
Es gibt in London drei sogenannte linear views, die nicht verbaut werden duerfen. Klingt komisch und am besten laesst sich das an den drei views erklaeren.
Westminster Pier - St. Paul’s Cathedral: Wer am Westminster Pier verweilt (noerdlich Houses of Parliament, direkt an der Westminster Bridge), nichtsahnend um sich blickt und ueber den Fluss hinweg die Kuppel von St. Paul’s sieht, kann sich sicher sein, dass das immer so bleiben wird. Kein hohes Gebaeude darf diese Sicht versperren. So sind die Bauvorschriften.
Nummer zwei ist eher unspektakulaer: The Mall – Buckingham Palace. Kein Mensch wird hier jemals was bauen wollen, aber trotzdem, per Gesetz ist auch hier der Bau von Haeusern verboten, die diese (lineare) Sicht versperren koennten.
Die dritte der linear views ist einen Ausflug wert und ziemlich skuril. Man muss dazu nach Richmond in den Westen der Stadt fahren, genauer zum Richmond Park. Die hoechste Erhebung im Park ist ein Huegel, genannt King Henry’s Mound. King Henry’s Mound ist eine kuenstliche Erhebung auf uraltem Boden, vermutlich haben die Kelten, Goten, Roemer oder Wikinger oder was weiss ich wer hier schon gesessen.
Die Sicht nach Westen ist wunderschoen und ruhig, der Fluss maeandert gemuetlich (fast schon gelangweilt) vor sich hin. Dreht man sich um, wirds komisch, denn in einer Hecke ist ein Loch freigeschnitten. Dahinter sieht man dann offene Parkflaeche und danach eine Schneise im Wald. Und am Ende der Schneise, genau in der Mitte – die Kuppel von St. Paul’s Cathedral. Zehn Meilen oder sechzehn Kilometer entfernt! Also called the Ten Mile Vista.

Und auch auf dieser imaginaeren Linie darf kein Hochhaus gebaut werden. Die Sicht zwischen Richmond Park und St. Paul’s ist gesetzlich geschuetzt. Wie man auf dem Photo sieht (oder leider eben nicht sieht), braucht man aber klare Sicht und ein Fernglas oder ein gutes Objektiv, um die Kuppel zu sehen. Sechzehn Kilometer quer durch eine Grossstadt ist ja nicht gerade um die Ecke.
Wie gesagt, skuril, aber charmant, irgendwie…
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