Was will man machen. Die Strasse gibt's wirklich.
File under: Chronistenpflicht. Oder Pflichtphoto. Oder wie auch immer. Charles Dickens hat's erwaehnt. Ha! Aber der hat auch alles erwaehnt.
Was will man machen. Die Strasse gibt's wirklich.
File under: Chronistenpflicht. Oder Pflichtphoto. Oder wie auch immer. Charles Dickens hat's erwaehnt. Ha! Aber der hat auch alles erwaehnt.
Posted by Konstantin Binder on 16/05/2013 in Other Stuff, Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
St Pancras gardens, das ist so ein Ort, ein Stueck Land, heute in London, damals nirgendwo oder anderswo. Seit vielen hundert Jahren taten Christen dort, was sie tun, wenn sie glauben. Ich mag St Pancras Old gardens nicht des christlichen Hintergrundes wegen, aber der alte Friedhof ist einfach schoen und traegt eine ordentliche Portion Vergangenheit mit sich rum. Das gefaellt mir. Wenn sie das vor ein paar hundert Jahren gewusst haetten. Nur fuenf Minuten zu Fuss entfernt steht einer der groessten Bahnhoefe Londons, die Zuege kommen dort wie man meint im Minutentakt an, nehmen Reisende mit und verteilen sie nicht nur im Norden, sondern auch in Frankreich und Belgien: King's Cross und St Pancras International.
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Die Ruhe dagegen, die die kleine Kirche und der alte burial ground verstroemen, ist genau das, beruhigend. Wenn etwas "old" heisst, gibt es normalerweise auch "new", und natuerlich, St Pancras New Church steht nicht weit weg an der Euston Road und dient seit 1822 als Parish Church. So bleibt dem kleinen alten Kirchengebaeude nur der Titel Chapel of Ease. Na, das reicht ja. Das was heute als Gemaeuer steht, ist eine Mischung aus aelteren und viktorianischen Bauelementen, die Kirche musste im Laufe der Jahrhundert mehrfach renoviert werden. Aber ich als Laie sehe es der Kirche gar nicht an, also will ich mich nicht beschweren. Und seit 1954 steht die Baumixtur unter Denkmalschutz. Das ist wichtig genug.
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Der alte Friedhof wird vom Borough of Camden verwaltet, nicht mehr so viele der alten Grabsteine stehen noch, den seit 1877 ist das alles ein oeffentlich zugaenglicher Garten, St Pancras Gardens, so heisst es heute.
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Das Mausoleum der Familie Soane ist hier zu finden, Sir John Soane hat es selbst entworfen. Sir John, I salute you. You nutter.
Und wer sich das Grabmal naeher betrachtet, wird vielleicht die Aehnlichkeit zu den beruehmten red telephone boxes sehen. Oder? Kein Wunder, ein gewisser Sir Giles Gilbert Scott liess sich davon inspirieren. How wonderful is that.
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St Pancras Gardens ist ein wunderbarer kleiner Ort in London. Land, Park, Garten, Friedhof, nicht wegzudenken, Teil dieser Stadt, Teil der Geschichte der Stadt, Ruhe verbreiten, zu Gelassenheit und zu einer Pause einladen.
Ich empfehle einen Besuch.
Posted by Konstantin Binder on 14/05/2013 in London erleben, Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
Seit November 2012 kann man an der Ecke Great Newport Street und Cranbourn Street im West End in der Naehe vom Leicester Square ein Agatha Christie Denkmal bewundern. Das Memorial ist 2,50 Meter hoch, hat ueberraschenderweise die Form eines Buches und auf beiden Seiten finden sich Hinweise zu Christies Werken und in der Mitte eine Bueste von ihr.
Nun koennte man sich fragen, was das soll, die Dame wurde in Torquay in Devon in South West England geboren und starb in Wallingford in Oxfordshire, aber das West End mit seinen Theatern ist natuerlich untrennbar mit ihr verbunden. "The Mousetrap" ist Christies beruehmtestes Buehnenstueck und wird seit 1952 im West End aufgefuehrt. Es ist damit das am laengsten ununterbrochen aufgefuehrte Theaterstueck der Welt.
