Posted by Konstantin Binder on 25/06/2010 in Politics | Permalink | Comments (10)
Das gute alte pound sterling ist mit lockeren 1200 Jahren auf dem Buckel ist genau das, naemlich alt, vermutlich reden wir hier ueber die aelteste noch lebende Waehrung der Welt. Sterling gehoert zu den wichtigsten Waehrungen, wird von vielen Regierungen als Waehrungsreserve gehalten, und ist weiterhin recht wertbestaendig, auch wenn ich mich da an andere Tage erinnern kann. Damals, als man zum Kontinent reiste, und noch richtig was bekam fuer seine Pfunde, achja. Zu Empire Zeiten konnte man das Pfund in einer Reihe von Laendern benutzen, heute duempelt es auf ein paar crown dependencies herum, und natuerlich hier, im United Kingdom, nicht duempelnd, sondern alive and kicking, 9,5 Gramm schwer, Durchmesser 22.5 Millimeter (0.89 inch).
Und es gibt da draussen eine Menge Menschen, die das nicht aendern wollen.
Wenn Briten mit Nachdruck "keep the pound" fordern, kann man das auf dem Kontinent mit der angeblich bekannten Schrulligkeit der Insulaner schnell abtun. Deutsche Journalisten schreiben dann gern mal "very British", "my home is my castle" und "not amused", den ueblichen Quatsch eben, vermutlich dieselben Journalisten, die sich einen Tag spaeter ueber Gemeinplaetze der britischen tabloids aufregen. Aber es steckt etwas mehr dahinter.
Eine 1200 Jahre alte Waehrung gibt man nicht so einfach auf. Ich habe "Gestrige" kennengelernt, die sich am liebsten sofort wieder in den British Raj verkriechen wuerden, keine Wunder, fuer die priviligierte Klasse war das kein schlechtes Leben, damals auf dem Subkontinent. "The Euro? Never!" Fragt man dann, warum denn, scheint eine elementare Angst dahinter zu stecken, die Angst vor Europa, die Angst vor dem endgueltigen Verlust der Unabhaengigkeit. Wer das Meer nicht versteht, wird Grossbritannien nie verstehen, denn Grossbritannien ist eine Ansammlung von Inseln. Wichtige Vergangenheit, Koenigreich, Atommacht, ehemalige Weltmacht mit einer "Weltsprache", das volle Programm. Arroganz? Vielleicht.
Bei solchen Themen werden gern Umfragen auf den Inseln verteilt, und anscheinend gibt es eine Mehrheit in der Bevoelkerung, die die Einfuehrung des Euro begruessen wuerde. Als Mitglied der European Union waere das natuerlich sofort machbar. Aber das Stichwort lautet British sovereignty. Nicht wenige Briten befuerchten mit der Einfuehrung der Gemeinschaftswaherung wirtschaftliche Nachteile, und gerade jetzt blicken sie mit diesem gewissen "ich-hab's-gewusst" Stirnrunzeln ueber den Kanal auf den Kontinent, wo die Partner Griechenland raushauen und vielleicht noch weitere Laender aus dem Schuldensumpf rausziehen muessen. Siehste, wir haetten dafuer auch bezahlen muessen, thank God, we've got the pound.
Alles schoen und gut, nur die European Union heisst meiner Meinung nach aus gutem Grund "Union". Wenn eine Mitglied in Schwierigkeiten geraet, helfen die anderen aus. Und uebrigens denke ich, dass die EU nicht Griechenland hilft, sonden den Griechen. Das ist ein verdammt grosser Unterschied.
Jedenfalls schmeckt dieser Gemeinschaftsgedanke den Konservativen in diesem Land ueberhaupt nicht, wie unschwer an dem gerade erarbeiteten Koalitionsvertrag zwischen Tories und Lib Dems zu erkennen. "This country doesn't like change", wie es ein Kollege mal so schoen formulierte:
"We agree that Britain will not join or prepare to join the Euro in this Parliament."
Case closed. End of. Eindeutiger geht es wohl nicht. Die schottischen Nationalisten finden den Gedanken einer Gemeinschaftswaehrung natuerlich auch schrecklich, wuerden sie doch ihre eigenen Banknoten und damit, wie sie sagen, ein Stueck Nationalitaet verlieren. (What a load of bollocks, Anmerkung des Verfassers).
Wie denken eigentlich die Welsh ueber den Euro?
