Ich atme schwer.
Die letzten zwanzig Minuten oder so habe ich auf dem Fahrrad verbracht.
Abends fahre ich schnell, nicht verrueckt schnell. Aber zuegig. Das ist meine Art abzuschalten. Wie man das so nennt. Der Tag mag anstrengend gewesen sein, aber zum Ende der Arbeit gehoert das runterfahren. Ich kenne jede Ecke auf der Strecke, ich achte auf alles, was mich aufhalten koennte, ich beschleunige bergauf, ich moechte mich bewegen bevor ich nach Hause komme.
Noch einmal rechts abbiegen, dann ein paar hundert Meter weiter links rein, und dann wieder rechts.
Meine Strasse. Ich sehe unser Haus, runterschalten, langsam.
Manchmal liegt ein Kater auf der Fensterbank und beobachtet mich neugierig. Manchmal sind beide zu sehen.
Drinnen tut sich einiges. Die Jungs verbringen den Tag ueber draussen, aber nachmittags kommen sie gern wieder rein und schlafen. Im Sommer war das anders, aber jetzt moegen sie die Waerme im Haus. Und sie wissen, wenn ich die Tuer oeffne, dauert es nicht lange, bis es etwas zu essen gibt.
Wir haben alle unsere Routine.
Es ist Herbst, es wird kaelter draussen.
Wir warten darauf den Kamin anzuwerfen. Naechstes Wochenede vielleicht?
Fast genau ein Jahr wohnen wir jetzt hier. Es gab keine boesen Ueberraschungen. Man lebt sich in die Gemeinschaft der Strasse ein. Es ist unglaublich schoen hier, ruhig, friedlich.
Vielleicht noch eine halbe Stunde Tageslicht da draussen?
Mein Maedchen kommt eine Viertelstunde nach mir an. Wir ziehen die Vorhaenge zu, in den Nachbarhaeusern werden die Lichter angemacht. Es ist wunderbar gemuetlich, draussen weht der Wind, immer wieder regnet es, die Heizung ist angesprungen, es wird warm.
Wir sitzen am Kuechentisch, draussen wiegen sich die Aeste der alten Baeume im Wind.
Die Jungs haben gegessen, sie suchen zufrieden unsere Naehe. Wir reden ueber den Tag, langsam wird es Zeit fuer unser Essen, in diesem Haus wird fast jeden Abend gekocht.
Das Haus steht hier seit einhundert Jahren.
Wir kuemmern uns um das Haus. Das Haus beschuetzt uns, gibt uns Geborgenheit, Waerme, Zufriedenheit, Ruhe und Glueck.
Es geht uns gut.
Wir sind zu Hause.

Ein sehr schöner Text.
Ich verfolge Ihre Seite nun seit Juni und bin dankbar für die vielen Informationen. Ich bin im September selber ins Uk ausgewandert. Zuerst nach London, doch es hat mich direkt nach Edinburgh gezogen, deswegen habe ich London nur die erste Woche verbracht.
Posted by: Tijl Moreau | 04/10/2012 at 21:08
Einfach nur schön.
Posted by: Joe | 05/10/2012 at 08:45
Ein Text, der den Herbst wärmer erscheinen lässt als manchen Sommertag.
Danke.
Schön!
Posted by: Rudolf | 05/10/2012 at 10:40
Wunderschön!
Posted by: HEBRI | 05/10/2012 at 12:19
Danke für diesen wunderbaren Text!
Jedes Mal wenn ich deine Seite besuche bekomme ich Heimweh!
Posted by: Andy | 06/10/2012 at 18:21
Schön...berührend zu lesen. Es freut mich immer, wennn Menschen Zufriedenheit empfinden. In diesem Sinne wünsche ich euch eine gemütliche Herbstzeit und eine wundersam helle Weihnachtszeit...in eurem trauten Heim in der wunderbaren Stadt an der Themse.
Ich freue mich auf viele weitere niedergeschriebene Eindrücke und Bilder aus meiner Lieblingsstadt.
Posted by: jess | 07/10/2012 at 15:23