Posted by Konstantin Binder on 02/05/2013 in London erleben, Vergaengliches | Permalink | Comments (2)
Vierzehn oder fuenfzehn Jahre soll er alt gewesen sein, vielleicht auch noch juenger. Auf allen Vieren soll er sich bewegt haben, sprechen oder sich verstaendigen konnte er nicht, so hiess es. Ein Wolfsjunge, ein Wilder, schwarzhaarig, nackt, die Jaeger in den Waeldern in der Naehe von Hameln moegen nicht schlecht gestaunt haben, vor vielen Jahren, im Fruehjahr 1724, als sie den Jungen dort fanden. Wilder Peter nannte man ihn, und so absonderlich war er, dass er alsbald nach Hannover Herrenhausen gebracht wurde, um von herrschaftlichem und adligem Volke bestaunt zu werden. Wohl zur Belustigung fuehrte man den Knaben dem ehemaligen Kurfuersten Georg Ludwig, dann George I. von England ebenda in Hannover vor, und nur wenige Monate spaeter sass der Knabe bereits auf einem Schiff mit Kurs nach England, so heisst es, der Koenig verfuegte die Reise.
Peter the Wild Boy genoss in England Bekanntheit. Wieder waren es Angehoerigen des Koenigshauses, die Interesse zeigten, aus was fuer Gruenden auch immer.
Peter the Wild Boy, Ausschnitt aus einem Gemaelde von William Kent
Der schottische Arzt John Arbuthnot versuchte sich im Auftrag der Princess of Wales, Caroline of Ansbach an seiner Erziehung, aber ueber die Jahre tat sich nicht viel. Der Junge wollte oder konnte nicht lernen. Irgendwann kam er auf dem Land nordwestlich von London bei einer Familie unter, fuer den Unterhalt sorgte das Koenigshaus. Musik soll er gemocht haben, und einfache Aufgaben konnte er bewerkstelligen.
Nach heutigen Erkenntnissen wuchs der vermeintliche Wolfsjunge allerdings nicht in den Waeldern Hamelns auf, sondern lebte vermutlich mit einer Behinderung, dem sognannten Pitt-Hopkins-Syndrom. Betroffene dieser sehr seltenen genetischen Erkrankung leiden unter anderem an Stoerung der motorischen Entwicklung und an mangelndem Sprachvermoegen. Wahrscheinlich setzten ihn seine Eltern einfach aus, aber mit Sicherheit laesst sich das heute natuerlich nicht sagen.
(Xl)
Peter the Wild Boy starb 1785 in Hertfordshire, er wurde ca. 70 Jahre alt. Das heute denkmalgeschuetzte Grab ist in Northchurch zu finden, auf dem Friedhof der Kirche St Mary's, unweit vom Haupteingang zur Kirche.
Posted by Konstantin Binder on 20/03/2013 in Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
Zu Beginn des Blitz im Oktober 1940 traf die britische Regierung die Entscheidung, in London sogenannte deep level shelters zu bauen. Die Luftschutzbunker sollten als jeweils zwei parallel angeordnete Roehren unter bereits bestehenden Underground Stationen konstruiert weden. Sicher kein leichtes Unterfangen, in jedem dieser shelter war Platz fuer bis zu 8000 Menschen vorgesehen.
Von den uersprunglich zehn geplanten Luftschutzraeumen blieben letztlich acht uebrig: Belsize Park, Camden Town, Goodge Street, Chancery Lane, Stockwell, Clapham North, Clapham Common, Clapham South. 1942 stellte man den letzten dieser acht deep shelters fertig. London Transport baute die shelters, finanziert wurde die Bauten durch oeffentliche Mittel. Die Tunnel sollten spaeter (zumindest optional) in das London Underground Netz integriert werden.
Entgegen den urspruenglichen Planen nutzten zunaechst vor allem verschiedene Institutionen und Abteilungen der Regierung die Luftschutzraeume, spaeter jedoch oeffnete man fuenf der Bunker waehrend der Bombardierungen durch deutsche Flugzeuge und Marschflugkoerper als Schutzraeume fuer die Bevoelkerung.
