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03/11/2004

Comments

Martin

Remembrance Day könnte eines Tages mal einen ordentlichen Britisch-Deutschen Konflikt auslösen. Denn während die Briten den ganzen Tag ernst sind - was tun die Deutschen? Richtig: Kaaahnevaal! Sollte das mal im Kabelfernsehen gezeigt werden, wären diplomatische Komplikationen wohl unumgänglich. Sun, übernehmen Sie.

Stefan

Eben genau diese Problem stellt sich einer Gruppe deutscher Studenten letztes Jahr in Norwich. Während wir dank Satellitenfernsehen fröhliche Livebilder vom Altermarkt sahen und entsprechend froh gelaunt waren gedachte der Rest Englands seiner toten Kriegshelden. Ich muss nicht erwähnen dass wir "blissfully unaware" waren was diesen Umstand betrifft. Jedoch fanden unsere englischen Freunde gleich gefallen an dem Treiben und feierten nach kurzem Überlegen einfach mit. Sun und Daily Star müssens ja nicht erfahren...oder so...

Jossi

Dasselbe Problem, nur in verschärfter Form, habe ich mit dem "Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge" und seinen Straßensammlungen. Ich meine: Diese Leute wurden auf Veranlassung des Deutschen Reiches umgebracht, da ist doch wohl das Mindeste, was man verlangen kann, dass sich die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin um ihre Grabpflege kümmert.

Harry

Manchmal wundere ich mich schon, was für merkwürdige Gedanken Menschen haben. Es ist schon Unglück genug, daß Menschen (Zivilisten und Soldaten) in Kriegen sterben. Diesen Menschen aber die letzte Würde in Form einer zwei Minuten dauernden Pause zu verweigern oder dahinter etwa nationalistische Tendenzen zu vermuten ist mal wieder typisch deutsch. Es würde Deutschland und seinen Bürgern gut tun, sich an dieser Form der Trauerarbeit etwas abzuschauen. Aber der eigene Nabel scheint ja allemal wichtiger zu sein. "Aber gut daß wir darüber gesprochen haben !" :-/

Harry

Imke

Indeed - überraschenderweise hat die Mohnblume keinen nationalistischen Unterton. Anders als die deutsche Kriegsgräberfürsorge, die sehr viel verbiesterter und rechtskonservativ daherkommt, wird die Mohnblume in UK nicht vor allem von alten Männern getragen, sondern von Liberalen, Rechten, Linken, Jungen, Alten, Frauen, Männern, Studenten, Pensionären, und black cabs ;-) - Vor allem aber von allen offiziellen Personen, dem kann sich offenbar kaum jemand entziehen.
Und ja - der britische Staat zahlt schon für Veteranen, aber shamefully little, wie die gegenwärtige Diskussion um die kriegsgeschädigten britischen Soldaten im Irak zeigt. Darum richtet sich der diesjährige Poppy-Appeal auch explizit an alle, die die Familien erschossenener (oder zerbombter, oder in die Luft gesprengter oder sonst umgekommener) Soldaten aus der Irakinvasion unterstützen wollen.

Imke

Ein Nachtrag: Auch in London/UK leben wir natürlich in Zeiten der political correctness, und davon ist natürl;ich auch die rote Mohnblüte erfasst. Also: Es gibt schon eine Debatte darum, ob rote Mohnblüte nicht doch etwas zu chauvinistisch sei, dagegen wird dann die weiße Mohnblüte empfohlen, die von der Friedensbewegung gegen die rote eingeführt wurde (oder dieser sogar vorausging??). Aber - und das ist das deutlichste Zeichen dafür, dass die red poppy einen anderen Stellenwert hat als deutsche Kriegsgräberfürsorge oder nationalistische Heldenverehrung: Es ist awfully political correct eine red poppy zy tragen, so sehr, dass auf guardiancommentisfree.com gefragt wurde, ob man im November ohne rote Mohnblüte ein BBC-Studio überhaupt betreten dürfe, und Jon Snow von Channel4 sich, ewiger Vorzeigerebell, natürlich demonstrativ NICHT mit roter poppy zeigt. Das britische gemüt zum ganzen poppy-Kram läst sich im Übrigen sehr schön auf folgender blog-Seite nachlesen: http://www.britishblogs.co.uk/search/?s=red+poppy

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  • © 2001 – 2017 Konstantin Binder.

    London ist gut zu mir gewesen. Ich denke, ich schulde es der Stadt, ab und zu ueber sie zu berichten.

    Est. 15 January 2004.