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Posted by Konstantin Binder on 04/02/2012 in In London leben | Permalink | Comments (4)
Da unten, rechts-unten wohne ich. Wenn ich einen link in Google maps fuer das Blog brauche, fange ich manchmal in der grossen Karte an, dann weiter, zoom, rechts, links, oben, unten - irgendwann kommt man an.
This is the United Kingdom of England, Wales, Scotland and Northern Ireland. This is where I live.
Ich kann nach so langer Zeit immer noch nicht anders als manchmal zu denken, verrueckt, wie sich das alles so entwickelt hat. Und was waere wenn... aber es ist so wie es ist. Ich wohne hier, ich lebe hier, ich liebe hier, ich werde hier geliebt. Ich bin hier zu Hause.
Ich schaue mir die Karte an, bevor ich digital hineinreise, um einen Ort zu finden, den ich besucht habe. Aber im wirklichen Leben sah ich hier mehr als in D-Land. Ich habe fast alle counties in England besucht, dazu sicher die Haelfte der schottischen und alle counties in Wales.
Und dann noch Ireland und Northern Ireland. Ein wenig.
Und London. Sehr viel.
Oft beruflich, noch mehr der Neugierde wegen hat es mich in viele Ecken und Gegenden dieses Landes verschlagen, und die Vielfalt erstaunt mich noch immer. Outer Hebrides und Central London. Honestly. Ein Land? Es geht kaum extremer.
Und ich gehe nicht zurueck, ich bleibe hier.
Unglaublich.
Es kann einem auch wirklich verdammt viel schlechter gehen.
Posted by Konstantin Binder on 01/02/2012 in In London leben | Permalink | Comments (2)
Should old acquaintance be forgot,
And never brought to mind;
Should old acquaintance be forgot,
And days of old lang syne.
For old lang syne, my dear,
For old lang syne,
We'll take a cup of kindness yet,
For old lang syne.
Posted by Konstantin Binder on 01/01/2012 in In London leben | Permalink | Comments (3)
Vor dem Umzug - keine Chance. Irgend jemand haette das Teil vor dem Haus geklaut. Das ist ein Nachteil, wenn man in einer Wohnung wohnt und der dazugehoerige Briefkasten nur mit Schluessel zugaenglich ist.
Es gibt hier keine (well, fast keine) Abos fuer die Tageszeitungen. Man fragt einfach bei seinem local newspaper shop nach. Dort wird die delivery organisiert, die paper boys machen das. Man kann alles bestellen, daily oder nur am Wochenende, mehr als eine Zeitung pro Tag, whatever you fancy. Delivery kostet einen vergleichsweise kleinen Betrag. Dann bezahlt man fuer einen Monat im voraus oder zwei oder was auch immer, das ist alles sehr locker und unkompliziert.
Und seit diesen Wochenende bekommen wir die Samstagsausgabe des "Guardian" angeliefert. Das reicht erstmal fuer den Anfang, das Ding ist dick und fett genug.
Die Zeitung zum Wochenende.
Hoer mir auf mit dem ganzen Internet- und Digitalschmonzens. Alles schoen und gut aber: Fruehstuecken, Tee oder Kaffee, draussen waermt die Sonne den Garten auf oder der Regen laedt ein sich im Trockenen maechtig wohl zu fuehlen, dazu die Zeitung, perfekt. Und was heute nicht gelesen wird, kommt am Sonntag dran. Oder am Montag in der Tube auf dem Weg zur Arbeit.
File under: geniess die kleinen Dinge, denn auch sie sind nicht selbstverstaendlich.
Allerdings haben wir ein Problem, denn es interessiert uns beide noch nicht mal im Ansatz: will jemand den Sportteil haben?
Posted by Konstantin Binder on 04/12/2011 in In London leben | Permalink | Comments (3)
21. Oktober 2011
Completion.
Die Statistiker behaupten, man bliebe hier nur durchschnittlich fuenf Jahre lang in der ersten gekauften Immobilie bevor man weiterzieht und sich etwas neues kauft (groesser bevorzugt). Oder waren es drei? Dann sieben in der zweiten. Oder fuenf? Ich weiss es nicht. Aber ich haette es wissen muessen. Vor fuenf Jahren habe ich mir eine Wohnung in London gekauft. Klassisch, denn hier wird gekauft, wenn man es sich leisten kann. Zur Miete wohnt, wer keine Anzahlung zum Kauf hat und/oder wer keine mortgage bekommt. Das ist vielleicht etwas plakativ und einfach ausgedrueckt, aber im Vergleich zu D-Land ist der Anteil der Wohnungsinhaber hier sehr viel hoeher.
Wer jemals auf den Inseln den Kauf einer Immobilie mitgemacht hat, weiss, wie stressig so etwas sein kann und was dahinter steckt. Not funny. Formulare ausfuellen, Verdienst nachweisen, Anwalt finden, mortgage broker finden, countless emails, Telefongespraeche, all das schoen und gut (nicht), aber erstmal das richtige Haus finden und gleichzeitig die Wohnung verkaufen, das zehrt und ist kompliziert, aber so richtig.
