Wir befinden uns im Eisenbahnmutterland. Ich weiss nicht, ob das Wort existiert, spaetestens seit eben tut es das. Seit Jahrzehnten werden hier Eisenbahnlinien dichtgemacht, alles ist privatisiert, nichts, was sich nicht lohnt, will sagen profittechnisch lohnt, lebt noch. Wobei, wenn es um public transport geht, man sich ernsthaft fragt, was der Mist soll. Es geht um das Beduerfnis der Menschen, sich von Ort zu Ort zu bewegen. Es heisst nicht umsonst public transport und nicht private transport.
Jedenfalls werden hier regelmaessig ueber das Land verteilt Eisenbahnfahren veranstaltet, die an die "gute alte Zeit" erinnern. Es gibt erstaunlich viele alte Dampflokomotiven und ganze Zuege, die restauriert wurden und regelmaessig im Einsatz sind.
Einer der groessten Reiseveranstalter heisst Railway Touring Company. Natuerlich heissen sie nicht Ltd, sie heissen Company, das ist ein feiner aber guter Unterschied. Die Railway Touring Company (die mich nicht fuer diesen post bezahlt) organisiert Tagesausfluege mit alten Zuegen und viel wichtiger mit altem Dampflokomotiven.
Also buchte wir einen Ausflug nach Somerset, denn wie kann man im Eisenbahnmutterland wohnen und nicht mit einer Dampflokomotive durch die Landschaft gefahren sein. Hab ich natuerlich schon gemacht, aber das war Schmalspur, damals, in Wales.
Morgens um 7:30, London Paddington. Kleiner Einwurf: how cool ist that, wir fahren ab London Paddington. Ich kann mich selbst nach ueber zehn jahren nicht daran gewoehnen, dass ich einfach so einen Zug ab einer der legendaeren Londoner Bahnhoefe nehmen kann. Nix mehr Hannover HBF, sorry Hannover, aber dagegen kannste halt nicht anstinken.
Platform 1, der Zug kommt an, alte wunderschoene coaches, und am Ende des Bahnsteiges 34967 Tangmere, was fuer eine maechtige grossartige Schoenheit, sie faucht, sie lebt, sie dampft und raucht, sie riecht, sie ist laut.
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Wir steigen in unsen coach ein, first class, Polstersessel, Zweiertisch.
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Hier gibt es keine Klimaanlage, die Fenster beschlagen, draussen sieht man Dampf und Rauch.
Der Zug bewegt sich sich, wir fahren durch West London, tea oder coffee, Fruehstueck, full on english, what else. Der Service ist grossartig, die Leute sind souveraen, witzig.
Die Loco faehrt mit bis zu 75 mph, und das ist beeindruckend schnell. In den alten Wagen bekommt man noch viel mehr von der Fahrt mit, es ruckelt und vibriert und bewegt sich, aber ordentlich. Ich erinnere mich an alte Zeiten, die wenigen langen Eisenbahnfahrten, die ich mitgemacht habe. Full English Breakfast on an English steam train. Oh Gott, ist das grossartig.
Draussen rauscht die Landschaft vorbei.
Trainspotters, immer wieder, an den Bahnhoefen und auf Bruecken.
Zwei Dinge braucht die steam loco, Kohle und Wasser. Kohle hat sie genug dabei, Wasser geht floeten. Schon lange voher hab ich mich gefragt, wie das mit dem Wasser tanken funktionieren soll. Es gibt schliesslich keine Wasserstellen mehr auf der British railway. Die Erklaerung: die gute alte Feuerwehr.
Wie grossartig ist das denn, die oertliche Feuerwehr versorgt die loco mit wasser, die Leute steigen natuerlich aus und photographieren wie verrueckt, die locals besuchen den Bahnsteig.
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Ich denke, wie schoen und bekloppt das alles hier ist.
Leider mussten wir nachmittags wieder in London sein und konnten die Reise nicht bis zum Ende geniessen.
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Aber das war nicht das letzte Mal, dass wir von Dampf angetrieben durch England reisen werden. Oder vielleicht sogar hoch nach Scotland, rueber nach Wales...

Einer der "trainspotter" war ich, wenn ich gewusst haette dass ihr in dem Zug seid haette ich ein Transparent gemalt und gewunken ;-)
Hier seid ihr bei der Fahrt durch Aldermaston Wharf: http://aldermastonwharf.posterous.com/steam-train-passing-aldermaston-station
Posted by: Armin | 21/10/2012 at 17:43
Lieber Konstantin
Bitte schreiben Sie nicht, dass alle Esenbahnlinien zugemacht werden, die nicht profitabel sind. Das bekommen die Leute, die in Deutschland leben in den falschen Hals. Wenn ich an unsere Burnham/Henley Strecken denke, die sind immer noch offen, obwohl die unter Garantie nicht profitabel sind. Und der Bus nach Henley faehrt auch nur fuer max 4 Leute, oft ist er leer. Die Leute fahren halt mit dem Auto.
Es gibt hier genuegend Beispiele, wo man Service anbietet, der GER schon lange eingestellt ist. Da habe ich in Berlin und Umgebung doch ganz andere Erfahrungen in Erinnerung. Am meisten regt mich in Berlin auf, wenn 20 Min. im Touriviertel auf die naechste Strassenbahnwarten muss und die U2 nur alle 10 Min. am Tage faehrt und dann uebervoll ist.
Posted by: ben | 22/10/2012 at 06:30
Da schaue ich mir gerade die Doku
"Ian Hislop goes off the Rails" an, und
Du bringst diesen Blogeintrag...creepy
coincidence ;)
Posted by: crishan | 22/10/2012 at 14:01
Wie geil ist das denn bitte ? Und Hannover HBF - komen wir etwa aus der gleichen Stadt ? Ach und wo wir gerade dabei sind, ich bin vom 04. - 06.12 wieder in London und würde Dir gern, wenn es Dir passt, würde diesen super blog ein Pint whatever ausgeben wollen - Grüße Matthias
Posted by: Matthias Rieder | 24/10/2012 at 11:58
Danke Matthias, aber das ist nix fuer mich.
Posted by: Konstantin | 26/10/2012 at 06:30