Vor einigen Jahren schrieb ich hier schon mal zu dem Thema. Ich war damals der Meinung, dass zum Fahrrad fahren in London so einiges an Beklopptheit gehoeren muesse, den es sei ziemlich gefaehrlich. Mittlerweile gehoere ich selbst zu dieser seltsamen Spezies, seit eineinhalb Jahren schon. Ich bin frueher gern und viel gefahren, in London hat mich der Verkehr stets abgeschreckt. Heute mag ich nicht mehr ohne das Ding. Allerdings fahre ich nur zur Arbeit. Die Strecke ist 8km lang, hauptsaechlich Nebenstrassen, einige fiese roundabouts, zwischen 30 und 40 Minuten braucht das alles, je nach Ampelphasen und Wind- bzw. Verkehrsverhaeltnissen. Im Schnitt benutze ich das Fahrrad dreimal pro Woche, es spart eine Menge Geld und ja, es macht Spass.
Fuer mich stand von Anfang an fest, dass ich ein foldable bike haben wollte. Klein, leicht, wendig, keine komplizierten Gangschaltungen, ein Stadtfahrrad. Natuerlich wurde es nach langer Ueberlegung ein Brompton, jenes schon fast legendaere Bike, das nicht nur in London entwickelt wurde sondern auch hier gebaut wird. Mein S Type ist grandios, sehr sehr schnell und wendig, die Reifen werden auf 6,8 bar aufgepumpt, verwindungssteif, zwei Gaenge, denn mehr braucht es hier nicht, erstklassig verarbeitet. Bromptons sind nicht gerade billig, aber die Kosten hatte ich nach einem Jahr wieder raus, seitdem fahre ich sozusagen in der Gewinnzone.

Es laesst sich unglaublich schnell zusammenpacken, und sollte sich mal ein Nagel in die mit Kevlar verstaerkten Reifen verirren, nimmt man eben den Bus und traegt es nach Hause, perfekt.

Die Nachteile bei foldable bikes liegen auf der Hand, die Raeder sind kleiner, Schlagloecher begegnet man mit viel Respekt und verstaerkter Umfahrung, der kuerzere Radstand bedarf der Gewoehnung. Dafuer laesst es sich ueberall in der Wohnung unterbringen, im Buero steht es neben meinem Schreibtisch, ich besitze keine Fahrradschloesser.
In London kommt es immer wieder zu Unfaellen mit Fahrradfahrern, sogar mit toedlichem Ausgang, meist spielt dann der fahrradliche Kardinalfehler eine Rolle, den ich vermeide wie Altbier, das Fahren im sogenannten toten Winkel. Zwar ist das Ueberholen auf der linken Seite nicht ausdruecklich verboten, aber wer es dennoch bei Bussen oder LKWs tut, hat, sorry, selbst schuld. Das ist einfach daemlich und saugefaehrlich.
London ist allgemein verkehrstechnisch und speziell fahrradtechnisch kein leichtes Plaster. Es wird geschnitten, die Vorfahrt genommen oder missachtet, dass es nur so, aehm, kracht. Viele Autofahrer nehmen keine Ruecksicht, entweder weil sie nicht wollen, oder weil sie es nicht kennen. Das ist die taegliche Herausforderung, die allerdings auch spannend ist. Wer in London regelmaessig faehrt, muss vorausschauend fahren und mit unmoeglichen Dingen rechnen. Irgendwas passiert immer. Viele Autofahrer hier sind es nicht gewohnt mit Fahrradfahrern umzugehen. Natuerlich gibt es auch haufenweise Deppen, denen alles egal ist, aber ich glaube das eigentliche Problem ist der Mangel an Erfahrung und die damit verbundene massive Fehleinschaetzung.
Mit den Radfahrern ist das aber auch so eine Sache. Viele fahren sicher und gut, andere verhalten sich wie absolute Idioten, und wer neben mir bei Rot an der Ampel weiterfaehrt, bekommt durchaus mal einen charmanten Kommentar von mir. Der dichte Verkehr zwingt manchmal zum Fahren auf den Buergersteigen, auch das ist alles andere als pfiffig, denn erstens verboten und zweitens gehoeren da Fussgaenger hin. Und nur die.
Aber die Stadt veraendert sich. Steigende Kosten, neue Fahrradwegprojekte, die Leihfahrraeder, es tut sich eine Menge, und je mehr Leute zum Rad wechseln, desto schneller werden sich Autofahrer an diese komischen Dinger auf zwei Raedern gewoehnen, gewoehnen muessen.
Zu rechtlichen Dingen in Sachen Fahrrad fahren gibt es ein wunderbares Blog. Jorren Knibbe ist barrister und Fahrradfahrer und schreibt sehr verstaendlich und informativ ueber Gesetze und Regelungen, die Radfahrer betreffen.
Recent Comments