Spricht man mit Menschen der heutigen Generation, stoesst man selbstverstaendlich auf weitaus groessere Offenheit und auf eine Menge "common sense", zumal ja ein direkter Nachbar, auch alles praechtige Insulaner, ganz prima mit dem Euro zurechtkommt. Die Sentimentalitaet der aelteren Generation spielt nicht mehr die entscheidene Rolle, und irgendwann werden es auch die letzten lords and ladies begreifen, dass die Zeiten des Empire vorbei sind. Aber bis dahin werden noch einige Jahre vergehen.
Ich kann mich mit dem Gedanken der Einfuehrung des Euros natuerlich auch nicht so richtig anfreunden. Ich habe den Euro nie tagtaeglich erlebt, benutze ihn drueben bei Besuchen und muss manchmal immer noch Muenzem umdrehen, wenn ich bezahle. Ziemlich peinlich, aber so ist es nunmal. Wirtschaftlich und politisch gesehen ein absolutes Muss, aber jetzt mal ernsthaft:
"I'll have a pint of IPA please."
"That'll be four Euros, mate"
God help me. You've got to be joking.
Posted by Konstantin Binder on 18/05/2010 in Politics | Permalink | Comments (8)
Posted by Konstantin Binder on 12/05/2010 in Politics | Permalink | Comments (5)
Das britische Unterhaus (House of Commons) hat 650 Mitglieder, die sogenannten MPs (Members of Parliament). Jeder MP repraesentiert einen Wahlkreis (United Kingdom Parliament constituencies). Daher kann es im UK auch zu der kuriosen Situation kommen, dass eine Partei zwar die Mehrheit an Stimmen bekommt, aber in den Commons nicht durch eine Mehrheit von MPs vertreten ist.
Im UK wird traditionell donnerstags gewaehlt, die Wahllokale schliessen um 22:00 Uhr. Hochrechnungen kennt man hier in dem Sinne nicht, da die Wahlkreise einzeln ausgezaehlt werden. Es gibt Prognosen und Umfragen, und in den letzten Tagen vor der Wahl aendern sich die Ergebnisse dieser Prognosen natuerlich gern mal. In diesem Jahr sieht es aber tatsaechlich so aus, als wuerde es zu Koalitionsverhandlungen kommen, ungewoehnlich fuer die Inseln.
Sunderland hat gute Chancen, wie in den letzten vier general elections auch als erste constituency seine Ergebnisse bekanntzugeben. Das ist dort wohl mittlerweile zur sportlichen Tradition geworden, die Damen und Herren Wahlmenschen in Sunderland moechten gern an erster Stelle stehen. Ab ca. 23:00 Uhr darf man Zahlen erwarten, aber die Auszaehlung aller Wahlkreise wird sich ueber Stunden durch die Nacht ziehen.
Und weil die Wahlnacht eine echte Nacht ist, werden Wahlparties veranstaltet und das nicht zu knapp. Politisch interessierte Menschen verbringen die Nacht mit Freunden und Bekannten zu Hause vor dem Bildschirm, die Parteien laden zu lokalen Veranstaltungen ein, und im Morgengrauen wird man sich dann hoffentlich ein Bild machen koennen, wie es die naechsten Jahre weitergeht.
Zur letzten Wahl verweilte ich auf einer der offiziellen election parties der LibDems, war aber viel zu muede, um ab 3:00 Uhr morgens noch irgendwas mitzubekommen. Das eine oder andere Glas Wein hat wohl komischerweise auch nicht geholfen, mich wachzuhalten.
Dieses Jahr bin ich zu zwei privaten Parties eingeladen, es kann aber auch sein, dass ich anderen Verpflichtungen nachkommen muss, mal schauen. Ich denke schon, dass ich berichten werde, entweder nur ueber twitter oder vielleicht auch mehr oder weniger live hier, mal schauen, wie sich die Nacht entwickelt.
Posted by Konstantin Binder on 05/05/2010 in Politics | Permalink | Comments (3)
In acht Tagen wird im Koenigreich ueber eine neue Regierung entschieden, und wie jedesmal kurz vor den Wahlen wachen Politiker nachts auf, weil sie etwas beschaeftigt, weil sie meinen etwas vergessen zu haben. Mal ueberlegen, Interviews sind arrangiert, Geld wurde gesammelt, Hilfskraefte rekrutiert, Friseur, tick, Termine vergeben, ja, Website funktioniert, eigentlich steht alles auf go, go, go. Aber irgendwas fehlt. Genau, Mist, der Arbeitgeber. Wir. Jahrelang nicht beachtet, jetzt aber zuegig.
