsfaehig. Die meisten Strassen in die City of London wurden gesperrt oder als Einbahnstrassen umfunktioniert. Die verbliebenen Routen in die City erhielten permanent besetzte checkpoints, bis 1996 wurden ueber 1000 Ueberwachungskameras installiert. Es gab staendige Kontrollen und Polizeipraesenz, der gesamte Verkehr in die City und innerhalb der square mile unterlag der Ueberpruefung.
Der Ring of Steel wurde im Laufe der Jahre ausgebaut und modernisiert und existiert heute noch. Neunzehn Strassen fuehren in die City of London, viele sind an jeweils einem Punkt verengt, Schikanen zwingen Autofahrer gewollt zu langsamer Einfahrt, zwei Kameras nehmen dabei sowohl Gesichter der Insassen als auch Details wie Nummernschilder auf.
Beton- und Stahlbarrieren sollen im Ernstfall das gewaltsame Eindringen in die City verhindern, die checkpoints koennen jederzeit wieder von der Polizei besetzt werden, und zeitweise geschah dies nach den 9/11 Anschlaegen in New York. Viele der Barrieren sind zunaechst als solche gar nicht zu erkennen, wenn man nicht genau hinsieht. Vermeintliche Blumenkuebel entpuppen sich als Betonabsperrungen, und verstaerkte Poller, die sogenannten bollards, sind in der City keine Besonderheit, sie fallen nicht weiter auf.
Der Ring of Steel bildet eine ca. 10 Kilometer lange Sicherheitsbarriere um den Finanzdistrikt Londons. Kann eine solche Einrichtung Bombenanschlaege verhindern? Sicher nicht. Wer zerstoeren will, wird immer ein Ziel finden, Extremisten wuerden heutzutage wahrscheinlich nicht einen LKW in die City steuern, schon gar nicht in London, der Stadt, die bekannt ist fuer ihre Kameradichte. 7/7 hat gezeigt, dass es anders ablaeuft, anders ablaufen kann. Kritiker sprechen von nutzlosem "fortress urbanism", der nicht wirklich schuetzt, aber die Menschen beruhigen soll. Scheinbar gibt es aber genug Politiker, die das Konzept als sinnvoll erachten. Sonst haette man es in London schon laengst wieder deaktiviert und in New York nicht neu installiert.

einige dieser checkpoints, zb der an moorgate, sind doch auch tatsaechlich noch heute jeden tag besetzt? bisher dachte ich jedoch, dass die damen und herren aufgrund der ebenfalls dort beginnenden congestion charge zone dort herumstehen...
Posted by: Vikihae | 11/01/2011 at 19:05