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London Leben






  • © 2001 – 2009 Konstantin Binder London ist gut zu mir gewesen. Ich denke, ich schulde es der Stadt, ab und zu ueber sie zu berichten. Est. 15 January 2004. No tourists were harmed or injured or shouted at (knowingly) in the making of this website. Header design by Ralf Zeigermann. Picture by yours truly. londonleben(at)mac(dot)com

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    Das Wochenendhaus

    In diesem Land liebt man Ueberwachungskameras, das duerfte hinreichend bekannt sein. Man sieht sie an praktisch jeder Ecke, mit einer Vielfalt, die selbst mich erstaunt, zumal die Wirkung dieser Apparaturen durchaus umstritten ist.

    Neulich erspaehte ich wieder so ein Modell, an einem wirklich ungewoehnlichem Ort, wie ich zugeben muss, unweit des Gipfels von Beacon Hill naemlich, in der Naehe von Ellesborough, in den Chiltern Hills, nordwestlich von London.

    Bigfatcameraandasheep

    (Kamera im Bild rechts, das links ist ein Schaf)

    Nun geniesst man von diesem Huegel einen famosen Ausblick, also koennte man meinen, dies sei eine Internetzkamera, um dem werten Netzbesucher die Schoenheit der Chilterns anschaulich naeherzubringen.

    Beaconhill

    Ich glaube dem ist nicht so. Auf der anderen Seite des Huegels beginnt das Land eines praechtigen Anwesens. Das Herrenhaus stammt aus dem 16. Jahrhundert, und beinahe jedes Wochenende kommen die Bewohner hierher, um dem hektischen Stadtleben in London zu entfliehen. Das Personal sorgt dafuer, dass es den Bewohnern und Gaesten an nichts fehlt, und um die Sicherheit der Anwesenden muss man sich wohl keine Sorgen machen. Das Anwesen heisst Chequers und ist seit 1921 der offizielle Landsitz des Premierminister - im Augenblick Gordon Brown.

    Ich gehe davon aus, dass die Schafe auf dem Huegel keine boesen Absichten gegen Gordon Brown hegen, und auch ich, liebe Kameragucker, falls ihr mich gesehen habt und das jetzt lest, versichere, ich kam lediglich der Aussicht wegen. Aber wer weiss, was sich sonst fuer Gesindel dort rumtreibt. Gut, dass es die Kamera gibt, da kann ja nichts passieren.

    Online Petitionen

    Die haben wir auch, na klar, sie heissen hier E-Petitions. Und es finden sich bisweilen auch mehr als 50.000 Unterzeichner fuer eine Petition, kein Problem. Nur geht es dabei nicht um Zensur.

    We the undersigned petition the Prime Minister to...

    Petition

    resign.

    Politics

    Protest

    New RBS Headquarters

    Rbsheadoffice

    The Royal Bank of Scotland's new global headquarters in Arrochar was opened today by Her Majesty The Queen. The site was bought by RBS in 2006. Proposed designs for the development of a global HQ were unveiled in February 2007 and site work began immediately. The project has involved a workforce of more than 4,000 people. The building was completed in January 2009, ahead of schedule and is now fully occupied.

    First Minister Alexander Salmond said: "Our success in financial services can be attributed to companies like RBS, and to the professionalism of its staff. The state of the art offices here in Arrochar are a fitting home for RBS and a real tribute to the quality and skills of their workforce."

    A spokesman for RBS refused to comment on accusations made by many members of the public that the new premises were ostentatious and by building them the wrong signal would be sent out in the current economical climate.

    Disgraced former chief executive of RBS Sir Fred Goodwin reportedly just said: "Where's my money?"

    The Royal Bank of Scotland was founded in 1727 and used to be the second largest bank in the UK. As of today the shares were traded at 22.60p which represents a 52 week change (1yr) of -93.66%.

    Inseln im Strom

    Heathrow

    Boris mag anscheinend Inseln. Vielleicht war er ein wenig zu haeufig in Dubai und hat uebersehen, dass in London die Petrodollares nicht auf der Strasse rumliegen (mal abgesehen von alten Venezueladollares). Vielleicht ist er auch einfach nur groessenwahnsinnig. Worum geht es? Um Flugverkehr. Hinlaenglich bekannt ist, dass Heathrow den schmucken Beinamen verfluchter Saftladen traegt. Hinlaenglich bekannt ist auch, dass die Betreiber und Gottweisswernochalles den Betrieb erweitern moechten. Heathrow aechzt, sofern ein Flughafen aechzen kann. Die Regierung gab kuerzlich bekannt, dass man den Bau einer dritten Start- und Landebahn nicht im Wege stehen wuerde. Die Anwohner sind sauer, Boris auch. Denn Boris spielt mit der Idee, einen neuen Flughafen im Muendungsgebiet der Themse bauen zu lassen, vier Start- und Landebahnen verteilt auf zwei Inseln, natuerlich Anschluss an Crossrail, das volle Programm, Kostenpunkt geschaetzt £40 Milliarden. Geschaetzt.