Also ueberschwemmen uns die Parteien mit schicken kleinen oder grossen leaflets und erinnern uns daran, dass sie tatsaechlich existieren, unsere Politiker. Ich wohne in einem Haus mit mehreren Wohnungen, und die Briefkaesten sind von aussen nicht zugaenglich. Ein Segen, denn junk mail kommt, wenn ueberhaupt, nur ueber den Brieftraeger herein. Wir pflegen hier im Gebaeude ausserdem eine schoene Londoner Tradition, wir oeffnen selten oder eher gar nicht, wenn es klingelt. Menschen, die einfach so an Haustueren klingeln, wollen etwas. Und sie stehlen einem Zeit.
Die Anzahl der schicken leaflets, die ich bisher erhalten habe, ist dementsprechend ueberschaubar, denn nur die ueber die Post verteilten Broschueren kommen im Regelfall in meinen Briefkasten an. Und die leaflets geben ziemlich genau wieder, was sich in meinem Borough abspielt.
(click image fuer XL readable version)
Links oben haben wir das recht grosse Model LibDem, dann zweimal, in der Mitte und oben rechts, Labour, und unten klein und bescheiden die Green Party und die, aehem, Tories. Die Green Party hat im Koenigreich nix zu melden, leider, vielleicht aendert sich das ja mal. Die Tories haben in meinem Borough, im London Borough of Brent, auch nicht viel zu sagen, ich wohne in Labour- bzw LibDem Land, und ich kann nicht behaupten, dass mir das missfallen wuerde.
Brent wurde fuer die Wahlen 2010 umstrukturiert, die UK Parliament constituency Brent South z. B. gibt es nicht mehr, mein zukuenftiger MP wird den Bereich Brent Central vertreten. Dawn Butler (Labour) darf hier wohl als Favoritin betrachtet werden, aber Sarah Teather (LibDem) hat ebenfalls eine gute Chance. Beide sind Ex-MPs fuer Brent, beide kennen sich hier aus. Die Wahlen in meinem Borough versprechen tatsaechlich spannend zu werden. Das hier ist nicht Westminster. Hier wohnen ganz normale Menschen mit ganz normalen Probleme, viele Eingewanderte, viele, die die Sonnenseite der Stadt nicht gesehen haben.
PS: Lieber Sachin Rajput, vergiss deinen Anzug. And get a haircut, mate. Seriously. This is Brent.Posted by Konstantin Binder on 27/04/2010 in Politics | Permalink | Comments (2)
Gordon Brown hat den Wahltermin verkuendet, eher eine Formalie, ein schlecht gehuetetes Geheimnis, wie jedesmal. In vier Wochen wird gewaehlt, ab jetzt heisst es campaigning, campaigning, campaigning. Vier Wochen lang werden Experten zu Wort kommen, wird es Umfragen geben, werden Politiker den ueblichen Unsinn waffeln, den sie immer knapp vor den Wahlen von sich geben. "Change, change, change", frei nach Obama, so schallt es aus den Muendern derer, die ja doch nur nach der Macht streben.
Und schon jetzt macht im UK ein Begriff die Runde, der von Briten eher selten benutzt wird: hung parliament.
"In parliamentary systems, a hung parliament is one in which no one political party has an outright majority of seats." (Wikipedia)
Voellig normale Sache, sagt der Deutsche, dann wird eben koaliert. Nicht hier. Hung parliament ist eine Raritaet im Koenigreich, aber wenn die Wahlen so knapp ausgehen, wie von einigen jetzt schon prognostiziert, wird es weder fuer Labour noch fuer die Tories zur Mehrheit reichen, und dann koennte es spannend werden. Zuletzt gab es diese Situation 1974, die Regierung hielt sich gerade mal zehn Monate, davor 1929.
Koalitionen ist man hier nicht gewohnt, aber dieses Jahr koennte es tatsaechlich soweit sein. Eton Boy Cameron trauen viele nicht ueber den Weg, und Gordon Brown hat soviel Charisma wie eine Betonplatte. Der vielleicht lachende Dritte heisst Nick Clegg und ist Cheffe der LibDems. Clegg haelt sich schoen bedeckt, doof ist er nicht, und gibt natuerlich vor dem Wahlausgang nicht bekannt, mit wem er denn gern (im Falle eines Falles) koalieren wuerde. Und all das passiert, waehrend im Hintergrund eine Wirtschaftskrise alles andere als vorbei ist.