Vor ungefaehr zwei Monaten verbrachte ich ein Wochenende allein in London, mein Maedchen besuchte die Familie in D-Land, und es ergab sich die Gelegenheit ein Haus anzusehen. Wir hatten lange davor darueber gesprochen umzuziehen. Eine Wohnung sollte es werden, oder ein Haus? Viel zu teuer. Oder vielleicht doch? Wir durchsuchten den gesamten Markt im Nordwesten, sahen uns Stadtteile an, lieber weiter ausserhalb dafuer groesser?
Und dann das. Ein wunderschoenes 100 Jahre altes Cottage. Wunderbare Ausstattung, perfekte Lage, kein allzu kleiner Garten, bezahlbar, was man hier bezahlbar nennt. Ich fuhr hin, sprach mit den den Verkaeufern, trank in der formidablen Wohnkueche eine feine Tasse Tee und wusste, das ist es. Hier willst Du wohnen, hier willst Du Dein Leben mit Deinem Maedchen verbringen, hier willst Du Dich einrichten, hier willst Du Dich niederlassen, hier willst Du leben.
Am naechsten Tag fuhren wir abends nochmals hin, ich aufgeregt zum zweiten Mal, sie gespannt und aufgeregt zum ersten Mal. Wir besprachen eine Kaufoffer, die Offer wurde noch am Abend akzeptiert. Jetzt musste nur noch das Geld her, um das Haus zu kaufen.
Wochenlanges Gezerre folgte, denn zu dem Zeitpunkt duempelte meine Wohnung noch auf dem gleichnamigen Markt herum, schliesslich der Anruf vom Makler, Verhandlungen am Telefon und ja, Preis akzeptiert, Kaeufer gefunden, alles gut. Soweit. Dann die Finanzierung organisieren, Verkauf und Kauf muessen am selben Tag passieren, alle Beteiligten muessen sich auf diesen Tag einigen, die Anwaelte die rechtlichen Dinge regeln, so wie das Anwalte eben tun, und irgendwann kann man nur noch reagieren, wenn wieder etwas fehlt, oder wenn jemand sagt, dies oder das muesse noch organisiert werden, dann, dann sei aber auch wirklich alles erledigt, versprochen, yeah right, und dazwischen die oben bereits erwaehnten zahllosen Emails und Gespraeche mit ich weiss nicht wievielen Menschen, schlaflose Naechte, literally, vielleicht mal wieder zur Ruhe kommen bitte, wir schaffen das, ganz sicher, ein paar Rueckschlaege, aber jetzt mal ernsthaft, was soll schon schiefgehen, aber haben wir uns auch wirklich nicht verrechnet?
Und immer wieder, was immer man auch tut, was immer man erwartet, alles wird sich verzoegern, weil das eben so ist.
21. Oktober.
Completion.
Die Gelder transferieren munter vor sich hin, und die Eigentuemer wechseln - weniger munter, weil angespannt. Ein paar Tage spaeter traegt ein civil servant ein, dass irgendwo in London eine Wohnung verkauft und zur gleichen Zeit ein Haus gekauft wurde. Er wird sich nichts dabei denken, denn er tut dies jeden Tag. Aber irgendwo in London denken sich ein paar Menschen sehr viel dabei.
Die Sachen sind gepackt, mehr oder weniger, am completion day muss man spaetestens mittags raus sein, der neue Eigentuemer zieht am selben Tag ein, ja, am selben Tag. Die Umzugsleute verspaeten sich, wir haben die zeitlichen Szenarien hundertmal durchgesprochen, wir schaffen das. Die Jungs moegen zu spaet sein, aber sie arbeiten unglaublich schnell und gut, wir raeumen noch auf, saeubern die Wohnung, den Satz Wohnungsschluessel habe ich am Tag vorher beim Makler deponiert, jetzt heisst es nur noch die Tuer zuziehen, abschliessen und die Ersatzschluessel durch den Briefschlitz werfen, einmal gruessen, ein bischen innehalten, fuenf Jahre. Good bye, meine geliebte kleine Wohnung auf dem wunderbaren Huegel im Nordwesten Londons mit der Sicht ueber die Stadt, mit dem kleinen Balkon.
Es ist Mittag, die Umzugsjungs besorgen sich etwas zu essen, wir fahren zum Makler, um uns die Schluessel fuer das Haus zu sichern. Die Anwaelte haben waehrend des Vormittags alle Geldvorgaenge bestaetigt und lassen die Makler wissen, dass die deponierten Schluessel freigegeben sind.
Release of keys. We've got the keys! It's ours, we own the house! Nichts kann mehr schiefgehen, nichts kann mehr passieren, nach all den Wochen.
Die Verkaeufer haben sich verspaetet und brauchen noch eine Stunde, sie ziehen weit weg, in den Norden, die Situation ist seltsam und sehr bewegend, sie sind traurig das Haus zu verlassen, letzte Photos, unsere Umzugsleute warten vor dem Haus im Transporter mit dem Krams den zwei Menschen angesammelt haben, noch eine Stunde Ausladen, es ist der 21. Oktober 2011, wir sitzen zwischen Kisten und Moebeln und God knows what in unserem Haus in North West London.