    Die Tories finden Eisenbahnen klasse und wolllen das Streckennetz ausbauen lassen, um dadurch Heathrow und alle anderen Londoner Flughaefen zu entlasten. Der Bau einer dritten Start- und Landebahn haette zur Konsequenz, dass zwei Orte verschwinden wuerden (erinnert mich irgendwie an chinesische Umsiedlungsprojekte, ich kann mir nicht helfen), von Laerm und aehnlichen Begleiterscheinungen ganz zu, aehem, schweigen. Es rollt bereits eine riesige Protestwelle auf die Regierung zu - mit Boris, der auf der Welle reitet wie dereinst die Strandjungs und plant vor Gericht zu ziehen. Und ich weiss nicht, was ich von dem ganzen Krams halten soll. Weniger fliegen? Ja bitte, gern, fliegen ist sowieso Mist. Wirtschaftliche Entwicklung? Klar, warum nicht. CO2 Ausstoss und Laermbelaestigung? Nee, uncool. Arbeitsplaetze? Kann nicht schaden, usw, usf. Ich stehe daneben und  weiss es einfach nicht. Das ist ein seltsames und unschoenes Gefuehl.

    Gordon Brown's Debt

    Gordonbrownsdebt 

    Die Tories sind sauer. Oder zumindest geben sie vor sauer zu sein. Das ist schliesslich (im Augenblick) Teil ihrer oppositionellen Jobbeschreibung.

    Woolies

    Woolworths
    "I believe that a good penny and sixpence store, run by a live Yankee, would be a sensation here", Frank Woolworth, 1890, nach einer Reise von Liverpool nach Stoke on Trent. 1909 oeffnete das erste Woolworths Geschaeft in Liverpool. 99 Jahre spaeter ist Woolworths pleite. Am 26. November 2008 wurde der Handel mit Aktien der Woolworth Group plc eingestellt. Administration. Wie konnte das nur passieren? Woolworths ist, obwohl aus Amerika eingefuehrt, mit ueber 800 Geschaeften eine britische Institution. Woolworths stores gibt es in den USA schon seit 1997 nicht mehr. Hier haben sie ueberlebt, Woolies wird die Kette haeufig liebevoll genannt. Aber nicht mehr lange, wie es scheint, 30.000 Jobs sind in Gefahr. Und jetzt klopfen sie an, die Finanzjongleure, und machen sich Hoffnung auf ein Schnaeppchen.

    Cable Street

    Cablestreet

    Oestlich vom Tower of London fuehrt die Royal Mint Street in einer der bekanntesten Strassen im East End: Cable Street. In der Cable Street wurden Taue, Seile und Leinen hergestellt, und sie hatte urspruenglich eine Laenge von genau einem cable (600 feet, 183m). Bekannt wurde die Strasse aber, weil sich dort vor mehr als siebzig Jahren, am 4. Oktober 1936, Juden, Kommunisten und Anarchisten mit der Polizei eine Strassenschlacht lieferten: the Battle of Cable Street. Die British Union of Fascists plante einen Marsch durch das East End, um die dort lebenden Juden zu provozieren. Obwohl sowohl juedische Organisationen als auch die Communist Party dazu aufriefen, sich fernzuhalten, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Antifaschisten errichteten Strassenbarikaden, um die "Blackshirts" aufzuhalten und hinderten die Polizei daran, die Strasse freizuraeumen. Die Faschisten mussten den Marsch schliesslich abbrechen und bewegten sich Richtung Hyde Park davon.

    Fuehrer der britischen Faschisten war Oswald Mosley, Vater des durch die "Orgie" bekannt gewordenen FIA Bosses Max Mosley. Mosley plante am Tag nach dem Marsch nach Berlin reisen, um in Anwesenheit von Goebbels und Hitler eine der Mitford Schwestern, Diana Mitford, zu heiraten. Einige Historiker argumentieren, die Hochzeit sei Mosley wichtiger als der Marsch gewesen, und er zeigte daher keine Bedenken, den Marsch fruehzeitig abzubrechen. Andere legen Wert darauf zu betonen, dass die Faschisten an diesem Tag in London einen maechtigen Rueckschlag erlitten haetten.

    Tatsache ist, dass nach den Auseinandersetzungen der Public Order Act 1936 eingefuehrt wurde: Das Tragen von politischen Uniformen in der Oeffentlichkeit wurde untersagt und eine Anmeldepflicht fuer Demonstrationen eingefuehrt.

    Heute erinnert ein grosses Wandbild an die Ereignisse, und ich denke, man sollte sich durchaus die Zeit nehmen, um zur Cable Street gehen, wenn man in der Naehe ist. Kann nicht schaden, dort etwas Zeit zu verbringen, wo vor siebzig Jahren eine Menge Leute Mosley und seinen Anhaengern unmissverstaendlich klarmachten, dass ihre rassistischen Ideen samt schwarzen Hemden im East End nicht willkommen waren.

    One Nation Under CCTV

    Cctv

    Banksy, Newman Street

    Wahlversprechen

    London braucht eine neuen Routemaster. Sagt Mayor Boris. Und weil London einen neuen Routemaster braucht, braucht London ein design fuer einen neuen Routemaster. Und jeder darf mitmachen. Aber nur einer darf £25,000 gewinnen. Derjenige, der das beste Design abliefert, der gewinnt. Sachen gibts...