Posted by Konstantin Binder on 07/04/2010 in Politics | Permalink | Comments (2)
Der Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer) praesentiert uns als Chef der Treasury (Finanz- und Wirtschaftsministerium) einmal im Jahr das sogenannte Budget. Im Finanz- und Wirtschaftsministerium definiert man das Budget als “the major financial and economic statement made each year by the Chancellor of the Exchequer to Parliament and the Nation”. Man kann sich vorstellen, dass am Budget day Medienleute, Analysten, andere schrecklich wichtige Gestalten und normale interessierte Menschen wie du und ich ziemlich gespannt die Berichterstattung verfolgen, wenn der Schatzkanzler in den House of Commons in einer Rede das Budget vorstellt.
Vor der Rede findet traditionell einen Phototermin vor 11 Downing Street statt, denn dort wohnt der Herr Schatzkanzler. Die Photographen warten vor dem Gebaeude, der Herr Schatzkanzler tritt vor die Haustuer und hebt freundlich laechelnd einen ziemlich alt und abgewetzt aussehenden, haesslichen kleinen Aktenkoffer hoch, the famous budget briefcase.
Mit der Hilfe des Aktenkoffers traegt er seine Rede zum House of Commons, der Koeffer enthaelt also die harten Fakten. Alistair Darling verwendet zur Zeit das original briefcase, es stammt aus dem Jahr 1860. Davor wurden Reden natuerlich auch irgendwie transportiert, aber dieser kleine einigermassen schaebig aussehende Aktenkoffer wurde seit 1860 von den jeweils amtierenden Schatzkanzlern benutzt, um die Budgetrede herumzutragen. Seit 1860, mit wenigen Ausnahmen: James Callaghan entschied sich 1964, einen anderen Koffer zu verwenden, das rote Lederdingens war ihm schlicht zu klein, und Gordon Brown liess 1997 einen schicken neuen Aktenkoffer fuer sich anfertigen.
Und einmal, 1886 naemlich, vergass ein Schatzkanzler die Rede zu Hause und nahm einen leeren Koffer in das House of Commons: George Ward-Hunt. Na, Downing Street ist ja nicht weit von den Commons, das war sicher kein Drama.
Posted by Konstantin Binder on 25/03/2010 in Politics | Permalink | Comments (2)
Ich sehe im Geiste die steifen kalten Gliedmassen des Herrn Churchill, anklagend, unglaeubig (sofern Gliedmassen glauben koennen), recht angeschlagen nach all den Jahren unter der Erde, und nach noch zu Lebzeiten einer Flasche Brandy pro Tag (nein, das ist nur ein Geruecht, ich weiss von nix), wie auch immer: Es gibt eine Deutschstaemmige. Member of Parliament that is. Deutsch. Und noch dazu eine Frau. Und Labour. Ohgottohgott. Uebrigens wurde Churchill 1953 der Nobelpreis verliehen. Fuer Literatur. Das nur am Rande. Ich wusste das nicht. Ich wusste auch ehrlich gesagt nichts von Gisela Stuart, MP. Geboren 1955 als Gisela Gschaider in Velden, Uebersiedlung nach Britain 1974, seit 1997 MP fuer Birmingham Edgbaston. Nie gesehen, nix gehoert, nix gelesen, allerdings ist Birmingham auch weit weg von London, wie der andere Rest der Welt.
Das ist jetzt vielleicht ein wenig unfair, weil eingeschraenkt (siehe oben, ich weiss nix), aber schauen wir uns mal an, was Frau Stuart so alles im Laufe der Jahre fuer wichtig befand (Quelle TheyWorkForYou.com), Anmerkungen in Klammern von mir.
Voted a mixture of for and against a transparent Parliament.
(Well, can you make up your mind please?)
Voted moderately for introducing a smoking ban.
(Thank you, well done.)
Voted strongly for introducing ID cards.
(I think you've lived in Germany too long.)
Voted strongly for introducing foundation hospitals.
(Yep, cool.)
Voted strongly for introducing student top-up fees.
(Not a clue, is that good?)
Voted strongly for Labour's anti-terrorism laws.
(Oh for God's Sake, are you serious?)
Voted very strongly for the Iraq war.
(We fucked up big time, thank you very much.)
Voted very strongly against an investigation into the Iraq war.
(Makes sense, no? After that big fuck up?)
Voted very strongly for replacing Trident.
(Completely useless, total and utter waste of taxpayers' money, are you serious?)
Voted very strongly for the hunting ban.
(Good, very good, cheers for that.)
Voted strongly for equal gay rights.
(You're back to normal, appreciated, thank you.)
Voted moderately for laws to stop climate change.
(No, no, no, that's not good enough, it's got to be STRONG!)
Naja, koennte schlechter sein. Vielen Dank an Fabian fuer den Hinweis.