Es kann einem auch verdammt viel schlechter ergehen.
Hello London, I love you dearly. Thank you for having me.
Posted by Konstantin Binder on 06/11/2011 in In London leben | Permalink | Comments (18)
Wirklich, das waren noch Zeiten. Neue Wohnung, neue Unabhaengigkeit, toll. Vor fuenf Jahren. Fuenf Jahre! Keine schlechte Zeit. Viel ist passiert. Und wieder hat sich die Stadt von ihrer freundlichen Seite gezeigt, sie scheint mich zu moegen, oder vielleicht respektiert sie mich einfach, das waere schon toll, das wuerde mir viel bedeuten.
Aber die Wohnung ist zu klein geworden. Nicht dass sie geschrumpft waere. Aber ich werde aelter. Und anspruchsvoller. Und viel wichtiger, ich bin nicht mehr allein.
Etwas weiter draussen in den fabelhaften suburbs. Keine schlechte Idee. Es gibt da diesen wirklich schoenen Stadtteil... naja, vielleicht schreibe ich darueber mal.
Zusammen mit jemandem, der mir unglaublich viel bedeutet. Jemand, den ich in dieser Stadt kennengelernt habe. Jemand, den ich liebe.
In einer Woche ziehen wir um. Dann wird eingerichtet und gestrichen und gebaut und geschraubt und ueberhaupt. Und deswegen wird es bei London Leben fuer einige Zeit ruhig sein. Aber das ist nur fair, denke ich.
Bis demnaechst.
Posted by Konstantin Binder on 13/10/2011 in In London leben | Permalink | Comments (17)
Angebot und Nachfrage, klassisch, ich stelle Land voruebergehend zur Nutzung zur Verfuegung und verlange dafuer einen Mietzins. Das ist die marktwirtschaftliche Grundlage fuer parking meters. Ich erinnere mich an den Begriff Groschengrab, aber vielleicht liege ich damit auch falsch.
Die ersten parking meters wurden 1935 in Oklahoma City, OK errichtet. Ich war noch nie in Oklahoma City, OK. Wieso ausgerechnet Oklahoma City, OK? Nicht den Ansatz einer Ahnung. Irgendjemand musste den Anfang machen, schaetze ich mal.
In London war es 1958 soweit. 6d an hour. Penny, that is. Das Symbol fuer Penny war "d.", franzoesisch denier, lateinisch denarius. Grosvenor Square, gegenueber der amerikanischen Botschaft. Die ersten Parkuhren waren sogenannte winding up machines. Die Aelteren unter uns erinnern sich: rechts eine Muenze einwerfen, dann das Dingens in der Mitte umdrehen, fertig.
Heute kostet das Parken in Central London an arm and a leg, quite rightly so, und wenn man kein Bargeld zur Verfuegung hat, bezahlt man via mobile phone.
Oh, und der Vollstandigkeit wegen: zebra crossing 1951, yellow lines 1955.
Posted by Konstantin Binder on 12/06/2011 in In London leben | Permalink | Comments (2)
Wie man weiss, fahren wir auf den Inseln auf der richtigen Seite der Strasse, naemlich auf der linken. Rechtsverkehr ist voelliger Unsinn. Wir fahren in Europa auch keineswegs einsam auf unserer Seite, auch in Irland, auf der Isle of Man, auf Guernsey, Jersey, Malta und in Zypern hat man schon vor Jahrzehnten verstanden, auf welcher Seite man sich fortbewegen muss.
Wir liegen weltweit sehr knapp geschlagen auf Platz zwei. 33.9% Menschen leben in Laendern mit Linksverkehr, aber das ficht uns aber nicht weiter an, denn Rechtsverkehr ist wie gesagt Mumpitz. Schon die alten Roemer fuhren auf der linken Seite, das weiss man, also bitte.
Wie, wo und warum dieser seltsame Rechtsverkehr angefangen hat, ist mir nicht bekannt, ist mir auch ziemlich egal, denn, wie bereits erwaehnt, Rechtsverkehr ist einfach dummes Zeug.
Aber wo und wann fing es hier an? Offiziell 1756, und zwar auf der London Bridge. Die Fuehrer von Pferdefuhrwerken wurden damals angewiesen, auf der richtigen Seite, naemlich auf der linken Seite zu fahren.
Heute gibt es im Koenigreich nur wenige Ausnahmen von dieser sinnvollen Regelung, das hier bereits beschriebene Savoy Hotel sei erwaehnt und dann noch Russel Lane. Letzteres zaehlt natuerlich nicht, u-turn, das verwirrt die Menschen nur.
Links.
Rechts ist Unfug.
End of discussion.
Case closed.
Posted by Konstantin Binder on 25/05/2011 in In London leben | Permalink | Comments (11)

© 2001 – 2011 Konstantin Binder. London ist gut zu mir gewesen. Ich denke, ich schulde es der Stadt, ab und zu ueber sie zu berichten. Est. 15 January 2004. No tourists were harmed or injured or shouted at (knowingly) in the making of this website. londonleben(at)mac(dot)com
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