Auch der shelter unter High Holborn bzw. Chancery Lane Station war zwar als solcher geplant und gebaut worden, diente aber waehrend des Krieges als Telefonvermittlungsstelle und Kommunikationszentrum vor allem fuer den MI6.
Nach dem Krieg uebernahmen zuerst das Public Record Service und dann 1949 das General Post Office den shelter und erweiterte den Bau um vier weitere Tunnel. Im Kingsway Telephone Exchange oder auch Kingsway Trunk Switching Centre, wie es nach dem Krieg benannt wurde, arbeiteten zeitweilig bis zu 200 Menschen. Hier, knapp 70 Meter unter der Stadt endete das erste transatlantic telephone cable, TAT-1. Es gab eine Kantine und diverse andere Einrichtungen, die fuer einen solchen Betrieb noetig waren, darunter auch eine Bar, die (selbsternannte) tiefste Bar Grossbritanniens unter der Erdoberflaeche. Fuer den Notfall existierten zu Zeiten des Kalten Krieges natuerlich eine Klimaanlage und eine eigene Wasserversorgung, die Anlage konnte wochenlang autark betrieben werden.
Anfang der 80er Jahre schloss man die Einrichtung zu grossen Teilen, der Betrieb war einfach obsolet und viel zu teuer geworden. 2008 verkuendete British Telecom, dass die Tunnel vom Kingsway Telephone Exchange verkauft werden sollten.
Von den urspruenglich drei Eingaengen sind zwei uebrig geblieben, einer in High Holborn und ein Materiallift in 39 Furnival Street.
Das Gebaeude in der Furnival Street ist ein klein wenig auffaellig, kein Wunder, wenn man bedenkt was sich dahinter verbirgt.
Posted by Konstantin Binder on 17/03/2013 in Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
(XL)
Die Bomberflotte der Royal Air Force war im Zweiten Weltkrieg verantwortlich fuer die Luftangriffe auf Deutschland und damit natuerlich auch fuer diejenigen auf Hamburg und Dresden. 55573 aircrew aus Britain und diversen Commonwealth Staaten verloren bei den Angriffen ihr Leben, und das RAF Bomber Command Memorial im Green Park soll daran erinnern.
(XL)
Der Bau der Gedenkstaette kam nur schleppend voran, es fehlte an Geld und an Unterstuetzern, und nicht nur in Deutschland aber auch hier in Britain gab es eine Menge Leute, die natuerlich die sogenannten Flaechenbombardements nicht vergessen hatten. Gedenken an gefallene Soldaten des Zweiten Weltkrieges, ja klar, aber waren die Bomberpiloten und deren Befahlshaber wirklich alle Kriegshelden?
(XL)
Queen Elizabeth II eroeffnete das Denkmal am 28. Juni 2012, und ich dachte es sei mal an der Zeit hinzufahren.
Green Park ist ein Royal Park, da gehoert sowas hin, keine Frage. Die Ecke, wo sie das Denkmal hingesetzt haben, ist vielleicht schon ein klein wenig ueberfuellt, aber naja. Auffallend fand ich zunaechst mal die Anzahl der Besucher, es war ordentlich was los. Nun haben die Briten bei solchen Orten keinerlei Beruehrungsaengste, und vielleicht spielte bei vielen auch genau wie bei mir hauptsaechlich die Neugierde eine Rolle. Das Denkmal dient aber auch Familien als Trauerstaette wie man schnell sieht.
(XL)
Ich denke das ist alles zu bombastisch, wenn man mir die Wahl der Vokabel verzeihen mag, zu pathetisch. Komplette Zerstoerungen von Staedten sind keine Heldentaten, auch wenn ich mir sicher bin, dass wir Deutschen umgekehrt genau dasselbe gemacht haetten (und natuerlich taten). Es ist kein Ort, den ich gern besucht habe, es ist kein Ort, den ich nochmal besuchen wuerde. Es ist sicher ein Ort, an dem die Erinnerung uebertrieben dargestellt wird, faelschlicherweise. Man haette architektonisch leiser, eleganter und weniger protzig auftreten koennen. Du liebe Guete, muessen wir heutzutage wirklich noch Saeulen bauen?