Posted by Konstantin Binder on 15/11/2009 in Politics | Permalink | Comments (7)
“We used to have a sense of humour about this. You go back 25, 30, 40 years and there has always been a bit of humour about the whole thing." Bruce Forsyth wollte schlichten, beruhigen. Erreicht hat er das Gegenteil. "Strictly Come Dancing" ist eine ungemein erfolgreiche TV Show der BBC. Mehr oder wenig bekannte Menschen versuchen mit professionellen Tanzpartnern und Tanzpartnerinnen einen Wettbewerb zu gewinnen, ballrom dancing, nichts fuer mich, aber seis drum, vielen Menschen gefaellt es. Was begann als mehr oder weniger angenehme Fernsehunterhaltung, entwickelte sich nicht nur zu einem Publikumsrenner und damit auch zur einer cash cow fuer die BBC, die Teilnehmer scheinen die Sache von Jahr zu Jahr auch jedesmal wichtiger zu nehmen.
Inmitten dieses harmlosen Vergnuegens platzte eine Bombe. Einer der ballroom dancers, Anton Du Beke, bezeichnete seine Partnerin, Laila Rouass, waehrend einer Probe als "Paki". Scherzhaft, so hiess es. Es war vielleicht humorvoll gedacht, aber Laila Rouass erkannte den Witz wohl nicht, spater jedoch akzeptierte sie eine Entschuldigung du Bekes. Das alles waere vielleicht nie an die Oeffentlichkeit gelangt, denn der Vorfall trug sich wie gesagt bei den Proben zu. Aber es kam anders. Die "Sun" erfuhr davon, und natuerlich stuerzten sich die sogenannten Redakteure dieser sogenannten Zeitung darauf, wie Fliegen auf Kot, sie koennen nicht anders.
Der wirklich wunderbare und von der Nation verehrte 81ig jaehrige Moderator der Show, Bruce Forsyth, liebevoll Brucey genannt, hat natuerlich recht. Wenn es um political correctness geht, scheint das Land den Sinn fuer Humor verloren zu haben. Ausgerechnet dieses Land. Und es wird jedes Jahr schlimmer. Hinter jedem noch so unwichtigem Quatsch, den man von sich gibt, wittern irgendwelche Gestalten Diskriminierung, Vorurteile oder noch schlimmer Rassismus. Politically incorrect language kommt noch vor health and safety regulations.
Das Problem ist nur, wo zieht man die Grenze. Brucies Aeusserungen waren sicherlich gut gemeint, allerdings sah sich die BBC gezwungen, unmittelbar nach seinem Interview eine offizielle Entschuldigung zu verbreiten. Und wieder waren die Beteiligten in die tiefste aller Fallgrueben reingestolperti: politically incorrect jokes.
Fakt ist, als whitey darf man das Wort "Paki" nicht benutzen. Niemals. Auch nicht im Scherz. Es gibt diese Worte und Begriffe. "Paki" gehoert dazu. "Paki" ist rassistisch und diskrimierend. Nichts anderes. Jeder, der das Wort benutzt, ist
entweder
(a) ein daemlicher Vollidiot
oder
(b) ein Rassist
Hear that, Anton du Beke?
Dilemma. Ein Kollege von mir, den ich sehr schaetze, schmeisst mir regelmaessig Aeusserungen ueber Deutschland und "die Deutschen" um die Ohren, die grossartig sind. Der Mann ist nicht nur intelligent, er weiss auch mit der Sprache umzugehen und hat ein beeindruckendes historisches Wissen. Und, der Mann ist Waliser. Oh ja, was fuer ein dankbares Ziel, und so kommt es, dass wir immer wieder herzlich lachen. Waeren wir beide wichtig oder dass was man heutzutage als wichtig ansieht, in anderen Worten, Menschen, die fuer zwei Minuten im Fernsehen erscheinen um irgendeinen Dreck von sich zu geben, duerften wir das nicht. Herzlich lachen. Denn wir pflegen den politically incorrect humour, privat, in der Firma. Mit viel Leidenschaft und grossem Vergnuegen.
Nur "Paki", als Beispiel, wuerde wir niemals sagen. Auch schon deswegen nicht, weil es einfach nicht witzig ist. Punkt.
Posted by Konstantin Binder on 11/10/2009 in Politics | Permalink | Comments (10)

© 2001 – 2010 Konstantin Binder. London ist gut zu mir gewesen. Ich denke, ich schulde es der Stadt, ab und zu ueber sie zu berichten. Est. 15 January 2004. No tourists were harmed or injured or shouted at (knowingly) in the making of this website. londonleben(at)mac(dot)com
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