Man soll das neue Jahr mit guten Vorsaetzen beginnen. Ich weiss zwar nicht wieso, aber so sagt man doch, richtig?
Also, Binder, kuemmer Dich mal um Deine Rente.
Die Altersvorsorge. Super Vorsatz. Und spannend! Aehm, nicht.
Man stolpert als Leser in deutschen Medien haeufig ueber Begriffe wie "Rentenarmut" oder "Rentenniveau". Also ich zumindest. Nicht dass mich das deutsche Rentensystem sehr interessieren wuerde, aber es kann nicht schaden, mal das britische Rentensystem zu erlaeutern. Von wegen, hier ist alles super. Oder eben nicht.
Wer nach London kommt (or anywhere in the UK for that matter) und anfaengt zu arbeiten, freut sich darueber, dass hier im Durchschnitt weniger an Abgaben anfaellt als in Deutschland. Wer es genau wissen moechte, kann es sich bei Listen To Taxman ausrechnen lassen. Bei einem Jahreseinkommen von. z. B. £25,000 also brutto £2,083.33, bleibt einem netto £1,627.67 pro Monat. Nicht schlecht. Abgezogen werden automatisch Steuern von £281.58 und National Insurance in Hoehe von £174.08. Mit der National Insurance zahlt man in die Rentenkasse ein und anteilig fuer die Krankenversicherung. Ziehmlich guenstig, oder? Netto, alles abgezogen (es gibt hier im Regelfall keine Steuererklaerung), alles simpel und einfach.
Das Problem ist die Rente. Die sogenannte Basic State Pension steht jedem zu, der National Insurance bezahlt hat. Minimum 30 Jahren Einzahlung fuer maximal hohe Rente. Wer wie z. B. wie ich weniger eingezahlt hat, bekommt anteilig weniger. Das ist fair. So weit so einfach. Aber: die Maximalrente in Grossbritannien betraegt (im Steuerjahr 2012-2013) £107.45 pro Woche. Dreissig Jahre einzahlen, £107.45 pro Woche also £465.62 pro Monat also ca 568 Euro. Das war's. Soviel zum Thema Rentenarmut.
Natuerlich gibt es hier haufenweise Privatversicherer, Firmen bieten zusaetzliche Pensionsvertraege an, 2013 soll es ab einer bestimmten Anzahl von Arbeitnehmern glaube ich sogar zur Pflicht werden. Aber wer sich sonst nicht abgesichert hat, bekommt vom Staat maximal £465.62 pro Monat. Das war's.
Also Binder, kuemmer Dich mal um Deine Rente.

"Aber: die Maximalrente in Grossbritannien betraegt (im Steuerjahr 2012-2013) £107.45 pro Monat."
Das soll wohl Woche heißen, oder? ;)
Posted by: Klaus | 06/01/2013 at 16:43
Oh ja, stimmt, hab's korrigiert, danke.
Posted by: Konstantin | 06/01/2013 at 16:48
Die englischen Rentner können auf Dauer auch nicht mehr aus dem Rentensystem herausbekommen als wie sie einbezahlen.Die Hälfte ihres Einkommens im Rentenalter wird z.Zt.aus anderen Ouellen bestritten-Firmenzusatzrenten,private Versicherungen,Immobilien ...
We are also on the way...
Posted by: Tina | 08/01/2013 at 12:35
Hallo Konstatin,
als stiller Leser erfeue mich an deinem interessanten und informativen Blog schon länger!
Heute erhielt ich ein Jobangebot in UK(in Marlow, westlich von London) und ich dachte, schau mal bei londonleben rein - vielleicht finde ich ja Infos zu Themen wie Einkommenssteuer, Versicherung und Rente.
Welch Zufall, dass ich diesen Post gerade heute vorfinde!
Grüsse vom Rhein
Ralph
Posted by: Ralph | 08/01/2013 at 13:02
Ralph, danke, hab lange nicht mehr ueber "praktische" oder "nuetzliche" Dinge geschrieben, na bitte, das hat gepasst.
Marlow kenne ich gut, wirklich sehr schoen, aber ziehmlich posh und nicht ganz billig zu wohnen.
Posted by: Konstantin | 08/01/2013 at 14:49
Spaetstens als ich 2005 eine Serie im MDR sah ueber die Rentenluege in Deutschland habe ich beschlossen, in kein System mehr einzuzahlen, sondern selbst zu sparen. Im MDR sagten sie, we heute 300EUR einzahlt, kriegt in 30 Jahren nur noch 200EUR raus (mit Ausnahme natuerlich der Beamten, die nie einzahlen und trotzdem immer gute Rente haben)
Posted by: ben | 09/01/2013 at 03:25
Hallo Konstantin,
es ist immer wieder interessant zu lesen wie anders manches auf der Insel läuft.
Wie sagte eine Freundin nach einem Jahr auf der Insel ? Deutschland ist nicht immer so schlecht wie wir alle denken.
Posted by: Joachim | 09/01/2013 at 13:00