(XL)
Aber ich denke auch fuer viele dient das memorial als Ort des Nachdenkens, und wenn das der Fall ist, dann reicht mir das als Existenzberechtigung.
Posted by Konstantin Binder on 06/02/2013 in Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
(XL)
St James's Palace, Pall Mall.
Offizieller Sitz der britischen Monarchen (nicht Buckingham Palace), obwohl sie dort nicht wohnen, die (wichtigen) Herrscher, also weder Ma'am noch ihr Sproessling Charles.
St James's ist maechtig alt. Heinrich VIII liess den Palast zwischen 1531 und 1536 bauen, seitdem hat sich dort allerhand Geschichte abgespielt, Geburten, Todesfaelle und dergleichen, und der naechste Monarch, den werden sie dort proklamieren. Charles? William? Wer weiss. Ansonsten akkreditiert man dort fleissig Botschafter, das ist ja auch nicht schlecht. Und einige eher unwichtige Mitglieder der koeniglichen Familie residieren in St james's, Anne z. B. Keine schlechte Adresse, sollte man meinen.
St James's ist nicht oeffentlich zugaenglich, man kann also als gemeiner Untertan nur erahnen, was hinter den alten Mauern so passiert.
Macht ganz gut was her, finde ich. Ist auch nicht so protzig oder bling bling. Ganz nett.
Posted by Konstantin Binder on 09/12/2012 in Vergaengliches | Permalink | Comments (0)
Posted by Konstantin Binder on 22/11/2012 in Vergaengliches | Permalink | Comments (5)
Tyburn, so hiess ein Ort in Middlesex, benannt nach dem Fluss Tyburn, der vor langer Zeit in die Themse floss. Tyburn ist im Domesday Book erwaehnt, aber sowohl der Ort als auch der Fluss existieren heute nicht mehr, letzterer weil ueberdeckt und unter der Stadt verschwunden.
Tyburn erlangte beruechtigte Bekanntheit, denn in Tyburn wurde jahrhundertlang oeffentlich hingerichtet. Die erste ueberlieferte Hinrichtung fand dort 1196 statt. William Fitz Osbert hiess der Mann, sein Leben endete am Galgen. 1571 errichtete man in Tyburn an einer Strassenkreuzung den sogenannten Tyburn Tree, eine dreieckige Holzkonstruktion die das gleichzeitige Haengen von mehreren Verurteilten ermoeglichte. Natuerlich richtete man oeffentlich, es waren makaberes Spektakel, die die Massen anzogen und so beliebt waren, dass sich zynische Redensarten bildeteten: "take the ride to Tyburn" oder einfach "go west, mit dem "Tyburn jig" beschrieb man die letzen Sekunden im Todeskampf am Galgen, der Henker trug im Volksmund den Titel "Lord of the Manor of Tyburn".
Am 3. November 1783 starb der letzte Verurteilte in Tyburn, John Austin, ein sogenannter highwayman, danach haengte man in Newgate weiter.
Von dem Hinrichtungsort ist heute fast nichts mehr uebrig, nichts, bis auf eine Gedenktafel, die dort im Boden eingelassen ist, wo die Galgen standen, und wo jahrhundertelang oeffentlich gerichtet wurde: in London, nicht weit von Oxford Street, Speakers' Corner und Tyburn Convent. Denn Tyburn befand sich dort, wo heute Marbe Arch steht, an der Ecke von Edgware Road und Bayswater Road.
Die Gedenktafel wird schnell uebersehen, man schreitet an ihr vorbei, wenn man die vielbefahrene Strassen ueberqueren moechte.
Posted by Konstantin Binder on 21/11/2012 in Vergaengliches | Permalink | Comments (1)
Posted by Konstantin Binder on 06/09/2012 in Vergaengliches | Permalink | Comments (0)

© 2001 – 2012 Konstantin Binder. London ist gut zu mir gewesen. Ich denke, ich schulde es der Stadt, ab und zu ueber sie zu berichten. Est. 15 January 2004. No tourists were harmed or injured or shouted at (knowingly) in the making of this website. londonleben(at)mac(dot)com
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