
Ich glaube nicht an die Olympischen Spiele. Ich freue mich nicht darauf, ich erhoffe mir davon nichts, ich erwarte nichts. Es ist alles schoen und gut zu sagen, das ist deine Stadt, das muss doch aufregend sein, das solltest du geniessen. Aber sowas kann nur jemand sagen, der buchstaeblich nicht dabei war. Denn dabei sein ist alles, oder?
Natuerlich wurden die Budgets ueberzogen, und natuerlich werden wir langfristig dafuer zahlen muessen. Aber zu erwarten, das sei nicht so, waere naiv und dumm. Was mich wirklich frustriert und aergert ist der Jahrmarkt der Eitelkeiten, die Politiker, die Funktionaere und Wichtigtuer, die Macht haben, etwas entscheiden koennen, die sich bereichern und ueber unsere Koepfe hinweg entscheiden, die sich die Spiele zurechtluegen. Wieso hat man einen Sponsorship deal mit einer amerikanischen fast food Kette abgeschlossen? Wir leben hier in einer kulinarisch unglaublich vielfaeltigen und aufregenden Stadt wenn es um Essen geht und dann das. Was hat dieser Mist mit Sport zu tun? Die Olympischen Spiele sind eine Gelddruckmaschine. In ein paar Wochen werden hier Milliarden umgesetzt. Oh, natuerlich in der Hauptsache nur mit einem bestimmten Kreditkartenanbieter, was fuer ein Zufall.
Was haben sie uns nicht alles versprochen. East London wird einen nie dagewesenen Aufschwung erleben. Immerhin, die Mietpreise sind in die Hoehe geschossen, und kleine Laeden haben wegen den neuen grossen supermarkets zugemacht, das ist doch schon mal ein Anfang. Vielleicht wird es Stratford und den umliegenden Stadteilen langfristig gut tun, aber noch spricht nichts dafuer und vieles dagegen. Und alle vier Jahre kommen sie mit denselben Argumenten an, wirtschaftlicher Aufschwung, Jobs, Nutzen fuer alle. Where is the evidence? Ist eine Langzeitwirkung fuer die britische Wirtschaft wirklich erwiesen? Natuerlich nicht.
In zwei Wochen wird hier die groesste public transport Herausforderung der Welt beginnen. Routinierte Londoner bewegen sich schnell und geschickt durch den Underground. Nicht so die Zugereisten, das koennen sie gar nicht, weil sie es nicht kennen. Von zu Hause soll man arbeiten, die Stosszeiten vermeiden soll man, zu Fuss gehen, wenn moeglich. So raet man uns. Nur ein technischer Defekt, nur ein signal failure nachmittags um 18:00 Uhr, und ich verspreche jedem Besucher noch nie erlebtes Chaos. Das wird die Funktionaere und Wichtigtuer nicht stoeren, denn sie werden mit Fahrzeugen durch die Stadt chauffiert, sie duerfen die neuen olympic lanes benutzen.
Die Eintrittskarten werden gerecht verteilt, so versprach man. Nachdem man sich mit den Sponsoren ueber deren Anteile einig wurde, so vergass man zu erwaehnen. Was ist mit Londonern, mit den Leuten aus den Stadtteilen, die betroffen sind, die Einschraenkungen hinnehmen mussten? Aber so lange Machtmenschen wie Sebastian Coe und Boris Johnson freundlich grinsen und versichern, es sei alles wunderbar, ist alles wunderbar, richtig? Nein, wir haben keine Skandale wegen Mangel an Investoren, inkompetenten security Firmen, Zwangsenteignungen, zukuenftiger Nutzung der olympischen Staetten, das Flughafen Personal wird spielend, harhar, mit dem Andrang fertig werden, Stationierung von Luftabwehrraketen, ueberhaupt ganz London freut sich darauf dabei zu sein, und sei es nur, weil in East London jetzt fleissig regeneriert wird. Das behaupten jedenfalls die Verantwortlichen. Ob dass die East Londoners auch so sehen, ich wage das zu bezweifeln.
Ich glaube nicht an die Olympischen Spiele. Ich habe Sport nie verstanden, bei dem man gegen jemanden antritt um sich zu messen und um festzustellen, wer besser ist. Wozu das? Aber darum geht es hier nicht. Der Punkt ist, solange nicht alle vier Jahre eine Olympische Charity gegruendet wird, die saemtliche und zwar wirklich alle Gewinne aus den Spielen nach den Spielen in der Welt verteilt, werde ich nicht an die Spiele glauben. Weil sie aus Profitgier veranstaltet werden. Und weil Sport mit Geld nichts zu tun haben sollte.
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